Berlins größte Privatkunden-Bank will mit einer Strukturänderung neue Kunden gewinnen. Dafür baut die Berliner Sparkasse ihren Vertrieb um. Im Zuge dieses Umbaus fallen 200 ihrer insgesamt 2600 Stellen weg. Allerdings solle es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, wie Privatkunden-Chef Michael Thanheiser sagt. Die Kompetenzen für komplexe Beratung – etwa Altersvorsorge und Geldanlage, die über Standardfonds hinausgeht – werden in bestimmten Filialen gebündelt. Der Umbau soll 2012 abgeschlossen sein. Die Sparkasse, eine Tochter der Landesbank Berlin (LBB), investiert dafür einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Die Sparkasse hat in der Hauptstadt 1,9 Millionen Kunden. Statistisch gesehen ist damit rund jeder zweite Berliner Kunde des Instituts. Insbesondere bei Familien mit Kindern will die Sparkasse besser punkten. „Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht und uns gefragt: Treffen wir noch den Nerv unserer Kunden“, sagt Thanheiser. Die Beratung soll, so verspricht es die Sparkasse, weniger schematisch werden. „Wir nehmen Abstand davon, unsere Kunden nur nach Alter, Einkommen und Vermögen zu kategorisieren“, sagt Thanheiser. Vielmehr solle der Bedarf der Leute im Vordergrund stehen.

Der Bedarf soll in neu organisierten Filialen gedeckt werden. Dafür werden die Standorte aufgeteilt und zwar in solche für das Tagesgeschäft – also alles rund ums Girokonto – und andere, die sich um Vermögensaufbau und Altersvorsorge kümmern. Gleichzeitig soll es mehr Geldautomaten in der Stadt geben, vor allem an Bahnhöfen. Auch die Zahl der SB-Center, wo Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker stehen, soll wachsen: von derzeit 20 auf 30.

Das Filialnetz der Sparkasse wird hingegen ausgedünnt. Derzeit gibt es noch 176 Standorte, darunter die 131 Privatkunden- und 27 Vermögensanlage-Center. Bis 2012 wird es nur noch 154 Sparkassen-Filialen geben, 68 davon werden sogenannte Finanz-Center sein. In diesen werden Kunden beispielsweise vertieft zu Fragen der Geldanlage und Altersvorsorge beraten. Wer ausgefallenere Wünsche bei der Geldanlage hat, für den wird es dann künftig 22 Vermögensanlage-Center geben. In den Finanz-Centern wächst die Zahl der Berater von derzeit 400 auf dann 500. Trotzdem bleiben durch die Filialschließungen 200 Stellen, die wegfallen. Den Mitarbeitern soll innerhalb der Bank eine neue Tätigkeit angeboten werden.

Gleichzeitig will die Sparkasse ihren Internet-Service ausbauen. „Es wird dort mehr Produkte und eine bessere Übersichtlichkeit geben“, verspricht Thanheiser.

Der Neustrukturierung war eine umfangreiche Marktforschung vorausgegangen. Es gab Tiefeninterviews mit Kunden, dazu eine repräsentative Forsa-Erhebung und eine Umfrage unter Mitarbeitern. Kosten senken, stehe nicht im Fokus des Umbaus, betont Thanheiser.