Ausstellung

Berliner Computerspielemuseum neu eröffnet

Nach rund zehnjähriger Pause ist das Berliner Computerspielemuseum in neuen Räumen an der Karl-Marx-Allee wieder eröffnet worden. Auf rund 670 Quadratmetern können Klassiker aus 60 Jahren Geschichte ausprobiert werden.

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Im Computerspielemuseum in Berlin startet eine neue Dauerausstellung mit mehr als 3000 Exponaten. Sie soll die Kulturgeschichte der Games abbilden.

Video: Reuters
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Kulturrevolution, unterhaltsame Freizeitbeschäftigung oder gefährlicher Ersatz für mitmenschliche Kontakte? Wenn es um Computerspiele geht, driften die Meinungen weit auseinander. Das neue Computerspielemuseum in Berlin soll einen Raum für alle bieten - Spielefanatikern, Kritikern, aber auch denjenigen, die mit dem Medium noch wenig vertraut sind. Ab Freitag steht das Museum, nachdem es zehn Jahre geschlossen war, in neuen Räumen wieder für Besucher offen. Auf 670 Quadratmetern Fläche lernen sie Pioniere und Klassiker aus 60 Jahren Computerspiel-Geschichte kennen und können sich selbst an ihnen ausprobieren.

„Es ist die Lust am Spiel, die die Kultur vorangetrieben hat“, erklärt Direktor Andreas Lange zur Eröffnung. „Doch wir wollen hier keinen Fan-Tempel errichten.“ Die Dauerausstellung sei vielmehr ein Versuch, über die Vielfalt dieses Mediums nachzudenken. „Computerspiele sind zu einem Eingangsportal geworden“, sagte der Religionswissenschaftler. „Wahrscheinlich wird jedes Kind heutzutage so das erste Mal in Kontakt mit Computern treten.“

Über 300 teilweise rare Exponate aus den vergangenen 60 Jahren konnten für die Ausstellung gewonnen werden. Originale oder Repliken sind in Schaukästen zu sehen oder laden an Spielstationen zum Mitmachen ein. Zu den Höhepunkten gehört ein Nachbau des „Nimrod“-Computers. „Elektronen-Gehirn“ steht in Großbuchstaben über dem mannshohen Kasten. Der 1951 in England von der Firma Ferranti vorgestellte Rechner wurde ausschließlich für das mathematische Spiel „Nim“ konstruiert, das nach dem „Wenn, dann“-Prinzip nach festgelegten Regeln funktioniert, erklärt Lange.

Auch eine Kopie des berühmten „Pong“-Spiels, das das Computerunternehmen Atari 1972 auf den Markt brachte, wird präsentiert. „Pong“ ähnelt einem stark vereinfachten Tischtennis-Match und gilt als das erste weltweit populäre Videospiel.

„Hase und Wolf“ war schließlich die Antwort der DDR auf das in den westlichen Staaten so beliebte „Pac Man“, bei dem der Spieler von einem Monster durch ein Labyrinth gejagt wurde. Der mit 35.000 Mark vergleichsweise teure Spielekasten mit dem Namen „Poly Play“ wurde von der VEB Polytechnik in der damaligen Karl-Marx-Stadt hergestellt und hatte einen pädagogischen Auftrag. Er sollte jungen Leuten beispielsweise in Freizeitheimen die Werte des Sozialismus nahebringen.

Neben Ballerspaß und nostalgischen Erinnerungen bietet die Ausstellung auch Platz für kritische Aspekte. Was passiert, wenn der Spieler virtuell in die Rolle des „Bösen“ schlüpft, beschäftigt die Menschen bereits seit Mitte der 70er Jahre. Das Spiel „Death Race“ von 1976 war das erste Spiel, das eine moralische Debatte auslöste. Im Vordergrund stand, dass der Spieler aktiv in die Rolle eines gewalttätigen Gladiators schlüpft anstatt wie ein Filmzuschauer passiv zu bleiben.

Auch die in den vergangenen Jahren erst als Problem erkannte Computerspiele-Sucht findet Platz. Ein 22-jähriger Betroffener erzählt in einem Videofilm von 2010, dass bei ihm die Krankheit vor rund fünf Jahren mit dem Online-Spiel „World of Warcraft“ begonnen hatte. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mehr und mehr Raum eingenommen hat“, sagt der blasse junge Mann. Das Spielen habe viel Zeit verbraucht, die ihm dann später für Schule und Ausbildung fehlte. Wichtig sei nur gewesen, „mit den anderen mitzuhalten und Erfolge zu erzielen“.

Schließlich habe sein Umfeld ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er kaum noch Zeit mit Menschen verbrächte. Trotz eines radikalen Schnitts belaste ihn die Sucht immer noch. „Das Problem ist, diese Leere zu füllen“, sagte er. „Da vertreibe ich mir jetzt die Zeit mit Fernsehen, doch da kann man leider nicht mehr selbst bestimmen, was los ist.“

Das wieder eröffnete Museum in Berlin-Friedrichshain im ehemaligen Café Warschau in der Karl-Marx-Allee 93A ist außer dienstags täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Internet: www.computerspielemuseum.de