Fukushima-Katastrophe

AKW-Betreiber Tepco muss Verstaatlichung fürchten

Die Atomkatastrophe in Fukushima bringt den AKW-Betreiber Tepco ins Taumeln. Eine staatliche Übernahme wird immer wahrscheinlicher.

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Die japanische Regierung wies den Bericht zurück. An der Börse in Tokio wurden Tepco-Aktien vom Handel ausgesetzt.

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Wegen der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima muss der Betreiber Tepco den Verlust seiner Unabhängigkeit fürchten. Die japanische Regierung schließt eine Verstaatlichung nicht aus, nachdem der Konzern auch mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami keine Kontrolle über die schwer beschädigten Reaktoren im Nordosten hat. Dies sei natürlich eine Möglichkeit, wenn über die Zukunft von Tepco debattiert werde, sagte Minister Koichiro Gemba der Nachrichtenagentur Kyodo.

Er gilt im Kabinett als Gegner staatlicher Unternehmen. Zuvor hatte die Zeitung „Yomiuri“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, der Staat könnte die Mehrheit an Tepco übernehmen und so dem Konzern bei den wachsenden Kosten der Katastrophe unter die Arme greifen. Dagegen sagte Regierungssprecher Yukio Edano, das Kabinett denke noch nicht über eine Verstaatlichung nach. Jede Entscheidung über die Zukunft des Konzerns brauche Zeit. Ein Tepco-Sprecher sagte ebenfalls, dass ihm von derartigen Plänen nichts bekannt sei. Die wichtigste Aufgabe sei es, eine Eskalation in Fukushima zu verhindern.

Tepco bat zuletzt französische Experten um Hilfe. Die Hoffnung auf eine Eindämmung der Atomkatastrophe schwindet aber zunehmend. Nach Angaben der Regierung gab es in einem der sechs Reaktoren eine teilweise Kernschmelze. Der wegen seiner Informationspolitik in die Kritik geratene Stromkonzern räumte zudem ein, in mehreren in der vergangenen Woche entnommenen Bodenproben, Spuren von hochgiftigem Plutonium gefunden zu haben.

Die Chancen, dass Tepco in seiner derzeitigen Aufstellung weiter bestehe, seien gering, sagte eine mit den Überlegungen der Regierung vertraute Person. Möglich sei auch eine Abspaltung des Atomgeschäfts von Tepco, das dann anschließend verstaatlicht werden könnte. „Es gibt keine andere Möglichkeit als Tepco zu verstaatlichen“, sagte ein Fondsmanager. „Die Menschen sind sehr wütend auf das Unternehmen. Der Ärger wird nicht verfliegen wenn die Regierung nur Geld in das Unternehmen pumpt, aber das Management weiter machen lässt.“

Das Risiko, das das Unternehmen ohne Hilfe zusammenbricht, sei zu groß. Tepco versorgt etwa ein Drittel der japanischen Bevölkerung mit Strom. Noch vor möglichen Schadensersatzforderungen steht Tepco vor einem hohen Schuldenberg und stetig steigender Kosten. Analysten zufolge muss Tepco monatlich mehr als eine Milliarde Dollar allein für alternative Energiequellen aufbringen, um den Ausfall seiner Reaktoren auszugleichen. Da immer noch Radioaktivität austritt, könnten die Kosten der Krise die verfügbaren Mittel – darunter 25 Milliarden Dollar aus einer Notfinanzierung von Japans großen Banken – schnell aufzehren.

Zudem sind wegen der Katastrophe in Fukushima die Versicherungen gegen Kreditausfälle um einiges teurer geworden. Der Preis für eine Absicherung auf fünfjährige Tepco-Anleihen hat sich dem Datenanbieter Markit zufolge mehr als verzehnfacht. Zuletzt musste ein Aufschlag von 4,75 Prozent bezahlt werden, vor der Krise lag er bei 0,4 Prozent. Die Aussicht sorgte für eine Entspannung. Die Versicherung wurde mit 4,05 Prozent gehandelt.

Am Anleihemarkt käme ein solcher Schritt gut an, sagten Analysten. Die Regierung übernähme de facto die Garantie für die Schulden von insgesamt etwa 92 Milliarden Dollar. Investoren hätten dadurch mehr Vertrauen darauf, dass sie ihr Geld zurückerhielten. Am Aktienmark lösten die Spekulationen dagegen Turbulenzen aus. Nach massiven Verkaufsaufträgen wurden die Tepco-Aktien vom Handel ausgesetzt. Zuvor hatten sie 19 Prozent im Minus gelegen. Insgesamt haben die Papiere seit dem Erdbeben am 11. März 70 Prozent ihres Wertes verloren. Damit wurden rund 30 Milliarden Dollar vernichtet.