Am meisten Angst hatten einige Abgeordnete vor dem Verlieren. Aber Dorothee Bär ist sich sicher: „Ich werde gewinnen!“ Zusammen mit ihren beiden FDP-Kollegen Jimmy Schulz und Manuel Höferlin hatte die CSU-Bundestagsabgeordnete Bär eingeladen. Sie veranstalteten die erste „Politiker LAN-Party“ im Bundestag. Bei einer LAN-Party vernetzen sich normalerweise Jugendliche mit ihren Computern, um gemeinsam zu spielen. Diese Veranstaltung solle laut Höferlin um mehr Verständnis im Plenarsaal für Computerspiele werben.

An verschiedenen Konsolen konnten die Abgeordneten und Gäste bis zu 30 unterschiedliche Spiele ausprobieren. Für jeden Geschmack war etwas dabei: Ob Flugsimulationen, Jump ’n’ Run, Lernspiele oder Super-Mario. Mit einem Headset auf dem Kopf oder Controllern in den Händen traten die Abgeordneten gegeneinander an. Sogar für zwei sogenannte Ego-Shooter ("Killerspiele") war gesorgt; endlich mal keine langweilige Debatte – es ging um Gewinnen oder Verlieren.

„Zur Faszination des Computerspiels gehört auch die Konkurrenzsituation“, sagte Schulz. Profi-Spieler von der Electronic Sports League führten den Abgeordneten auch ein Profi-Match vor. Im Vorfeld wurde nicht bekannt, ob die Politiker auch Chips und Cola bekommen – oder in der Jogginghose erscheinen. Immerhin war die Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns, geladen und achtete darauf, dass die Abgeordneten nicht zu viel spielten. Doch die Suchtgefahr blieb überschaubar.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet seit 2010 Eltern-LANs an, wo Mütter und Väter lernen, was ihre Zöglinge die ganze Nacht über machen. Man wolle zwar nicht die ganze Nacht durchspielen, sagte Bär vor der Computerparty, aber man werde schon einige Stunden vor dem Bildschirm verbringen.

Untypisch für Computerfreaks und eine LAN-Party war das medienpädagogische Vortragsprogramm; es war also doch nur eine klassische Politikerveranstaltung.