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Blackberry sperrt Porno-Seiten in Kuweit

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Der Konzern lenkt in Datenstreit ein, sperrt Seiten und gestattet die Überwachung von Kunden-E-Mails. Die USA sprechen von einem gefährlichen Präzedenzfall.

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) gibt im Streit um die Sicherheit seines Smartphones offenbar dem Druck mehrerer Staaten nach. Eine arabische Zeitung berichtete, der kanadische Konzern sei vorläufig bereit, in Kuwait 3000 Porno-Websites zu sperren. In anderen Medien hieß es, RIM gestatte Indien die Überwachung von Kunden-E-Mails. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Wochenende angekündigt, Blackberry-Nutzern im Oktober den Zugang zum Internet zu blockieren.

Die kuwaitische Zeitung „al-Dscharida“ berichtete, Research in Motion habe mit der Zusage zur Sperrung von Pornoseiten auf den Druck von Kuwaits Kommunikationsministerium reagiert. Wie Reuters aus Branchenkreisen erfuhr, hat zudem Saudi-Arabien bei Service-Providern angefragt, Blackberry-Programme für Kurznachrichten abzuschalten.

Die USA kritisierten die Ankündigung der Emirate. „Wir halten dies für einen gefährlichen Präzedenzfall“, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die Blackberry-Dienste seien ein Teil des freien Informationsflusses. „Wir halten sie für ein wichtiges Element der Demokratie, der Menschenrechte, der Informationsfreiheit und des Informationsflusses im 21. Jahrhundert“, betonte der Sprecher. „Man sollte Gesellschaften für diese neuen Technologien öffnen, die den Menschen mehr Macht ermöglichen, und nicht nach Gelegenheiten suchen, wie man bestimmte Techniken einschränken kann.“

Von der Sperre wären auch deutsche Firmen vor Ort betroffen. „Das Tagesgeschäft würde belastet“, sagte Dalia Abu Samra-Rohte, die oberste Vertreterin der deutschen Wirtschaft in Abu Dhabi, im Reuters-Interview. „Ich glaube aber nicht, dass dies auf Investitionen von deutschen Firmen direkten Einfluss hätte“, betonte die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer. Sie setzt auf eine einvernehmliche Lösung bis Jahresende. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind demnach rund 600 deutsche Firmen tätig, darunter Großkonzerne wie Siemens, Daimler oder die Bauunternehmen Bilfinger Berger und Hochtief.

Verschlüsselung ist der Erfolg von Blackberry

RIM ist mit seinem Smartphone zuletzt in mehreren Ländern ins Visier der Behörden geraten. Regierungen in verschiedenen arabischen Ländern beklagen, dass sie keine Kontrolle über den Datenverkehr des Blackberrys haben. Aber gerade das geschlossene Email-System der Geräte ist einer der Hauptgründe für die Popularität dieser Smartphones, vor allem in der Geschäftswelt. Damit konnte RIM gegenüber Rivalen wie Nokia oder Apple Pluspunkte sammeln und weltweit 41 Millionen Nutzer überzeugen. Die gute Verschlüsselung ist damit Segen und Fluch zugleich. Denn Experten warnen davor, dass RIM zwar auf die Bedenken der Regierungen eingehen, aber seinen Kunden weiter sichere und zuverlässige Kommunikation liefern müsse. „Wenn man da Kompromisse macht, bricht die Erfolgsgeschichte zusammen“, sagte Analyst Ashok Kumar von Rodman & Renshaw.

Viele Experten gehen aber davon aus, dass RIM wie in der Vergangenheit bereits mit China und Russland einvernehmliche Lösungen mit den Behörden findet. Die indische Zeitung „The Economic Times“ berichtete, die Kanadier hätten der Regierung in Neu-Delhi angeboten, technische Codes für geschäftliche Email-Dienste für die Sicherheitsbehörden zu öffnen, binnen 15 Tagen Zugang zu allen Kunden-Emails zu gewähren und innerhalb von sechs bis acht Monaten Programme zu entwickeln, mit denen Chats überwacht werden können. Unter Berufung auf Regierungsdokumente hieß es, RIM wollte dem indischen Telekom-Ministerium bald weitere Einzelheiten zu den Vorschlägen unterbreiten. Weder das Ministerium noch ein Sprecher von RIM in Indien nahmen Stellung dazu.