GDL

Bahnstreik – Das sind Alternativen für Pendler

Seit Donnerstagmorgen machen die Lokführer ernst. Pendler und Reisende müssen sich deshalb um Alternativen zur Bahn kümmern.

Die drei Warnstreiks in den vergangenen Wochen waren nur der Probelauf. Seit Donnerstagmorgen macht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ernst. Mit einem bundesweiten Arbeitskampf will sie ihrer Forderung nach einheitlichen Tarifbedingungen Nachdruck verleihen. Pendler und Reisende müssen sich deshalb um Alternativen zur Bahn kümmern. Denn Arbeitnehmer sind grundsätzlich selbst dafür verantwortlich, wie sie zur Arbeit kommen. Dass die Züge nicht mehr fahren, zählt nicht als Grund für Verspätungen oder gar Fehltage. Die verloren gegangene Zeit muss der Angestellte entweder nacharbeiten oder aber mit seinen Urlaubstagen verrechnen. Auch Reisende müssen selbst dafür sorgen, pünktlich am Flughafen zu erscheinen. Das gilt selbst für die so genannten Rail-and-Fly-Angebote, bei denen Veranstalter ihre Flüge zusammen mit der nötigen Bahnanreise zum Flughafen verkaufen. Die Alternativen zur Bahn sind überschaubar, aber immerhin vorhanden. Morgenpost Online stellt die wichtigsten davon vor.

1. Carsharing

Ironischerweise liefert die Deutsche Bahn gleich selbst eine Alternative zu ihren stehenden Zügen. Der Konzern bietet seinen Kunden das so genannte Carsharing an, um nach einer Zugreise mit dem Auto die letzten Kilometer zum Ziel zu fahren oder den Wocheneinkauf zu erledigen. Die Idee dahinter: Wer nur gelegentlich Auto fährt, braucht sich keinen teuren Wagen kaufen. Er meldet sich einfach bei einem der mittlerweile 128 Carsharing-Anbieter an und kann dann rund um die Uhr auf einen der bundesweit 5000 Wagen zurückgreifen, die häufig auf reservierten Stellplätzen an Bahnhöfen oder Flughäfen stehen – zumindest dann, wenn vor ihm kein anderer das Auto gebucht hat. Der Vorteil für den Verbraucher: Statt mehrere tausend Euro für ein eigenes Auto auszugeben, bezahlt er nur für die Zeit, in der er es tatsächlich benötigt.

Doch das Carsharing ist in Streikzeiten allenfalls ein Notnagel. Denn eigentlich ist es nur für jene interessant, die über einen längeren Zeitraum lediglich ein paarmal in der Woche ein Auto benötigen. Schließlich sind die Einstiegskosten hoch: Der Anbieter Cambio verlangt eine einmalige Aufnahmegebühr von 30 Euro und einen fixen monatlichen Beitrag von mindestens drei Euro. Hinzu kommt bei einigen Anbietern noch eine Kaution bis zu 650 Euro, die am Ende der Mitgliedschaft wieder auf das eigene Konto wandert. „Die Frage ist, ob sich das für zwei bis drei Fahrten lohnt“, sagt Verbraucherschützer Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Leiht sich der Kunde dann das Auto, muss er pro Stunde und verbrauchtem Kilometer noch zusätzlich zahlen. Deshalb rät der Bundesverband Carsharing davon ab, mit dem geliehenen Auto zur Arbeit zu fahren. Für Bahnreisende, die ohnehin schon Kunde bei einem solchen Anbieter sind, halten sich die Kosten hingegen in Grenzen.

2. Linienbusse

Der Lokführerstreik offenbart eine große Schwäche deutscher Verkehrspolitik: den Mangel an Busverbindungen zwischen den Städten. Per Gesetz dürfen Linienbusse nur auf solchen Strecken zum Einsatz kommen, auf denen etwa die Deutsche Bahn nicht verkehrt. Damit gibt es in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – praktisch keine Fernbuslinien.

Die wenigen Ausnahmen können allerdings eine sinnvolle Alternative zum Zug sein. Denn die Busse sind nicht nur auf weiten Strecken unterwegs, sondern auch in den Regionen. Vor allem von und nach Berlin fahren täglich mehrere von ihnen. Der Zusammenschluss „Berlin Linien Bus“ steuert 350 Ziele in Deutschland und Europa von Amsterdam bis Zwiesel an. Zwischen großen Städten wie Hamburg und Berlin besteht sogar eine Verbindung beinahe im Stundentakt.

Eine Fahrt von der Haupt- in die Hansestadt kostet zwischen 22 und 27 Euro und dauert dreieinhalb Stunden. Damit ist auf dieser Strecke die Reise mit dem Bus sogar um mehr als die Hälfte günstiger, als die Fahrt mit der Bahn – und damit nicht nur im Falle stehender Züge eine Alternative. Allerdings muss der Kunde mehr Zeit mitbringen: Mit dem ICE dauert die Reise nicht einmal zwei Stunden. „Wir sind auch ein bisschen das Ventil für die Menschen, wenn die Bahn nicht fährt oder eine Aschewolke den Flugverkehr lahmlegt“, sagt Jörg Sipli, Leiter der Fernbussparte bei Bayern Express, einem Anteilseigner von „Berlin Linien Bus“. Da das Risiko besteht, am Morgen kein Ticket mehr zu bekommen, sollte man sich schon frühzeitig um eine Fahrkarte kümmern.

3. Mietwagen

Wer keinen Platz mehr im Bus findet, kann zu einem Mietwagen greifen. Oft befinden sich die Niederlassungen der Vermieter auch praktischerweise in Bahnhofsnähe. Welchen Preis Anbieter wie Europcar, Sixt, Hertz oder Avis verlangen, hängt vor allem vom Zeitpunkt der Buchung und der Größe des Wagens ab. Günstigere Angebote gibt es meist, wenn der Kunde das Auto für mehrere Tage ausleiht und sich mit einem Kleinwagen begnügt.

Wer einen Wagen im Internet bucht, sollte die Preise der Anbieter vergleichen. Der Unterschied kann enorm ausfallen. Auch ist es sinnvoll, auf der Homepage der Anbieter nicht nur den Preis einer Niederlassung abzufragen, denn je nach Standort verlangen die Unternehmen unterschiedliche Preise für einen Fahrzeugtyp: Während bei einer Abfrage am Kölner Hauptbahnhof ein Kleinwagen von Sixt über 130 Euro Mietgebühr kostete, verlangte die Niederlassung am Stadtrand nur 53 Euro. Hinzu kommt allerdings noch der Aufschlag für eine Vollkaskoversicherung. „Diese Police sollte man immer abschließen und den Selbstbehalt so gering wie möglich halten“, rät Verbraucherschützer Tryba. Und die Tankrechnung muss der Kunde ebenfalls bezahlen. Damit ist der Mietwagen bei den derzeit hohen Benzinpreisen eine kostspielige Alternative zur Bahn.

4. Mitfahrzentralen

Für viele Pendler und Urlauber dürfte der Leihwagen deshalb nur eine Notlösung sein. Deutlich günstiger sind Fahrgemeinschaften, die sich über das Internet zusammenfinden. Auf Internetportalen wie Mitfahrgelegenheit.de oder Drive2day.de suchen Autofahrer nach Mitreisenden, um sich die Spritkosten zu teilen. „Solche Angebote gibt es schon lange, die Idee stammt ja noch aus der Zeit vor dem Internet“, sagt Verbraucherschützer Tryba. Reisende kommen so selbst bei längeren Strecken vom Fleck, Berufspendler finden auf diesem Weg oft eine günstige Alternative von wenigen Euro zum Regionalverkehr. Meist ist der Preis Verhandlungssache. Einige Anbieter wie Pendlernetz.de konzentrieren sich sogar speziell auf die Vermittlung von Fahrgemeinschaften für den Job.

Zwar besteht auch hier das Risiko, dass die Plätze in den Autos schnell vergriffen sind. Allerdings könnte nun auch das Angebot steigen: Wer bisher sein Auto lieber stehen ließ und mit dem Zug zur Arbeit fuhr, könnte jetzt die freien Plätze an andere vermieten. Im besten Fall etablieren sich auf diesem Weg einige Fahrgemeinschaften, die auch beim nächsten Streik wieder zusammenfinden.

Ob es sich allerdings lohnt, während der Streiks auf die Straße auszuweichen, muss sich erst zeigen. Schließlich ist auch der Güterverkehr vom Arbeitskampf betroffen. Viele Unternehmen lassen ihre Güter deshalb von Lastwagen transportieren, wodurch sich das Fortkommen auch auf den Straßen verlangsamen könnte. Deshalb rät Verbraucherschützer Tryba zur Heimarbeit. „Wenn es sich beruflich vereinbaren lässt, könnte es sich lohnen, den Arbeitgeber darauf anzusprechen.“