Zertifikate mit Kapitalschutz sind bei Anlegern sehr beliebt. Bieten sie doch die Möglichkeit, bei nur geringem oder gar keinem Risiko die Chancen der Aktienmärkte zu nutzen. Geht es an den Börsen nach oben, sind sie zumindest teilweise mit dabei. Und bei einem Kurseinbruch ist das eingesetzte Kapital bis auf den Ausgabeaufschlag vollständig gesichert.

Dennoch sorgen solche Garantie-Produkte bei Anlegern immer wieder für Enttäuschung. Weil die Papiere nicht das halten, was sie auf den ersten Blick versprechen. Zumindest während der Laufzeit. Ein gutes Beispiel dafür sind Garantie-Zertifikate mit einem Cap. So wie es aktuell die Credit Suisse auf den EuroStoxx 50 anbietet. Nach fünf Jahren werden Anleger zu 100 Prozent an steigenden Kursen des europäischen Leitindex beteiligt. Die Rückzahlung ist dabei allerdings auf 180 Prozent begrenzt, wodurch sich die maximale Jahresrendite auf 16 Prozent beläuft. Das liegt jedoch immer noch deutlich über dem, was sich mit Aktien in der Vergangenheit im Schnitt verdienen ließ. Insofern stört diese Gewinnkappung nur bedingt. Und auch über die fehlenden Dividendenerträge bei dem Index lässt sich hinwegsehen. Schließlich sind auf der anderen Seite die Verlustrisiken auf das Agio von zwei Prozent begrenzt. Im schlimmsten Fall heißt es am Ende „Außer Spesen nichts gewesen“ (WKN: CS0ADM).

Soweit ist die Funktionsweise einfach und transparent. Allerdings gilt die volle Teilhabe an steigenden Kursen nur per Fälligkeit. Vorher sieht alles ganz anders aus. Denn während der Laufzeit wird der Kursverlauf stark von dem zum Ende hin gültigen Auszahlungsprofil abweichen. Kommt es zu einem Crash an den Märkten, rutscht auch das Zertifikat ins Minus (wenn auch weniger stark). Und sollten die Kurse schnell und kräftig steigen, hinkt das Garantie-Produkt deutlich hinter der Indexentwicklung her. Selbst wenn der eingebaute Cap noch weit entfernt ist.


Als gutes Beispiel dafür dient die Kursentwicklung eines vor zwei Jahren aufgelegten und in wenigen Tagen fällig werdenden Garantie-Zertifikats (WKN: WGZ0PJ) der WGZ Bank auf den EuroStoxx 50. Hier sind Anleger zu 80 Prozent an steigenden Kursen beteiligt, wobei dies nur bis zum Indexplus von 20 Prozent gilt. Die maximale Auszahlung beläuft sich also auf 116 Euro.

Schon nach knapp einem Jahr lag der Index mit rund 25 Prozent im Plus, was zur Auszahlung des Höchstbetrags locker gereicht hätte. „Ziel erreicht, Gewinne mitnehmen“, dachten sich Investoren. Und wurden enttäuscht. Denn das Zertifikat hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte des möglichen Anstiegs erreicht. Schuld war der Cap, der das Zertifikat schon während der Laufzeit enorm bremst. Vorzeitige Verkäufe lohnen sich bei solchen Produkten deshalb nur selten. Daher muss bei Garantie-Zertifikaten immer auf die Laufzeit geachtet werden, die möglichst exakt dem Anlagehorizont des Investors entsprechen sollte. Nur dann macht der Einstieg in den Aktienmarkt über Kapitalschutz-Produkte wirklich Sinn.

tok