Sounddesign

Audio Branding bringt sogar Zitronen zum Klingen

Audiodesigner entwickeln Klänge für Produkte oder Marken. Im Rahmen einer Studie wurde jetzt sogar herausgefunden, wie eine Zitrone klingen würde.

Foto: Vera Pache

Wer die karibischen Klänge, den beschwingten Rhythmus und das Möwengeschrei hört, denkt an Urlaub. Sommer, Sonne. Das ist sofort klar, muss auch so sein, denn der Klangschnipsel dauert gerade einmal fünf Sekunden.

Es ist das Audio-Logo eines Reisebewertungsportals, das in Fernsehwerbespots eingesetzt wird. Gestaltet wurde der Sound von Audity, einer Agentur für Audio Branding und Audio Interaction mit Büros in Konstanz und Hamburg. Das, was sich nach unverständlicher Werbe-Fachsimpelei anhört, ist eigentlich ganz einfach. Es geht hier ums Hören. Um Geräusche, um Musik, um Stimmen und um Wiedererkennbarkeit. Genau wie ein gedrucktes Logo soll das klingende Pendant unverwechselbar und einprägsam sein. „Das hat natürlich den Nutzen, dass man, ohne hinzuschauen, ein Unternehmen erkennt“, erklärt Rainer Hirt.

Zusammen mit Michael Hoppe und Markus Reiner hat er 2006 eine Werbeagentur gegründet. Alle drei haben in Konstanz Kommunikations-Design studiert und sich danach selbstständig gemacht. Zunächst noch unter einem anderen Namen und mit einem größeren Angebot – von Corporate Design bis Audio-Branding.

„Ein Freund hat uns dann irgendwann geraten, dass wir uns auf eine Sache spezialisieren sollen“, sagt Rainer Hirt.

So rückte das Geschäft mit den Klängen in den Fokus. Wieder erkennbare Melodien in der Fernseh- oder Radiowerbung gibt es schon lange. Doch mit der Verbreitung des Internets hat sich dieser Zweig der Werbebranche in den vergangenen Jahren immer mehr vergrößert. Da gibt es den Klang von Elektromotoren, der erst entworfen werden muss. Navigationssysteme, die mit Sound und Stimmen arbeiten. Auch Handys bieten neue Möglichkeiten, Geräusche einzusetzen.

Rainer Hirt, Michael Hoppe und Markus Reiner sind mit dieser Nische in der Kommunikations- und Werbebranche sehr erfolgreich: Volkswagen, Danone oder Avira, ein Hersteller von Antivirensoftware zählen mittlerweile zu ihren Kunden. Freie Wochenenden haben die Gründer selten, ihr Reisepensum ist hingegen gestiegen. Die Welt des designten Klangs ist groß. Neben dem Marketingbereich gibt es auch das Feld der „Audio-Interaction“. Dabei geht es um Warn- oder Hinweis-Töne an Geräten und dieser Bereich ist noch lange nicht erschlossen. Ganz im Gegenteil: Bei ihrer Arbeit stoßen die Gründer von Audity ständig auf neue Geschäftsfelder, etwa im Bereich der Alarmanlagen.

Und auch bei Haushaltsgeräten spielen Geräusche eine Rolle. Unlängst haben die Klangtüftler von Audity mit Bosch zusammengearbeitet. Ziel war es, neue Geräusche zu entwickeln, die signalisieren, dass die Kühlschranktür offen steht oder die Waschmaschine durchgelaufen ist. Eigentlich handelt es sich dabei nur um sehr kurze Töne, aber auch die müssen durchdacht werden. „Die Schwierigkeit ist, Mini-Töne zu entwerfen, die gut klingen und auf einen 64-KB-Chip passen“, erläutert Rainer Hirt.

Dass eine Umgebung, in der es ständig lärmt und piepst, schnell zum Stressfaktor werden kann, das wissen die Hirt und seine Kollegen. „Ich sehe uns auch weniger als Sounddesigner, sondern eher als die Silence-Designer“, betont Rainer Hirt. „Wir versuchen jedes Mal herauszufinden, inwieweit Sound wirklich Sinn macht für das Unternehmen.“

Manchmal landen bei Audity auch sehr experimentelle Anfragen. Ein Hersteller von Duftstoffen hat Audity beauftragt, den Klang einer Zitrone zu entwickeln. Mithilfe einer Studie und rund 500 Probanden hat die Agentur die Geschmacksrichtungen von süß-sauer über sauer bis bitter-sauer bestimmten Tönen zugeordnet.

So ist der „Sound of Citrus“ entstanden. Bei der kühlen Melodie mit aufsteigender Tonfolge kann man sich das Prickeln auf der Zunge beim Biss in eine Zitrone gut vorstellen. Dafür wurde Audity ausgezeichnet. Im Rahmen des Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ wurde die Agentur zum "Ausgewählten Ort" gekürt.