Krisenstimmung

Zahlreichen Schiffsfonds droht der Untergang

Die Stimmung unter Teilhabern an Schiffsfonds hat sich eingetrübt. Die einstige Renommier-Assetklasse ist längst nicht mehr krisensicher.

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Wenn sich die Branche der geschlossenen Schiffsfonds am 17. November beim Hansa-Schiffsforum in Hamburg ihr Stelldichein gibt, besteht wenig Anlass, das 15. Treffen dieser Art zu feiern. Im Gegenteil: Noch nie waren die Vorzeichen für die Traditionsveranstaltung so düster. Die einstige Renommier-Assetklasse unter den geschlossenen Fonds ist zum Sorgenkind geworden – für alle Beteiligten: Reeder, Emissionshäuser, Anleger und finanzierende Banken. Und es steht zu befürchten, dass die bisher bekannt gewordenen schlechten Nachrichten lediglich die Spitze des Eisbergs sind.

Noch vor einem Jahr konnte die Branche darauf vertrauen, dass die Banken die notleidenden Schiffsfonds, die ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten, nicht in die Pleite treiben würden. Gewiss, mit Unterstützung der finanzierenden Banken gelangen einige Sanierungen, weil viele Kommanditisten (alte und neue) frisches Geld für Sanierungen einzahlten, die die euphemistische Bezeichnung Fortführungskonzepte erhielten. Und einige Sanierungen erwiesen sich nicht als nachhaltig.

Aber mittlerweile wollen und können die Banken nicht mehr stillhalten. Der spektakulärste Fall der vergangenen Wochen, in dem eine der beiden finanzierenden Banken den Kredit kündigte, war der Dr. Peters DS-Fonds 111, der in zwei Tanker investiert hatte.

Immer mehr Schiffsfonds gehen pleite

Die beiden Schiffe fahren derzeit nicht einmal die Betriebskosten ein. Die Nordea Bank weigerte sich, weiter auf die Tilgung zu verzichten, obwohl der Initiator sich mit fünf Millionen Euro an der Restrukturierung beteiligen wollte. Am 5. Oktober meldete der Fonds Insolvenz an. Dies wird kein Einzelfall bleiben. „Die Insolvenzquote bei den Schiffsfonds wird ein nie erlebtes Ausmaß erreichen“, fürchtet Markus Lentz, Analyst beim Ratinghaus Scope. „Die Zeit der Insolvenzen könnte erst kommen“, heißt es in der Vorankündigung zum 15. Hansa-Schiffsforum.

Der Grund für die Probleme vieler Schiffsfonds liegt im Verfall der Charterraten, die nicht einmal zur Deckung der Betriebskosten ausreichen, geschweige denn dazu, den Schuldendienst aufrechtzuerhalten. An Ausschüttungen ist überhaupt nicht mehr zu denken. Auslöser der Krise war die Lehman-Pleite im Herbst 2008, der eine weltweite Wirtschaftskrise mit entsprechendem Rückgang des internationalen Handels und des Gütertransports auf See folgten.

Mit der Erholung des Welthandels zogen die Charterraten wieder an, fielen jedoch im Laufe dieses Jahres wieder in sich zusammen. „Diesmal wegen der massiven Steigerung der Transportkapazität“, konstatiert Lentz. Es rächten sich die Sünden früherer Jahre, in denen Schiffe spekulativ geordert wurden, die heute nicht benötigt werden.

Krise hält bereits drei Jahre an

In den Orderbüchern stehen bei den Containerschiffen Neubauaufträge von 30 Prozent der bestehenden Flotte. Bei Tankern sind es zehn Prozentpunkte weniger, bei Frachtern zehn Prozentpunkte mehr. Die Flotte wächst schneller als der Welthandel, eine Erholung der Charterraten ist nicht in Sicht. Und sie dürfte in jedem Fall zu spät kommen, um die notleidenden Fonds zu retten.

„Die Krise geht jetzt ins dritte Jahr“, merkte Björn Nullmeyer von der Bremer Landesbank bereits auf dem vorigen Schiffsforum an. Und nach drei Jahren müssen die Problemfälle gelöst werden. Hilfe von Finanzinvestoren ist nicht zu erwarten, weitere Notverkäufe sind unvermeidlich. Nur durch Insolvenz können viele Schiffe wieder auf eine wirtschaftliche Basis gestellt werden, weil dann kein überhöhter Kaufpreis mehr belastet. Aber das bedeutet: Viele Kommanditisten verlieren ihr Kapital.

Kein Wunder, dass sich neue Schiffe nur sehr schwer platzieren lassen, auch wenn die neuen Fonds mit günstigeren Kaufpreisen aufwarten. Konnten die Schiffsfonds im Rekordjahr 2007 über 3,5 Milliarden Euro Kommanditkapital einsammeln, waren es 2010 gerade noch 747,2 Millionen.