Investition

Deutsche Telekom baut ihre Zukunft in Berlin

Die Deutsche Telekom findet Gefallen an Berlin. Der Konzern bezieht die ehemalige Charité-Frauenklinik in Mitte. Dort will das Unternehmen eine Art Zukunftswerkstatt einrichten.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Im kommenden Jahr will das Unternehmen an einem prominenten Ort in der historischen Mitte der Hauptstadt eine Art Zukunftswerkstatt einrichten. Nach Informationen von Morgenpost Online sollen mehr als 100 Arbeitsplätze im Gebäude der ehemaligen Frauenklinik der Charité an der Tucholskystraße entstehen. Im April 2012 soll die „Telekom School of Transformation“ eröffnen. Das ist aber nur ein Teil einer größeren Berlin-Strategie. Denn der Konzern plant, weitere wesentliche Bereiche in der Hauptstadt anzusiedeln.

Nach Informationen von Morgenpost Online will das Unternehmen besonders zukunftsträchtige Projekte wie Marketing und Ausbildung in der Hauptstadt und nicht am Standort der Konzernzentrale in Bonn konzentrieren. Der neue Standort am Forum Museumsinsel ist dabei nur ein – wenn auch recht großes – Puzzleteil. Die Telekom hatte im vergangenen Jahr eine neue Strategie beschlossen und will vor allem ihr Geschäft mit Internetdiensten ausbauen. Dafür wiederum benötigt das Unternehmen jede Menge Ideen und frische Kräfte, beispielsweise für Geschäftsideen und besseren Service. Zwar bemühte sich die Telekom schon seit Jahren um neue Konzepte für das Internet. Doch bislang ohne großen Erfolg. Deshalb sucht man nach neuen Wegen und frischen Kräften und setzt dabei auf die Strahlkraft der Metropole Berlin.

Entscheidung gegen Bonn

Die Hauptstadt scheint dem Konzern mit ihrer Attraktivität für internationale Fachkräfte besonders geeignet. „Wenn Sie etwas völlig Neues machen wollen, dann ist es fraglich, ob Sie das am alten Standort durchsetzen können“, sagt Telekom-Sprecher Christian Fischer. Darum hätte man es nicht in Bonn, dem Sitz der Konzernzentrale, aufbauen wollen. So wird Berlin für den Konzern immer wichtiger. In Charlottenburg ist bereits das Forschungszentrum für technologische Neuerungen namens T-Labs angesiedelt. Dort forschen und entwickeln Telekom-Tüftler zusammen mit Forschern der TU an Neuheiten, beispielsweise für Smartphones.

Offiziell gibt sich die Telekom noch verschlossen über die genauen Pläne für das neue Entwicklungszentrum in Mitte. „Es wird aber etwas sein, was in dieser Art kein anderes Unternehmen in Europa hat“, sagte Sprecher Fischer. Etwas nebulös ist die Rede vom „Nukleus für die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur“. Das Projekt ist direkt beim Konzernvorstand angesiedelt, was die Bedeutung des Vorhabens unterstreicht.

Dieses Gebäude will die Telekom beziehen

Telekom-Vorstandschef René Obermann will bis zum Jahr 2015 die Hälfte des Umsatzes, derzeit rund 65 Milliarden Euro im Jahr, in den Geschäftsfeldern Internet und Computer-Dienstleistungen erzielen. Das kommt einer Revolution gleich. Denn bislang kommt das meiste Geld aus dem Geschäft mit Telefonanschlüssen und Handyverträgen (T-Mobile). Doch da gibt es mächtige Konkurrenz, der Marktanteil der Telekom bröckelt beständig. Deswegen sucht das ehemalige Staatsunternehmen ein neues Geschäftsmodell, das mehr an Dienstleistungen im Internet orientiert ist.

Mit der Entscheidung für Berlin bekommt auch eins der prominentesten Berliner Entwicklungsprojekte, das Forum Museumsinsel, einen Schub. Das rund 100.000 Quadratmeter großen Areal zwischen Spree und Oranienburger Straße sowie Tucholsky- und Monbijoustraße ist in Besitz der Freiberger Gruppe. Die Gebäude für den künftigen Mieter Telekom werden nach Plänen des Stararchitekten David Chipperfield umgebaut, der unter anderem durch die Gestaltung des Neuen Museums bekannt ist. Der Konzern ist der erste prominente Mieter. Insgesamt besteht das Grundstück aus neun historischen Gebäuden, darunter das ehemalige Haupttelegrafenamt an der Monbijoustraße. Auf dem Gelände soll ein Mix aus Büros, Wohnungen, Einzelhandel und Gastronomie entstehen.