Weltwirtschaft

Ökonom warnt vor Domino-Effekten der Japan-Krise

Die Lieferströme aus Japan werden immer dünner. Laut Top-Ökonom Snower könnte das Auto-und Computerfirmen weltweit stark schwächen.

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Lieferausfälle in Japan könnten nach Ansicht des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auch für andere Länder schnell zum Problem werden. "Es bedeutet einiges, wenn Chips aus Japan ausfallen“, sagte Dennis Snower der "SüddeutschenZeitung“. "Es könnte zu Domino-Effekten kommen, die den gesamten asiatischen Raum erfassen. Und damit auch Autokonzerne und Computerfirmen auf anderen Kontinenten“, warnte er. Die Frage sei, „wie robust diese Lieferketten sind“.

Viele Konzerne klagten bereits darüber, dass die Lieferströme immer dünner würden. "Es gibt möglicherweise weltweit viel weniger Zulieferer als vor zehn Jahren.“ Mit Blick auf die Weltwirtschaft sieht Snower jetzt vor allem andere Staaten in der Pflicht: "Es muss andere Länder geben, die in dieser Lage stabilisieren, Schwellenländer wie China.“ Die Dynamik gehe von ihnen aus.

Auch nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten der Schweizer Regierung könnte die Krise in Japan das Wachstum der Weltwirtschaft beeinträchtigen. Das Erdbeben allein und seine Folgeschäden dürften für die weltweite Wirtschaft keine ins Gewicht fallenden Folgen haben, hieß es in der Konjunkturprognose des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Falls es zu einer atomaren Katastrophe komme, müsse Japan mit einer massiven und länger dauernden Wirtschaftskrise rechnen. Dann wäre nach Ansicht der Experten zu befürchten, dass die internationalen Produktionsprozesse stark beeinträchtigt würden.

Die internationalen Finanzmärkte könnten durch eine erhöhte Verunsicherung negativ betroffen werden. Das wiederum könnte angesichts der nach wie vor angeschlagenen finanziellen Verfassung gewisser Finanzinstitute auch auf die realwirtschaftliche Entwicklung ausstrahlen, hieß es in der vierteljährlichen Konjunktureinschätzung des Seco. Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, rechnet aus derzeitiger Sicht jedoch noch nicht mit gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Katastrophen in Japan auf Deutschland.

Allerdings warnte er im ARD-Morgenmagazin: „Da kommt einiges zusammen“. Schließlich gebe es noch die Schuldenkrisen im Euro-Raum. Und ob die weltweite Finanzmarktkrise schon ganz überstanden sei, da sei er nicht sicher. Was die Folgen des Erdbebens in Japan angehe, zeigten frühere Erfahrungen mit solchen Ereignissen, dass das Land relativ schnell seine Produktion wieder hochfahren und seine Infrastruktur in Ordnung bringen könne.

Bei den möglichen Folgen der Atom-Katastrophe fehlten jedoch jegliche Erfahrungswerte. Da könne man nur hoffen, dass Japan das Schlimmste erspart bleibe. Bei den Auswirkungen auf Deutschland "müsse man etwas relativieren“, sagte Franz. „Das Außenhandelsvolumen mit Japan ist vernachlässigbar“, sagte auch Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Deutschland liefere nur rund eineinhalb Prozent seiner gesamten Exporte in das asiatische Land, der Importanteil liege bei rund zweieinhalb Prozent. „Allerdings muss man sogenannte Drittlandeffekte mitberücksichtigen“, gab Franz zu bedenken. Dabei gehe es um Staaten, die eng mit Japan verflochten seien und nun womöglich mit einem wirtschaftlichen Einbruch kämpfen müssten. Das würde dann auch Deutschland zu spüren bekommen.

Japan muss wohl bald Steuern erhöhen

Die Bewältigung der Katastrophen in Japan wird nach Einschätzung von Franz sicher nicht nur über neue Schulden gehen können. Japan habe schon jetzt „eine sehr, sehr hohe Staatsverschuldung“. Daher werde das Land über kurz oder lang nicht umhin kommen, über Steuererhöhungen nachzudenken. Nur über neue Schulden könne Japan sicher nicht gehen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht trotz der Atomkatastrophe in Japan eine positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Hundt sagte der Nachrichtenagentur dapd: „Unsere Wirtschaft ist im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt.“ Allerdings seien die Auswirkungen der Ereignisse in Japan „noch nicht zu übersehen“. Hundt fügte hinzu: „Wenn hieraus nicht enorme neue Turbulenzen entstehen und die Rohstoffpreise nicht weiter steigen, wird das Wachstum dieses Jahr deutlich über zwei Prozent liegen.“

Auch nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums gefährdet die Japan-Krise nicht den Aufschwung in Deutschland. „Die Signale für ein weiteres dynamisches Aufschwungsjahr stehen auf grün“, hieß es im Monatsbericht. Angesichts des geringen Gewichts der japanischen Wirtschaft für den deutschen Außenhandel dürften von der Katastrophe „nur begrenzte direkte Einflüsse ausgehen“. Die Konjunkturerholung werden nicht nur von den Exporten, sondern zunehmend auch von der Binnenwirtschaft getragen. „Der Aufschwung steht inzwischen fest auf zwei Beinen“, schrieb das Ministerium.