Quartalsergebnis

Disney verrät Ergebnisse zu früh – Börse irritiert

Kein guter Tag für Disney. Zuerst veröffentlicht der Mediengigant die Bilanz vorzeitig, dann sind die Zahlen auch noch schlecht.

Der weltgrößte Medienkonzern Walt Disney hat sich einen Anfängerfehler geleistet: Das Heimatunternehmen von Micky Maus und Donald Duck hat seine Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal rund eine halbe Stunde zu früh und damit mitten in der heißen Börsenhandelszeit veröffentlicht. „Wir untersuchen, wie das passieren konnte“, sagte der Investor-Relations-Verantwortliche Lowell Singer.

Während das Treiben auf dem New Yorker Börsenparkett noch in vollem Gange war, tauchten plötzlich die Zahlen auf und sorgten für hektische Betriebsamkeit und Schweißausbrüche bei den Aktienhändlern. „Börsianer mögen keine Überraschungen“, sagte ein Marktteilnehmer. Disney-Mann Singer entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten.

Eigentlich hätte die Disney-Bilanz erst nach Börsenschluss um 16.01 Uhr Ortszeit herauskommen sollen, wie es die Regeln vorschreiben. Doch bereits ab etwa 15.30 Uhr war das Zahlenwerk auf der Website zu finden, wenn auch etwas versteckt. Zu allem Überfluss fielen die Ergebnisse auch noch schlechter aus als erwartet, was zu massenhaften Verkäufen der Aktie führte. Bis zum Ende des Handels um 16 Uhr rutschte das Papier rund drei Prozent ab.

Während die Konkurrenz von guten Werbeeinnahmen profitieren konnte, musste Disney einen Umsatzrückgang im Schlussquartal (bis 2. Oktober) um ein Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro) hinnehmen. Vor allem die Fernsehsender verloren, und auch bei den Freizeitparks lief es schlechter als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn fiel sogar um sieben Prozent auf 835 Millionen Dollar.

Disney-Chef Bob Iger begründete den Rückgang unter anderem damit, dass der Sportsender ESPN Einnahmen früher verbucht habe als im Vorjahr – und das Geld damit im Schlussquartal gefehlt habe. Dagegen stimmten die Einnahmen an der Kinokasse. Der Animationsfilm „Toy Story 3“ begeisterte noch immer die Besucher. Kern der Sparte sind die Studios Touchstone und Pixar. Disney hatte den Comic-Kultladen Marvel noch hinzugekauft.

Der größte der Medienkonzerne fiel mit seinen Zahlen aus der Reihe. Die Rivalen Viacom, Time Warner und die News Corp. von Medienmogul Rupert Murdoch hatten durch die Bank ihren Umsatz im Quartal gesteigert. Denn das wichtige Werbegeschäft war nach dem Abklingen der Krise wieder angezogen. Allerdings schaffte es nur die News Corp., letztlich auch mehr Gewinn herauszuschlagen. Zu Murdochs Medienimperium zählt der in der Dauerkrise steckende Bezahlsender Sky Deutschland (ehemals Premiere).