Bahnreisende müssen sich von diesem Montag an auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Lokführergewerkschaft GDL droht im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn (DB) und den sechs großen Privatbahnen bundesweit mit ersten Warnstreiks. Wo diese genau stattfinden und ob Berlin schon zu Wochenbeginn betroffen sein wird, war bis zum frühen Montagmorgen nicht bekannt. Bislang haben noch keine Streiks begonnen. Die GDL deutete zudem an, dass die S-Bahn zunächst von Streiks verschont bleiben könnte. Das sollten Sie im Falle eines Streiks aber wissen:

Worum geht es bei dem Tarifkonflikt?

Die GDL will einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag für alle etwa 26.000 Lokführer erstreiten, der einheitliche Gehälter für die Beschäftigten festlegt. Nur so sei im wachsenden Wettbewerb auf der Schiene Lohndumping zu verhindern, argumentiert die Gewerkschaft. Den bereits unterzeichneten Branchentarifvertrag zwischen der großen Bahngewerkschaft EVG und den Eisenbahn-Unternehmen akzeptiert die GDL nicht, weil den Lokführern das Gehaltsniveau zu niedrig ist.

Wann, wo und wie lange soll gestreikt werden?

Das verrät die Gewerkschaft voraussichtlich erst kurz vor den geplanten Arbeitsniederlegungen. Wer morgens zur Arbeit muss, sollte sich also vorher informieren, ob die Züge fahren. Ob die Berliner S-Bahn schon in der ersten Welle bestreikt wird, ist unklar. GDL-Chef Claus Weselsky kündigte an, dass das krisengeschüttelte Nahverkehrsunternehmen nicht bei allen Aktionen betroffen sein werde. Die S-Bahn wegen des ohnehin eingeschränkten Verkehrsangebots ganz vom Streik auszunehmen, lehnte er aber ab. Der erste Warnstreik wird voraussichtlich etwa zwei bis drei Stunden dauern.

Wie lange kann der Arbeitskampf dauern?

Das hängt vom Verhandlungswillen der Beteiligten ab. Ein jüngstes Verhandlungsangebot der Arbeitgeber lehnte die GDL noch am Donnerstag ab. In einem Brief, der Morgenpost Online vorliegt, stimmt Gewerkschaftschef Weselsky die Mitglieder auf eine lange Auseinandersetzung ein. Die Lokführer seien „vergleichbar gefordert wie 2007/2008“, heißt es in dem Schreiben. Damals hatte sich der Tarifstreit über mehrere Monate gezogen. An mehreren Tagen legten die Lokführer den S-Bahn- und Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg nahezu lahm.

Wie komme ich trotz Streik ans Ziel?

Wenn S-Bahnen und Regionalzüge ausfallen, ist gute Planung gefragt. Am einfachsten lässt sich eine alternative Reiseroute im Internet finden. In den Online-Routenplanern der S-Bahn ( www.s-bahn-berlin.de ), der BVG ( www.bvg.de ) und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg ( www.vbbonline.de ) lassen sich die einzelnen Verkehrsmittel wählen. Wer das S-Bahn-Symbol wegklickt, bekommt eine Route ohne die rot-gelben Züge berechnet. Innerhalb Berlins verlängern sich die Fahrzeiten dabei in der Regel um maximal 20 Minuten. Fahrgäste aus dem Umland trifft es härter. Eine Fahrt von Oranienburg bis zum Alexanderplatz dauert beispielsweise ohne Regional- und S-Bahn etwa zweieinhalb Stunden.

Kann die BVG ihr Angebot verstärken?

Ja, allerdings nur in Maßen. Nach Angaben von Sprecherin Petra Reetz können die Verkehrsbetriebe auch kurzfristig einige zusätzliche U-Bahn-Züge einsetzen. Allerdings, sagte Reetz: „Die BVG kann die S-Bahn nicht ersetzen. Wir können Streikfolgen nur abmildern.“

Bekomme ich bei Zugausfällen mein Geld zurück?

Wer seine Reise wegen streikbedingten Zugausfällen oder Verspätungen nicht antreten konnte, kann sich den Preis seines Tickets erstatten lassen. Dabei handelt es sich um eine Kulanzregelung der Bahn, wie ein Unternehmenssprecher betont. Einen rechtlichen Anspruch auf Erstattung gibt es nicht. Im Berliner Stadtgebiet wird es nach Einschätzung des Verkehrsverbundes VBB in aller Regel keine Erstattung geben, weil es mit den Bussen und Bahnen der landeseigenen BVG immer noch Alternativrouten gibt.

Kann ich einen anderen Zug nehmen, wenn meine eigentliche Verbindung ausfällt?

Ja, auch wenn es sich etwa um einen Fernverkehrszug wie einen ICE handelt. Das gilt auch, wenn die Fahrkarte eigentlich eine Zugbindung hat. Fallen an einem Tag alle zumutbaren Züge aus, werden auch Spar- und Spezialtickets erstattet. Wer im Nahverkehr eigentlich mit einem Konkurrenten der Deutschen Bahn gefahren wäre, kann mit seinem Ticket ebenfalls auf DB-Fernzüge umsteigen.

Die Bahn hat eine kostenlose Hotline unter der Rufnummer 08000/996633 geschaltet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bahn.de/aktuell .

mit AFP