Hafen-Rangliste

Hamburg will Platz zwei von Antwerpen zurück

Der Hamburger Hafen profitiert vom Export-Boom. Er hat den Umschlag der Container kräftig erhöht und kommt Rivale Antwerpen immer näher.

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Wenn Waren aus Deutschland weltweit gefragt sind und die Exporte steigen, profitieren davon die Häfen. Denn 90 Prozent aller Ausfuhren verlassen das Land über den Seeweg. Abzulesen ist der Erfolg der Exportwirtschaft nun auch an den Zahlen des zweitgrößten deutschen Unternehmens für den Hafenumschlag, der an der Börse notierten Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA).

Nach vorläufigen Geschäftszahlen erhöhte die HHLA im vergangenen Jahr den Containerumschlag um 19 Prozent auf 5,8 Millionen Container. Gemessen wird dies am Standardcontainer mit 20 Fuß Länge (TEU, Twenty Foot Equivalent Unit). Die HHLA betreibt Umschlagsterminals in der Hansestadt und in Odessa am Schwarzen Meer, Schwerpunkt ist aber mit Abstand Hamburg.

Der Hafenkonzern hat damit gegenüber den Rivalen Rotterdam und Antwerpen Boden gut gemacht und in der Krise verloren gegangene Marktanteile teilweise wieder zurückgewonnen. Auch im Vergleich mit Bremerhaven und dem dort tätigen Konkurrenten Eurogate hat die HHLA stärker zugelegt. Grund dafür ist, dass einige Reedereien Hamburg erstmals in ihre Liniendienste mit aufgenommen haben, andere haben die Verbindung ihrer weltweiten Anlaufstellen mit dem norddeutschen Hafen ausgeweitet.

Dazu gehören zum Beispiel die Großreedereien Maersk aus Dänemark und CMA CGM aus Frankreich. Allerdings war der Einbruch durch die Wirtschaftskrise in Rotterdam und Antwerpen auch bei weitem nicht so groß gewesen wie in Hamburg. Der Abschwung der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass Hamburg hinter Antwerpen auf Platz drei der größten europäischen Häfen abgerutscht ist. Der Abstand zwischen den beiden Hafenstädten im Containerumschlag beträgt rund eine halbe Million TEU.

Hafenkonzern intensiviert Aufholjagd

Nun intensiviert der Hafenkonzern HHLA seine Aufholjagd. "Das vergangene Geschäftsjahr verlief sehr erfreulich“, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Peters. Besonders stark hat der Konzern vom Wachstum des Schiffstransports von Asien nach Europa profitiert. Im Hinterlandverkehr, dem Weitertransport der Container per Güterzug, Binnenschiff oder Lkw, erhöhte die HHLA die Mengen um 13 Prozent auf 1,7 Millionen TEU. Die beste Entwicklung gab es im Zugtransport: Hier sollen schon wieder Zahlen aus dem Rekordjahr 2008 erreicht worden sein.

Offensichtlich hat die HHLA aber bei den Preisen Zugeständnisse machen müssen. Denn das Umsatzwachstum lag mit gut acht Prozent bei nunmehr 1,04 Milliarden Euro deutlich niedriger, als das Plus von 19 Prozent bei der Zahl der Container. "Wir rechnen damit, dass die Preise bei der HHLA auch weiterhin unter Druck bleiben werden“, sagte Per-Ola Helgren, Aktienanalyst der Landesbank Baden-Württemberg, "Morgenpost Online“.

Nach seinen Berechnungen hat der Konzern bereits im dritten Quartal 2010 die Umschlagspreise um durchschnittlich zehn Prozent gesenkt. Dieser Trend habe sich fortgesetzt. Das war zuvor anders gewesen: Denn während der Krisenjahre 2008 und 2009 hatten zwar Rotterdam und Antwerpen die Umschlagspreise gesenkt, die HHLA jedoch hatte in der Zeit die Preise nahezu stabil gehalten.

Exporte treiben Geschäft an

Ebenso offensichtlich muss es der HHLA aber auch gelungen sein, die Kosten für den Geschäftsbetrieb zu senken. Denn der Betriebsgewinn ist weit stärker gestiegen als der Umsatz: Das Ergebnis des im Nebenwerte-Index notierten Konzerns (Ebit, vor Zinsen und Steuern) verbesserte sich von 148 Millionen auf 178 Millionen Euro und damit um 20 Prozent. Die Rendite vor Steuern lag bei 17 Prozent, im Vorjahr hatte sie noch gut 15 Prozent betragen. Auf den Kurs der HHLA-Aktie hatte die Veröffentlichung der Zahlen zunächst keinen Einfluss.

Die Chancen, dass sich die HHLA auch in diesem Jahr gegenüber den Konkurrenten behaupten wird, stehen nicht schlecht. Zum einen treiben die Exporte weiterhin die Umschlagszahlen an. Und zum anderen könnte der wieder steigende Ölpreis den Hamburgern in die Hände spielen. Denn Schiffe sind immer noch das mit Abstand günstigste Transportmittel im Vergleich mit dem Lkw oder der Diesellok. Sollten wegen des steigenden Diesel-Preises die Spediteure neu zu rechnen anfangen, dann werden sie für den Warentransport etwa aus Übersee nach Europa einen möglichst langen Seeweg und nur eine kurze Strecke auf dem Landweg per Lkw oder Zug bis zum Abnehmer der Ware wählen.

Und statt in die Nordseehäfen Antwerpen oder Rotterdam könnten Transporte ihren Weg über Hamburg nehmen, denn schließlich ist dieser Hafen ein ganzes Stück näher an wichtigen Absatzmärkten in Ost- und Mitteleuropa gelegen. Aber dies ist nur ein Aspekt. Sollte der hohe Ölpreis nämlich die Wirtschaft weltweit belasten und zum Einbruch der Nachfrage führen, würden natürlich auch Häfen wie Hamburg darunter leiden.