Standortwechsel

Daimler mietet neues Domizil in Mediaspree

| Lesedauer: 3 Minuten
Hans Evert

Foto: AP

Der Fahrzeug-Vertrieb des Unternehmens verlässt den Potsdamer Platz und zieht 2013 in die Nachbarschaft der O2 World. Bis 2013 soll dort für Daimler ein Neubau mit einem 50 Meter hohen Turm entstehen.

Ein wenig wiederholt sich die Geschichte: In den 90er-Jahren war Daimler der erste prominente Gast auf dem ehemaligen Brachland des Potsdamer Platzes. Nun zieht der Autokonzern mit seinen 1200 Mitarbeitern des Vertriebs in ein neues Entwicklungsgebiet der Stadt. Das Unternehmen wird der erste große prominente Mieter auf dem Areal Mediaspree in Friedrichshain-Kreuzberg, unweit der O2 World, vis-à-vis der Eastside Gallery. Der Immobilienentwickler Vivico errichtet für den Mieter Daimler bis 2013 ein neues Domizil.

„Wir haben dann erstmals alle Vertriebsmitarbeiter an einem Standort“, sagt Daimler-Sprecherin Konstanze Fiola. Bislang sitzen die Vertriebsleute auf mehrere Gebäude verteilt am Potsdamer Platz. In dem neuen Haus wird es auch einen Ausstellungsraum geben, in dem Daimler seine edlen Autos in Szene setzen kann. Aus der Luft betrachtet hat das Haus die Form des Buchstaben „E“. An der Mühlenstraße soll ein 50 Meter hoher Turm entstehen, der Rest des Gebäudes wird 28 Meter hoch. Die Büroräume verteilen sich auf 26.000 Quadratmetern. Im Herbst dieses Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen.

Mit dem Umzug beendet Daimler seine Präsenz am Potsdamer Platz. Seit 1998 war der Vertrieb dort angesiedelt. Doch wegen der Miethöhe und besonderer tariflicher Gegebenheiten entschloss sich die Konzernführung zum Umzug. Daimler will durch die Verlagerung in den Ostteil der Stadt Kosten sparen. Auch am neuen Standort wird, wie Sprecherin Fiola betont, der Metalltarifvertrag Baden-Württemberg gelten. Die Arbeitszeit wird jedoch von 35 auf 38 Stunden pro Woche verlängert. Darauf hatten sich Betriebsrat und Management bereits geeinigt.

Für das neue Quartier hatte Daimler unter Immobilienentwicklern ein regelrechtes Wettbieten ausgelöst. Dementsprechend viele Standorte waren immer wieder genannt worden. So gab es Bestrebungen, die Vertriebsleute an den neuen Flughafen BBI in Schönefeld zu locken. Auch der Europarc Dreilinden war im Gespräch, ferner ein Areal in der Nähe des Alexanderplatzes. Das Rennen hat schließlich Vivico gemacht. Sie hat das Grundstück von den Eigentümern des Geländes, der Anschutz-Gruppe, der die O2 World gehört, gekauft und wird es nun nach den Wünschen von Daimler bebauen. Vivico ist in Berlin äußerst aktiv. Das Unternehmen plant beispielsweise auch die Bebauung des Areals nördlich des Hauptbahnhofs entlang der Heidestraße, die sogenannte Europa-City.

Daimler beendet mit dem Wegzug vom Potsdamer Platz ein wenig Neuberliner Geschichte. 1997 war das Debis-Haus von Renzo Piano das erste Gebäude an dem geschichtsträchtigen Ort. Der damalige Daimler-Chef Edzard Reuter, Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, siedelte dort die Servicetochter Debis an. Die Debis gibt es längst nicht mehr. Übrig geblieben ist die Finanztochter Financial Services, die in diesem Jahr mit ihren 400 Mitarbeitern auszieht. Im Gegenzug entsteht ein neues Servicecenter der Mercedesbank an der Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße in Mitte.

Der Vertrieb bleibt noch gut anderthalb Jahre am Potsdamer Platz. Die Mitarbeiter kümmern sich um Vertrieb und Service von Daimler-Marken wie Mercedes Benz, Smart und Maybach in Deutschland. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer, der schwedischen Bank SEB, wurde bis September 2013 verlängert. Das Hochhaus am Potsdamer Platz hatte Daimler im Jahr 2007 für rund 1,4 Milliarden Euro an die SEB verkauft.