Konjunktur

Wirtschaft hat die Wette auf die Zukunft gewonnen

Die deutschen Unternehmen haben in der Krise ihre Mitarbeiter nicht entlassen. Jetzt können sie die plötzlich gestiegene Nachfrage sofort bedienen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es war eine riskante Wette: In der Wirtschaftskrise haben die Industrieunternehmen ihre Mitarbeiter nicht entlassen, sondern weiter bezahlt und darauf gesetzt, dass die im Krisenschock stornierten Bestellungen bald zurückkommen würden. Die Bundesregierung hat sie dabei mit der Kurzarbeiterregelung unterstützt.

Das Spiel ist aufgegangen: Als sich im Aufschwung die Auftragsbücher wieder gefüllt haben, konnten die Firmen die Nachfrage sofort bedienen – und mussten nicht erst lange nach Personal suchen. Die deutsche Industrie hat auf diese Weise ihren wichtigsten Erfolgsfaktor bewahrt: Die weltweit bewunderten hoch spezialisierten Facharbeiter, die das duale Ausbildungssystem durchlaufen haben.

Unternehmen und Politik dürfen sich für dieses Erfolgsmodell gegenseitig auf die Schultern klopfen, es wäre aber töricht, sich darauf zu verlassen, dass allein die duale Ausbildung die deutsche Industrie zukunftsfähig hält. Denn das Schulsystem benachteiligt immer noch Kinder sozial schwacher Familien und Migranten.

Die Schüler aber, die ohne Abschluss die Schule verlassen oder die Hauptschule unzureichend vorbereitet abschließen, fehlen dem Arbeitsmarkt. Sie könnten zu den Fachkräften ausgebildet werden, die Unternehmen so händeringend suchen.

Schon im Laufe dieses Jahres wird die Industrie spüren, wie teuer die Defizite der Bildungspolitik für die Volkswirtschaft sind. Treffen die Prognosen ein, werden die Firmen im Laufe des Jahres an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Dann müssen sie investieren und neue Mitarbeiter einstellen. Wenn sie denn welche finden.