Die Chefs der beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA halten sich zwar noch bedeckt. Nach der gemeinsamen Sitzung der beiden Gewerkschaftsvorstände am Montag dieser Woche hieß es lediglich, das Ziel sei „eine noch stärkere Geschlossenheit der beiden Gewerkschaften“. Das Wort Fusion vermeiden die Funktionäre seither wo sie nur können. Doch genau darum geht es: Nach mehreren Anlaufen wollen Transnet und GDBA im kommenden Jahr verschmelzen.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll ein außerordentlicher Gewerkschaftstag der kleineren GDBA am 12. Dezember die Weichen für die Fusion stellen. Auch bei Transnet soll die Entscheidung zeitnah fallen. „Für eine juristische Sekunde lösen sich beide Gewerkschaften auf, um vermutlich unter dem Namen ,Verkehrsgewerkschaft’ neu aufzuerstehen“, sagte ein Spitzenfunktionär.

Chef soll der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner werden. GDBA-Spitzenmann Klaus-Dieter Hommel wird sein Stellvertreter.

Die Fusion könnte unter dem Punkt interne Angelegenheiten unter Bahnern abgehakt werden, der Fall ist allerdings ziemlich pikant: Denn die beiden Gewerkschaften gehören jeweils unterschiedlichen Dachverbänden an, Transnet dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), GDBA dem Deutschen Beamtenbund (dbb)/Tarifunion.

Die neue Supergewerkschaft kann nur unter das Dach eines Verbandes schlüpfen, der andere verliert – ohnehin in Zeiten des Mitgliederschwundes – eine wichtige Arbeitnehmerorganisation. Und als sei das nicht Hürde genug, gab es bislang auch noch Knatsch im DGB, weil dessen Mitglied Ver.di keine zweite Gewerkschaft dort dulden wollte, die sich ebenfalls im Verkehrssektor tummelt.

Doch nun ist klar, dass die mutmaßliche „Verkehrsgewerkschaft“ Teil des Deutschen Gewerkschaftsbundes wird. „Das läuft unter Moderation des DGB“, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Ver.di hat sein Dauerfeuer in Richtung Transnet eingestellt. „Wir sehen die Fusion und einen DGB-Beitritt entspannt. Die Abgrenzungsproblematik ist gelöst“, hieß es bei Dienstleistungsgewerkschaft.

Als Kirchners Vorgänger Norbert Hansen die Fusion mit der GDBA unter dem Dach des DGB vorantrieb, hatte sich Ver.di noch quergestellt. Die neue Verkehrsgewerkschaft wolle in Ver.di-Bereichen wildern und potenzielle Mitgliedern abspenstig machen. Transnet erhob dieselben Vorwürfe. Nun hat man „Organisationsgrenzen“ gefunden, sagt ein Funktionär, ohne Details zu nennen.

Vom dbb ist ebenfalls kein Widerstand zu erwarten. „Wir sind über die Entwicklung nicht überrascht, das war absehbar“, sagte ein dbb-Funktionär. Eine Fusion und ein Austritt der GDBA seien satzungstechnisch möglich und könnten von dem Dachverband ohnehin nicht aufgehalten werden.

Kirchner und Hommel begründen ihren Vorstoß damit, der Wettbewerb in der Verkehrsbranche würde immer härter werden, man müsse die Kräfte der Arbeitnehmervertreter bündeln. Die große Einheits-Bahngewerkschaft wird es aber nicht geben. Denn der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GdL, Claus Weselsky, will nicht mitfusionieren. Größe allein sei nicht alles: „Wenn zwei Kranke wie hier zusammen ins Bett gehen, ist die Gefahr groß, dass das Kind ein Pflegefall wird.“