Kommunen und Baubetrieben dürfte gefallen, was die Deutsche Bahn AG angekündigt hat. Der bundeseigene Konzern will bis 2014 rund 1,8 Milliarden Euro in den Ausbau des Schienennetzes und in marode Bahnhöfe im Land investieren. Ein entsprechendes Programm stellte Bahn-Chef Rüdiger Grube in Potsdam nach dem ersten „Bahngipfel Brandenburg“ vor. Danach stehen rund 1,67 Milliarden Euro für den Ausbau des Schienennetzes, weitere 93 Millionen Euro für die Bahnhöfe und 54 Millionen für die Modernisierung der Anlagen zur Energieversorgung bereit.

Mit dem Geld sollen in den nächsten Jahren die Schienenwege von Berlin nach Cottbus, Rostock, Frankfurt (Oder) und Dresden modernisiert werden. Neue Bahnsteige und Aufzüge sind unter anderem in Prenzlau (Uckermark) und Bernau (Barnim) vorgesehen. An der Strecke Berlin–Rostock ist der Neubau der Stationen Sachsenhausen, Nassenheide, Löwenberg und Grüneberg geplant.

Grube versprach zudem, dass rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) im Juni 2012 die Schienenanbindung fertiggestellt sein wird. Der Bahn-Chef bezog dies aber insbesondere auf die sogenannte Ostanbindung, mit deren Bau erst im Februar begonnen wurde. Durch die um gut ein halbes Jahr verschobene BBI-Eröffnung stehen die Chancen gut, dass auch diese neue Verbindungsstrecke rechtzeitig fertig wird. Wie berichtet, sind allerdings noch Klagen beim Verwaltungsgericht gegen die Trasse durch den Bohnsdorfer Wald anhängig. Haben die Kläger, darunter der Bahnkundenverband Brandenburg, Erfolg, könnte dies zu einem Baustopp, im schlimmsten Fall gar zum Rückbau der Gleise führen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens der Konzernspitze der Deutschen Bahn mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und dem Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (beide SPD) war die anhaltende Krise bei der Berliner S-Bahn. Zwar liegen nur 75 Kilometer des 332 Kilometer langen Stadtbahnnetzes auf brandenburgischem Gebiet, doch nutzt ein Großteil der fast 180000 Berufspendler die S-Bahn für die Fahrt nach Berlin und zurück an die Wohnorte im Umland. Und die werden sich auch in den kommenden Monaten mit einem ausgedünnten Fahrplan und weniger Platz in den Zügen zufrieden geben müssen.

Der für Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Ulrich Homburg bestätigte nunmehr offiziell, dass das zu Jahresbeginn gegebene Versprechen, im Dezember zum vollen Fahrplanangebot zurückzukehren, nicht eingelöst werden kann. Grund dafür seien technische Probleme, die nicht vorhersehbar gewesen seien, betonte Homburg. So müssten nunmehr bei allen 650 Doppelwagen der S-Bahn Achsen und Radsätze aus Sicherheitsgründen erneuert werden. Da ähnliche Austauschprogramme auch für die ICE-Flotte und viele Güterwagen liefen, kämen die Hersteller der Ersatzteile aber mit der Produktion nicht mehr hinterher. „Die Lieferfähigkeit der Industrie ist derzeit der limitierende Faktor“, sagte Homburg.

74 Prozent der Züge im Einsatz

Doch auch aus einem anderen Grund wird sich vorerst das S-Bahn-Angebot nicht weiter verbessern. Angesichts der schlechten Erfahrungen aus dem vergangenen Winter, als nach Schnee und Eis zahlreiche Triebwagen ausfielen, hat sich die Bahn-Tochter für den Aufbau einer größeren Reserve für den Krisenfall entschlossen. Der neue Grundsatz der S-Bahn lautet: „Stabilität geht vor Menge.“

Laut Homburg werden von der Berliner S-Bahn derzeit 94 Prozent der Zugfahrten nach dem regulären Fahrplan erbracht, wenngleich auch meist mit kürzeren Zügen. Bezogen auf die Sitzplätze, würden momentan 85 Prozent des vor der S-Bahn-Krise üblichen Angebots gesichert. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verweist indes darauf, dass gegenwärtig nur 74 Prozent der vertraglich vereinbarten 565 Viertelzüge auch tatsächlich im Linieneinsatz seien. Laut Homburg soll im kommenden Jahr schrittweise der normale Fahrplan wieder erreicht werden. Auf ein genaues Datum legte er sich aber nicht noch einmal fest.

Ministerpräsident Platzeck (SPD) zeigte sich indes zufrieden mit dem Fortgang bereits laufender Bauvorhaben in der Mark. Dank der aktuellen Konjunkturprogramme könne endlich die Strecke Berlin–Cottbus auf eine mögliche Zuggeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde ausgebaut werden. Die entscheidende Vorleistung dafür habe das Land erbracht, weil es die Planung vorfinanziert habe. Von Dezember des kommenden Jahres an würden Reisende 20 Minuten Fahrzeit sparen, sagte Platzeck.

Auch über die bis 2014 geplanten Investitionen hinaus ist das Land am Ausbau von Bahnstrecken interessiert. Platzeck nannte die Verbindungen von Berlin nach Stettin (Szczecin) und Breslau (Wroclaw). Nach Breslau sei die Bahn heute noch immer langsamer unterwegs als vor dem Zweiten Weltkrieg. Zudem werde die Autobahn dorthin bald fertiggestellt sein. Für die Bahn sollte dies „ein zusätzlicher Antrieb sein, da was zu machen“, sagte der Ministerpräsident.

Die Deutsche Bahn ist mit fast 7500 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Brandenburg. 2009 waren insgesamt rund 40 Millionen Fahrgäste mit ihren Zügen im Land unterwegs.