Datenkontrolle

Mehrere Regierungen wollen Blackberry abschalten

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Der Druck auf den Blackberry-Hersteller RIM steigt: Nach den arabischen Staaten pocht nun auch Indien auf Zugang zu verschlüsselten Daten.

Im Streit um die Datenkontrolle des Smartphones Blackberry will Saudi-Arabien den Dienst für Kurznachrichten abschalten, was der kanadische Konzern in Verhandlungen noch zu verhindern sucht. Auch Indien pocht auf den Zugang zu verschlüsselten Daten: „Unsere Haltung ist klar: Blackberry-Dienste, die von unseren Behörden nicht voll überwacht werden können, müssen unterbrochen werden“, zitierte die indische Zeitung „Economic Times“ einen Vertreter der Sicherheitsbehörden. Der Konzern Research in Motion (RIM) habe Indien angeboten, technische Details aus bestimmten Diensten zu öffnen, erfuhr Reuters aus Regierungskreisen in Neu-Delhi. Die indischen Behörden forderten aber vollen Zugang.

Der Blackerry-Hersteller ist in mehreren Staaten wegen seiner umfangreichen Verschlüsselung beim Datenverkehr in Ungnade gefallen. Anders als die übrigen Handy-Firmen lässt RIM seine Datenströme nicht über die Server eines lokalen Telefonanbieters laufen, sondern über eigene Rechenzentren in Kanada und Großbritannien. Während dies vielen der 41 Millionen Nutzer weltweit als Kaufargument dient, beklagen mehrere Staaten, vor allem aus der Golf-Region, mangelnde Kontrolle über die Daten.

Saudi-Arabien schaltet beliebte Chat-Funktion ab

Saudi-Arabien will den nicht nur in der Geschäftswelt, sondern auch bei jüngeren Nutzern beliebten Messenger-Dienst des Smartphones stilllegen. Andere Dienste seien nicht betroffen, erklärte die Telekommunikationsaufsicht. Die Sperre trete am Freitag in Kraft, der Termin sei endgültig. Dazu liefen aber noch Verhandlungen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten unlängst angekündigt, Blackberry-Nutzer ab Oktober von allen Internet-basierten Diensten abzuhängen. Kritik kam auch aus Kuwait und Bahrain. Harten Gegenwind spürt der kanadische Konzern nun auch zunehmend in Indien. Das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt gilt als großer Wachstumsmarkt für die Telekommunikation. Zugeständnisse des Unternehmens an die örtlichen Behörden seien nicht ausreichend, berichtete die „Economic Times“ und zitierte einen Sicherheitsvertreter mit den Worten: „Den Zugang zu den Daten offen zu halten, ist Teil der Lizenzvorschriften und muss geleistet werden."

Die Kanadier selbst beteuerten, sie hätten bisher keinem Staat Sonderrechte in Sicherheitsfragen eingeräumt und könnten die Verschlüsselung der Kundendaten nicht offenlegen. RIM-Technikchef David Yach hatte gesagt, die Regierungen könnten Probleme damit haben, ihre Drohungen durchzusetzen, da sie selbst sehr auf die Blackberry-Anwendungen angewiesen seien. RIM jedenfalls wolle nicht von seinen Versprechungen abrücken, die man Kunden zu Sicherheitsvorkehrungen gemacht habe. Es sei aber möglich, dass sich Regierungen direkt an Unternehmen wendeten, um mit einer rechtmäßigen Bevollmächtigung die E-Mails der Blackberry-Nutzer zu überprüfen, sagte der RIM-Manager.

EU-Kommission entscheidet sich für iPhones

Die Europäische Kommission indes hat sich unter anderem aus Sicherheitsgründen gegen Blackberrys für ihre 32.000 Mitarbeiter entschieden. Stattdessen werde auf Apples iPhone und die Smartphones von HTC zurückgegriffen, sagte ein Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen. Experten gehen davon aus, dass sich die europäischen Bedenken daran entzünden, dass RIM alle Datenströme über Rechenzentren in Kanada und Großbritannien laufen lässt. Damit sei zumindest in diesen Ländern – und auch von seiten der USA – ein Zugriff auf die Daten möglich. Das Innenministerium in Berlin legt den Bundesministerien nahe, auf Blackberrys zu verzichten. Grund seien ebenfalls Sicherheitsbedenken.

In den USA können sich die Strafverfolgungsbehörden Experten zufolge einen Zugriff auf den Email-Verkehr und andere Kommunikationsdienste des Blackberry verschaffen. Vorraussetzung dafür sei aber eine gerichtliche Anordnung, sagte Mark Rasch, ehemals Chef der Abteilung für Computerkriminalität im US-Justizministerium. „Die Möglichkeit, Kommunikation mitzuverfolgen, ist ein Teil der Überwachungs- und Geheimdiensttechniken und der Strafverfolgung weltweit“, sagte er. In den USA sei das Gesetz aber so gestaltet, dass in Missbrauch verhindert werde. Die in den USA gelisteten RIM-Aktien verloren im frühen Handel rund zwei Prozent.