Ohne den Chef geht nichts - zumindest nicht auf dem Weg nach oben. Deswegen sind Mitarbeiter ihren Vorgesetzten jedoch nicht völlig ausgeliefert. Ratgeber wie "Mein Chef macht, was ich will" oder "Wie führe ich meinen Chef" machen deutlich: Es gibt sie, die Führung von unten, und wer sich heute beruflich weiter entwickeln will, sollte einige Kniffe und Tricks kennen, um seinen wichtigsten Karriereförderer für sich einzunehmen. "Fachkenntnisse sind austauschbar", sagt Autor und Management-Berater Jens Tomas, "Entscheidend ist, wie mein Chef mich wahrnimmt." Autor Jürgen Lürssen schreibt in seinem Buch "Wie macht man Karriere" sogar, dass 80 Prozent aller Karriereprobleme an Schwierigkeiten mit dem Chef liegen.
Um diese zu vermeiden, muss man laut Tomas erst einmal eins: den Chef kennenlernen. "Ein ganz wichtiger Faktor auf dem Weg nach oben ist Sympathie", sagt der Berater. "Wir sind eher dazu bereit, denjenigen Zugeständnisse zu machen, die wir sympathisch finden." Und Sympathie basiert auf Gemeinsamkeiten. "Finden Sie heraus, wie ihr Chef tickt", rät der Autor. "Interessiert er sich für Taubenzucht, dann sollten Sie auch etwas darüber herausfinden." Noch viel wichtiger ist es jedoch, die Ziele seines Vorgesetzten zu kennen. "Ein Chef will, dass Mitarbeiter seine Probleme lösen und ihn dabei unterstützen, seine Ziele umzusetzen", sagt Tomas weiter. "Wenn er sich hundertprozentig auf mich verlassen kann, dann werde ich in seinem Ansehen klettern - und er wird auch mich unterstützen." Dabei sollte ein Mitarbeiter Mut beweisen und direkt nachfragen: "Was ist für Sie wichtig in diesem Projekt? Was wünschen Sie sich von mir?"
Doch alles hilft nichts, wenn man gar nicht erst dazu kommt, hundert Prozent zu geben und zu zeigen, was man kann. Gabriele Hauser* arbeitet in einer kaufmännischen Abteilung eines großen deutschen Konzerns. Der Wechsel der 32-Jährigen in einen neuen Bereich ging gar nicht gut: "Ich hatte kein konkretes Aufgabengebiet und war ständig unausgelastet", erzählt sie. Als sie ihren Chef daraufhin ansprach, dass sie noch Aufgaben übernehmen könne, da andere Kollegen völlig überlastet wären, gab es keine Reaktion.
Was tut man in so einem Fall? "Innerhalb der Abteilung Netzwerke bilden", rät Autorin und Management-Coach Christiane Drühe-Wienholt. "Herausfinden, in welche Richtung die Arbeit weiter gehen wird und vor allem wieder das Gespräch mit dem Chef suchen und dort konkrete Aufgaben, Ziele und Entwicklungen besprechen." Hier wird wichtig, wie der Vorgesetzte den Mitarbeiter wahrnimmt. "Er scheint die Mitarbeiterin als nicht kompetent einzuschätzen", mutmaßt Berater Jens Tomas und weist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: "Der Chef muss Sie für fähig halten." Dazu muss man Autorität aufbauen, zum Beispiel, indem man einen Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlicht und ihn dem Vorgesetzten zuspielt. "Wenn man merkt, dass der Chef einen nicht für kompetent hält, dann sollte man ihn direkt ansprechen: Woran liegt es, dass Sie mir keine weiteren Aufgaben geben?", rät Tomas.
Kommunikation ist wichtig
Kommunikation ist alles - und nicht nur in schwierigen Situationen. Von Anfang an ist es wichtig herauszufinden, wie der Chef tickt. Delegiert er gern oder will er alles kontrollieren, ist er schnell begeisterungsfähig oder braucht er jede Menge Fakten, will er exakt planen, oder liebt er das Risiko? Dann heißt es: Anpassen. "Man muss flexibel sein, um Karriere zu machen", sagt Tomas. "Nur wer mit unterschiedlichen Menschen umgehen kann, kommt nach vorn."
Aber das ist besonders dann nicht einfach, wenn der Führungsstil des Chefs gar nicht zu den Bedürfnissen des Mitarbeiters passt. Ein weiteres Beispiel: Stefan Herzer* arbeitet in einem mittelständigen Beratungsunternehmen in der Automotivbranche. Sein Chef ist sehr gut darin, neue Aufträge zu beschaffen. "Aber wenn er einen neuen hat, dann knallt er ihn einem Mitarbeiter auf den Tisch und sagt: jetzt mach mal. Danach beschäftigt er sich gar nicht mehr mit dem Projekt", erzählt Herzer.
Einige Mitarbeiter könnten diesem Druck nicht standhalten und verzweifelten bis zum Burn-Out. "Der Mitarbeiter sollte auf einem festen Besprechungstermin bestehen, Fragen und Probleme konkret ansprechen und mit dem Chef gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeiten", rät Autorin Drühe-Wienholt. "Und eins vor allem nicht tun: Jammern." Wer ernst genommen werden will, sollte sachlich bleiben, keine Vorwürfe oder Verallgemeinerungen machen und versteckte Botschaften senden.
"Dabei ist es auch sehr wichtig, für die Wünsche und Vorstellungen des Chefs offen zu sein." Denn der Weg nach oben ist keine Einzelkämpferstrecke. Führung von unten ist vor allem eins: "Ich muss meine Beziehung zum Chef so gestalten, dass wir gemeinsam an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen", sagt die Autorin. "Ich muss ihm so weit entgegen kommen, dass er bereit ist mit zu helfen, meine Ziele und Ideen zu verwirklichen."




