Bauarbeiten

ICE Berlin-Hannover fährt 40 Minuten länger

Bahnreisende auf der Strecke von Berlin über Hannover ins Ruhrgebiet müssen sich im kommenden Jahr auf teils deutlich längere Fahrtzeiten einstellen. Denn dort wird gebaut.

Kunden der Deutschen Bahn benötigen im kommenden Jahr ganz besonders starke Nerven – allen voran die Berliner. Die Deutsche Bahn modernisiert das Schienennetz und startet Anfang des neuen Jahres zahlreiche Bauprojekte. Betroffen sind die großen Fernstrecken in Deutschland, unter anderem die Verbindung Berlin–Hannover–Rheinland und die Strecken nach Frankfurt/Main. In und um Berlin wird auch am Regionalnetz gebaut.

Die Folge sind das ganze Jahr zum Teil deutlich längere Fahrzeiten. Auch fallen Züge aus. „Es wird erhebliche Abweichungen vom Regelfahrplan geben“, sagte ein Konzernsprecher. Die Fahrt von Berlin nach Hannover und umgekehrt verlängert sich um 40 Minuten, zwischen Bielefeld und Hannover kommen weitere zehn Minuten hinzu. Zudem werden die ICE von Berlin nach Köln nicht mehr in Hamm auseinandergekuppelt, sondern fahren durch das Ruhrgebiet. Wer nach Wuppertal will, muss auf andere Züge umsteigen.

Bahnkunden erhalten im Internet, am kostenlosen Bautelefon (08005996655), an den Fahrkartenautomaten der Bahn und in den Reisezentren schon heute Informationen auch für die Baustellenzeiträume.

Vier Milliarden Euro will die Bahn allein im kommenden Jahr in den Erhalt und Ausbau des 34.000 Kilometer langen Schienennetzes investieren. Diese Summe liegt ungefähr auf dem Niveau der Vorjahre, doch weil 2011 direkte Arbeiten an Gleisen und Weichen im Vordergrund stehen, werden die Fahrgäste die Folgen stärker zu spüren bekommen als in der Vergangenheit.

Insgesamt wird es rund 700 große Einzelbaustellen geben. Hinzu kommt eine große Zahl von kleineren Maßnahmen. „Wir fassen die Bauarbeiten seit vier Jahren in großen Projekten zusammen, aber 2011 ist ein Höhepunkt erreicht“, sagte ein Bahnsprecher. Für das Jahr darauf laufe die Baustellenplanung bereits auf Hochtouren. „Wir werden dann aber die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste deutlich reduzieren und nur etwa auf die Hälfte der Baustellen wie 2011 kommen“, kündigte Michael Beck an. Er ist verantwortlich für Fahrplan und Kapazitätsmanagement.

Gebaut wird auf den großen Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen. Der Fernverkehr ist davon wesentlich stärker betroffen als der Regionalverkehr. Ausgebaut wird die Strecke Berlin Richtung Hannover und weiter ins Ruhrgebiet. Instandhaltungsarbeiten gibt es außerdem auf den Strecken von Hannover nach Hamburg und Bremen.

Es werden Gleise, Schwellen und Weichen ausgetauscht, zum Teil auch der Schotter. Allein auf der Strecke zwischen Berlin und Bielefeld werden 186 Kilometer Schienen und 130000 Schwellen sowie mehr als 30 Weichen gewechselt. Zu den Schwerpunktbaustellen zählen außerdem die Strecken Karlsruhe–Basel sowie die Verbindung zwischen Kassel, Gießen und Frankfurt/Main, Gleise, die auch die Züge von Berlin nach Frankfurt/Main nutzen. Wie bei den anderen Großprojekten sind auch dort einzelne Abschnitte nur noch eingleisig befahrbar.

Die Berliner müssen sich auch im Regionalverkehr in Geduld üben. Dort wird an folgenden Trassen gebaut: Berlin–Frankfurt (Oder), Berlin–Cottbus, Berlin–Elsterwerda–Dresden. Hinzu kommen Arbeiten an den Verbindungen Charlottenburg–Brandenburg (Havel), am südlichen Außenring sowie zwischen dem Ostkreuz und dem Grünauer Kreuz.