Geschäftsschließungen

Metro streicht in Berlin 312 Stellen

Der Handelsriese Metro saniert seine Großhandelssparte Cash & Carry – inklusive Standortschließungen. Berlin trifft es besonders hart.

Foto: Amin Akhtar

Der Handelskonzern Metro schließt Ende Oktober in Berlin zwei seiner sechs Großmärkte für Firmenkunden. In Pankow verschwinden 168 Vollzeitstellen, in Marzahn sind es 144. Die Mitarbeiter werden nicht an einem der anderen Standorte übernommen, wie der Konzern meldete. Auch zwei Märkte in Halle und Rostock sollen geschlossen oder verkauft werden. Die Märkte in Marzahn und Pankow waren in den 90er Jahren eröffnet worden. Trotz zahlreicher Sanierungsmaßnahmen sei nicht zu erwarten gewesen, dass die vier Standorte bis 2012 in die schwarzen Zahlen kämen, sagte John Rix, Deutschland-Chef der Sparte Metro Cash & Carry. Insgesamt betreibt sie in Deutschland 121 Geschäfte.

Rix sagte, es sei ein schmerzhafter Schnitt, zu dem das Unternehmen aber keine Alternative sehe. Die Firmenleitung beginnt jetzt Gespräche mit den Betriebsräten über einen Sozialplan für die betroffenen Berliner Beschäftigten. Rix sprach von einem soliden Sozialplan, „um die Folgen für die Mitarbeiter so gut wie möglich abzumildern.“ Die Großmärkte in Friedrichshain, Marienfelde, Schönefeld und Spandau bleiben erhalten und sind von der Umstrukturierung nicht betroffen.

Metro baut Cash & Carry seit einiger Zeit um und trimmt die Sparte auf Gewinn. Neben den vier Standorten will Metro auch die Verwaltung der Schwestermarke C+C Schaper mit der von Metro Cash & Carry zusammenlegen. Der Verwaltungsstandort in Hannover wird geschlossen. Beide Marken sollen aber erhalten bleiben. Insgesamt kosten die Einschnitte 900 Vollzeitjobs. Die Mitarbeiter an den Standorten wurden in Betriebsversammlungen informiert. Seit 2008 fielen bei Metro Cash & Carry Deutschland bereits mehr als 1300 Stellen weg, um den Absturz der Profitabilität zu stoppen.

Insgesamt will Metro das Ergebnis von Cash & Carry um 150 Millionen Euro steigern. Während in den meisten der inzwischen 31 Länder die Geschäfte gut laufen, gibt es in Deutschland seit Jahren Probleme mit sinkenden Ergebnissen. Cash & Carry ist mit fast 31 Milliarden Euro Umsatz und 100.000 Mitarbeitern weltweit die mit Abstand größte und lukrativste Sparte von Metro. Zu dem Konzern gehören auch Media Markt/Saturn, Real und Kaufhof.

In Deutschland setzte die Sparte Cash & Carry mit knapp 15.000 Mitarbeitern 2009 rund 5,4 Milliarden Euro um, was 17 Prozent des weltweiten Cash & Carry-Umsatzes des Konzerns bedeutet. Das – unveröffentlichte – Ergebnis sei im vergangenen Jahr „nicht rot“ gewesen, sagte Deutschland-Chef Rix. „In diesem Jahr wird es viel besser“, versprach er, nannte aber keine Zahlen.

Nach seinen Worten erzielte die Sparte erstmals seit langem wieder ein leichtes Umsatzwachstum auf vergleichbarer Fläche. „Dieser Trend setzt sich auch im zweiten Quartal fort“, sagte Rix. Unter anderem mit einer Totalüberholung der Märkte will Rix den positiven Trend verstärken. Allein in diesem Jahr stehen 100 Millionen Euro zum Um- oder Neubau von neun Standorten zur Verfügung. „Bis 2013 wollen wir alle unsere Märkte angefasst und modernisiert haben“, sagte der Deutschland-Chef.

Daneben sei das Unternehmen auf gutem Wege, den Umsatz mit Eigenmarken zu erhöhen. 17 Prozent der verkauften Waren machten inzwischen eigene Metro-Marken aus, die dem Handelskonzern höhere Gewinne bringen als Industriemarken. Als Ziel ist ein Wert von 25 Prozent ausgeben. 2009 waren es 15 Prozent.

Auch der im vergangenen Jahr ausgeweitete Lieferservice für Gastronomen oder Hotelbetreiber entwickelt sich offenbar gut. „Hier gibt es eine absolut positive Entwicklung, wir verdienen damit Geld“, sagte Cash & Carry-Europachef Joel Saveuse. Zahlen nannte er nicht.

Für Urlaubsgebiete gibt es demnächst wahrscheinlich einen besonderen Service: Firmenkunden können ihre Bestellungen an bestimmten Sammelpunkten abholen. Denn bisher hätten die Geschäftskunden – etwa Kioskbetreiber oder Gastwirte – während der Tourismus-Saison oft keine Zeit, 30 oder 40 Kilometer bis zum nächsten Metro-Markt zu fahren, sagte Saveuse, oder sie kämen wegen des dichten Verkehrs schlichtweg nicht durch. Am Bodensee und im Schwarzwald laufen derzeit Tests für das neue Angebot, ebenso wie in Südfrankreich.