Streik bei Privatbahnen

Im Norden fallen bis zu 90 Prozent der Züge aus

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL bestreikt erneut die privaten Wettbewerber der Bahn. Im Regionalverkehr geht teilweise nichts mehr.

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Im Tarifkonflikt mit den Konkurrenten der Deutschen Bahn haben am Morgen neue Streiks der Lokführer von privaten Bahn-Wettbewerbern begonnen. Eine Sprecherin der Lokführer-Gewerkschaft GDL sagte, die Streiks seien "gut angelaufen". Zugleich kritisierte sie, dass die Veolia Verkehr Sachen-Anhalt GmbH mit Aussperrungen bis zum Montag reagiert habe.

Die GDL hatte am Vortag in Frankfurt am Main Lokführer der privaten Bahn-Wettbewerber zu einem 47-stündigen Streik ab Donnerstag um 03.00 Uhr aufgerufen. Der Ausstand soll am Samstag um 02.00 Uhr enden. Am vergangenen Montag hatte die GDL die Lokführer privater Unternehmen bereits in einen 24-stündigen Ausstand gerufen.

Von dem neuen Streik sollen nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 22 Unternehmen betroffen sein. Trotz der Arbeitsniederlegungen vom Montag verweigerten die Konkurrenten der Deutschen Bahn weiter jegliches Angebot zu inhaltsgleichen Rahmentarifverträgen für Lokomotivführer, begründete die Gewerkschaft den Streikaufruf. „Diese Halsstarrigkeit kann keiner mehr verstehen“, erklärte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. „Die Arbeitgeber wollen den Tarifkonflikt tatsächlich auf dem Rücken der Kunden aussitzen.“ Die GDL fordert einen bundesweit gültigen Flächen-Tarifvertrag für alle rund 26.000 Lokführer in Deutschland.

Anfang März waren die Verhandlungen zwischen den sechs größten privaten Bahnbetreibern (G-6) und der GDL gescheitert. Nicht betroffen von den Streiks ist die Deutsche Bahn, mit der die GDL in der vergangenen Woche wieder Tarifverhandlungen aufnahm. Die erneuten Streiks behinderten dennoch weite Teile des Regionalverkehrs in Deutschland. Bei der Vogtlandbahn fielen zahlreiche Züge aus, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL Berlin-Sachsen-Brandenburg, Klaus-Peter Schölzke. So sei der Verkehr zwischen Zwickau und Falkenstein komplett eingestellt.

Auf der Strecke Falkenstein-Plauen-Hof führen nur 40 Prozent der Züge. Das Unternehmen versucht nach eigenen Angaben mit einem Notfallplan den Ausfall so gering wie möglich zu halten. Auf vielen Strecken gibt es einen Schienenersatzverkehr. Auf dem Streckennetz der Mitteldeutschen Regiobahn fahren laut Schölzke 60 Prozent der Züge nicht. Die restlichen werden durch Leiharbeiter und Büropersonal bedient. Ausfälle gibt es unter anderem auf den Strecken zwischen Leipzig und dem Flughafen Leipzig/Halle, zwischen Leipzig und Borna sowie zwischen Eilenburg und Torgau.

Zudem habe auch die Mitteldeutsche Regiobahn ein Notfallkonzept mit Schienenersatzverkehr eingerichtet. Bei der Ostdeutschen Eisenbahn in der Lausitz fahren hingegen alle Züge planmäßig. „Hier sitzen Teamleiter, aber auch Streikbrecher in den Zügen“, sagte Schölzke. In Brandenburg fahren nur wenige Züge der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) in Brandenburg. Auf den meisten Strecken sind Busse oder Taxis im Einsatz, teilte die Bahngesellschaft mit.

Gewerkschaft spricht von hoher Streikbeteiligung

Nicht betroffen ist nach ersten Angaben Mecklenburg-Vorpommern mit der Linie Hagenow-Neustrelitz. Bei der Ostseeland Verkehr GmbH (Ola) gab es Ersatzverkehr auf der Strecke Rehna-Parchim. Auch in Hessen kam es wegen des Streiks zu Verspätungen und Zugausfällen. Betroffen waren die Verbindungen der Hessischen Landesbahn (HLB) und ihrer Töchtergesellschaften Vectus und Cantus, wie GDL-Sprecherin Gerda Seibert sagte. Wie schon am Montag fielen vor allem im Rhein-Main-Gebiet und in Limburg Verbindungen aus.

Nach ersten Einschätzungen der Gewerkschaft sei von einer hohen Streikbeteiligung auszugehen. „Die Streiks sind gut angelaufen“, sagte Seibert. In Hamburg und Schleswig-Holstein sind unter anderem die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) und die AKN Eisenbahn AG betroffen. Nach Angaben von GDL-Sprecher Lutz Schreiber sind besonders die Verbindungen des Metronoms betroffen. Mehr als 90 Prozent der Züge fielen aus. Bayern und Nordrheinwestfalen blieben dagegen von Zugausfällen weitgehend verschont.

Derweil will sich der Regionalzugbetreiber Keolis, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, einem Zeitungsbericht zufolge offenbar dem Druck der GDL beugen. Laut „Financial Times Deutschland“ schrieb Keolis-Chef Hans Leister in einer E-Mail an die Mitarbeiter, er werde „der GDL nunmehr sofort konkrete Verhandlungen anbieten, unabhängig vom Verhalten anderer Bahnen“.

Zur Begründung führte Leister demnach die hohen Kosten an, die Keolis durch weitere Streiktage drohen. Den Schaden, der dem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro allein durch den Streik vom Montag entstanden ist, bezifferte Leister dem Bericht zufolge auf 110.000 Euro.