Meine Bank rät mir, das Depot fit für die Abgeltungsteuer zu machen. Ist das nur Panikmache oder muss ich dieses Jahr wirklich handeln?

Antwort: Fakt ist: Mit der Abgeltungsteuer beginnt ab 2009 für Anleger eine neue Zeitrechnung. Es gibt Gewinner und Verlierer. Besonders stark schröpft die neue Abgabe die Besitzer von Aktien-, Dach- oder Mischfonds. Eine Beispielrechnung belegt dies. Wer vor Beginn der Abgeltungsteuer bei einer angenommenen jährlichen Rendite von acht Prozent 10.000 Euro in einen Fonds investiert, hat nach 30 Jahren 100.627 Euro erwirtschaftet. Vergleichbare Investments, die der neuen Regelung unterliegen, bringen es hingegen im selben Zeitraum auf lediglich 75.251 Euro. Sie müssen also jetzt handeln, wenn Sie Geld sparen wollen.

Wir haben einen größeren Bargeldbetrag zur Verfügung. Sollen wir vor dem Jahresende dafür Investmentfonds kaufen?

Antwort: Wenn Sie ohnehin vorhaben, in Investmentfonds zu investieren, dann sollten Sie noch in diesem Jahr handeln. Denn für alle Fondsanteile, die vor 2009 erworben werden, gibt es einen Bestandsschutz: Veräußerungsgewinne, die der Anleger mit diesen Fondsanteilen später bei einem Verkauf erzielt, bleiben steuerfrei. Einzige Voraussetzung: Der Anleger darf die Papiere frühestens nach einem Jahr verkaufen.

Wir haben Investmentfonds in unserem Depot. Müssen wir nun Abgeltungsteuer zahlen?

Antwort: Für Anleger, die vor 2009 gekauft haben, ändert sich wenig. Ausschüttungen wie Zinsen oder Dividendenzahlungen werden ab dem Jahr 2009 von der Abgeltungsteuer erfasst, die Wertzuwächse hingegen nicht. Denn für Fondsanteile, die bis zum 31.Dezember 2008 gekauft werden, hat der Gesetzgeber einen Bestandsschutz beschlossen.

Lohnen sich angesichts der Abgeltungsteuer überhaupt noch Fondssparpläne?

Antwort: Bleibt es bei der momentanen Regelung, büßen Fondssparpläne an steuerlicher Attraktivität ein. Bei der Anlageentscheidung sollten jedoch steuerliche Gründe nicht im Mittelpunkt stehen. Entscheidender sind Punkte wie die Kosten, die Rentierlichkeit der Anlage und ob das Produkt überhaupt zum Anlegerprofil passt. Dabei punkten Fondssparpläne insbesondere bei den Kosten und den langfristig guten Renditen gegenüber versicherungsgebundenen Produkten. Dies bestätigen auch immer wieder die Verbraucherzentralen oder die Stiftung Warentest.

Ich spare jeden Monat 100 Euro in einen Aktienfonds. Soll ich 2009 damit aufhören?

Antwort: Aktienfonds lassen langfristig auch nach Einführung der Abgeltungsteuer eine attraktive, also überdurchschnittliche Rendite erwarten. Sie sind deshalb nach wie vor für einen langfristigen Vermögensaufbau, etwa für die Altersvorsorge, gut geeignet. Ohnehin setzt sich der Branchenverband BVI dafür ein, dass der Gesetzgeber langfristige Fondssparpläne Versicherungspolicen gleichstellt. Wertzuwächse bei Versicherungen mit einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren werden nach Auszahlung nur mit dem hälftigen persönlichen Steuersatz versteuert – sofern die Auszahlung nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres erfolgt.

Ich habe einen Riester-Fondssparplan. Soll ich diesen jetzt wegen der Abgeltungsteuer auflösen?

Antwort: Riester-Produkte unterliegen nicht der Abgeltungsteuer. Die späteren Rentenzahlungen aus einem Riester-Vertrag müssen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden, der im Altersruhestand aber meistens deutlich niedriger ist, als während des Berufslebens. Auch in der Ansparphase fällt bei Riester-Verträgen keine Abgeltungsteuer an. Vielmehr können Sie die Beiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.

Mit welchen Renditen kann ich bei Aktienfonds langfristig rechnen, etwa über 30 Jahre, und wie sieht es bei Rentenfonds aus?

Antwort: In den vergangenen 30 Jahren konnten mit breit streuenden Aktienfonds im Schnitt etwa sieben bis acht Prozent jährlich erzielt werden, wobei es von Jahr zu Jahr deutliche Wertschwankungen gab. Bei Rentenfonds sind die Schwankungen niedriger, die Rendite lag im Schnitt bei etwa 5,5 Prozent.

Welche Anlage kann in diesen unsicheren Zeiten überhaupt eine hohe Rendite ziehen?

Antwort: Wenn Ihnen das Risiko einer Aktienanlage zu hoch ist, Sie aber auch nicht ausschließlich in fest verzinslichen Papieren oder Geldmarktfonds investieren möchten, ist ein Mischfonds eine mögliche Lösung. Diese Produkte können sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und je nach Marktphasen ihre Investments entsprechend umschichten.

Sollen wir 25.000 Euro für zwei Jahre in Aktienfonds anlegen?

Antwort: In Aktienfonds sollte man nur investieren, wenn man sein Geld langfristig investieren möchte. Für einen Zeitraum von gerade einmal zwei Jahren wären Aktienfonds demnach die falsche Wahl, da das Risiko auf so kurze Zeit recht hoch ist. Sicherer ist für diesen kurzen Zeitraum, sein Geld in eine kurz laufende festverzinsliche Anlage zu investieren.

Meinem dreijährigen Sohn möchte ich etwas Gutes tun und 3000 Euro für 15 Jahre anlegen. Was empfehlen Sie mir?

Antwort: Ich rate Ihnen, einen breit aufgestellten Aktienfonds zu kaufen. Denn dabei haben Sie über einen Zeitraum von 15 Jahren die höchsten Chancen für Ihren Sohn.

Protokoll: Barbara Brandstetter und Holger Zschäpitz