Einzelhandel

Verbraucherschützer kritisieren falsche Preisangaben

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Carsten Dierig

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Preisauszeichung pro Kilo oder pro Liter würde oft an der der Ware fehlen, obwohl dies vorgeschrieben ist. Der Handelsverband bezweifelt das.

Verbraucherschützer werfen dem Lebensmitteleinzelhandel vor, seine Pflicht zur so genannten Grundpreisauszeichnung vielfach zu verletzen. Zur besseren Vergleichbarkeit müssen die Händler seit der Freigabe der Verpackungsgrößen im September 2009 neben dem Produktpreis auch ausweisen, was ein Kilo bzw. ein Liter und was 100 Gramm bzw. 100 Milliliter eines Artikels kosten. „Diese Angaben waren oftmals falsch berechnet oder fehlten ganz“, beklagen nun mehrere Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Bei einer bundesweiten Untersuchung von 3225 Produkten in 93 Geschäften seien mehr als die Hälfte der Preisschilder fehlerhaft gewesen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) weist die Darstellung der Verbraucherschützer als falsch zurück. „Die Untersuchung bezieht sich lediglich auf einen nicht repräsentativen Ausschnitt des Sortiments“, begründet Franz-Martin Rausch, der verbraucherpolitische Experte des HDE. Wichtige und große Produktbereiche wie Fleisch- und Wurstwaren oder Obst, Getränke und Nudeln seien komplett ausgeklammert worden. „Die Untersuchung hat bewusst nur solche Produktbereiche betrachtet, für die die Grundpreisauszeichnung nicht ausdrücklich im Gesetz geregelt ist“, sagt Rausch. Insgesamt seien in einem durchschnittlichen Supermarkt mit rund 10.000 Artikeln über drei Viertel der Waren kennzeichnungspflichtig.

Aus Sicht des Handels funktioniert die aktuelle Regelung bei diesen Produkten. Das zeige auch die geringe Zahl der Verbraucheranfragen bei den Handelsunternehmen zum Thema Grundpreise. Verbraucherschützer dagegen unterstellen Handel und Herstellern regelmäßig Tricksereien bei den Verpackungsgrößen. Zwar sei vielfach auf Preiserhöhungen verzichtet worden – dafür habe die Inhaltsmenge abgenommen. Angesichts des Grundpreise-Tests fordert der vzbv klare gesetzliche Vorgaben und eine konsequente Marktüberwachung.

Definitiv keine Änderung des Gesetzes ist derweil bei der Gewerbesteuer geplant. Das hat die Bundesregierung beschlossen. Der HDE zeigte sich von dieser Entscheidung bitter enttäuscht. „Damit wird die hohe Besteuerung von Kosten wie Mieten und Leasingraten im Handel fortgesetzt“, klagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das belaste vor allem die Unternehmen in den Innenstädten, wo die Mieten besonders hoch sind.