Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an den amerikanischen Wissenschaftler und Autor Paul Krugman. Der an der Princeton Universität lehrende Ökonom werde für seine Forschungsarbeiten zur Außenhandelstheorie und zu Standortentscheidungen geehrt, meldete die Königlich Schwedische Akademie in Stockholm. Seine Theorien hätten dazu beigetragen, besser zu verstehen, warum einige Länder den internationalen Handel dominierten und Fragen im Zusammenhang mit der zunehmenden Verstädterung geklärt.
Berühmt geworden ist Krugman aber vor allem aber durch seine zweimal wöchentlich erscheinenden Kolumnen in der US-Tageszeitung „New York Times“, in denen er regelmäßig die amtierende US-Regierung scharf kritisiert. Trotz Gratulationsanrufen und Interviewanfragen fand Krugman gestern Zeit für eine kurze Notiz in seinem Internettagebuch: „Eine witzige Sache ist mir heute Morgen passiert.“ Da hatte der 55-Jährige gerade erfahren, den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen zu haben. Der Eintrag zeigt sein Bedürfnis, mit der breiten Öffentlichkeit in Kontakt zu stehen und ihr wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu machen.
Krugman gilt als Begründer der „Neuen Ökonomischen Geografie“. Diesen Beitrag schätzt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower als sehr wichtig ein: „Krugman hat den Standortwettbewerb als Thema in die Wirtschaftswissenschaften eingeführt, der heute einer der wichtigsten Felder der Ökonomie ist.“ Der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, bezeichnet den Nobelpreis für Krugman als „eine exzellente Wahl, die lange erwartet worden ist“. Nachdem in den vergangenen Jahren eine Reihe von Finanzwissenschaftlern die Auszeichnung erhalten haben, erhalten haben, werde mit Paul Krugman wieder „ein handfester und bodenständiger Vertreter der realwirtschaftlichen Seite ausgezeichnet.“
Seit vielen Jahren schreibt Krugman pointierte Gastbeiträge in verschiedenen US-Zeitschriften und Zeitungen. Dabei geht er weit über das Analysieren wirtschaftlicher Fakten hinaus, auf das sich viele Wirtschaftswissenschaftler beschränken. Er schreibt genau so über politische Themen und ist so zu einem der renommiertesten und meist beachteten Kritiker der Bush-Regierung geworden. „Sie haben uns in den Irak-Krieg gelogen“, meint der US-Ökonom. In der aktuellen Finanzkrise hat er die US-Regierung schon mehrfach vor allem für ihr zögerliches Handeln kritisiert. So habe etwa Finanzminister Henry Paulson Wochen gebraucht, bis er eingesehen habe, dass der Vorschlag von akademischen Ökonomen und einigen Demokraten im Kongress der bessere gewesen sei, angeschlagenen Banken direkt Kapital zur Verfügung zu stellen, statt ihnen ausschließlich Not leidende Wertpapiere abzukaufen.
Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich in den USA kritisiert Krugman regelmäßig. Daher fordert er – auch als Reaktion auf die Finanzkrise – eine Neuauflage der „New Deal“ getauften Wirtschaftspolitik des Präsidenten Franklin D. Roosevelt vor. Der hatte in den 30er Jahren mit einer Reihe von Gesetzen staatliche Konjunkturprogramme geschaffen, um die Folgen der wirtschaftlichen Depression zu mildern. Das Ziel müsse laut Krugman jetzt sein, eine gerechtere Einkommensverteilung in den USA zu erreichen und aus dem Land eine „anständigere Volkswirtschaft“ zu machen.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, bezeichnet Krugman als den „wahrscheinlich Sprachgewaltigsten der gegenwärtigen Ökonomenklasse, dessen scharfzüngigen Kommentare in der Politik gefürchtet werden wie das Weihwasser durch den Teufel.“ Er sei zu intellektuell und kantig, um als etablierter Ökonom jemals einen herausragenden Beratungsauftrag bekommen zu haben, obwohl er sich das sicher gewünscht habe.
Jene scharfen Kommentare bringen ihm allerdings auch Kritik ein. „Krugman schreibt besser als jeder andere Ökonom für eine breite Öffentlichkeit“, sagt Peter Boettke, Wirtschaftsprofessor an der George Mason Universität in Virginia. Doch er habe vor Jahren aufgegeben, ernsthafte wissenschaftliche Beiträge zu verfassen und sei in seinen Kolumnen „extrem parteiisch“. Krugmans Arbeiten „haben daher journalistische Anerkennung verdient, aber keinen ernsthaften wissenschaftlichen Preis.“





