Die Anlageberatung bei Banken und Sparkassen hat sich laut Stiftung Warentest weiter verschlechtert. Wenige Monate nach Einführung der neuen Regeln für die Beratung von Bankkunden testete die Stiftung 21 Geldhäuser – anhand von insgesamt 146 Testgesprächen. Das erschreckende Fazit: Sechs Mal schnitten die Institute mit einem „Mangelhaft“ ab, die von den Testern vergebene Bestnote war ein „Befriedigend“.
Lediglich drei Finanzinstitute, allesamt Sparkassen, konnten das mittelmäßige Spitzenergebnis erreichen. „Aber ob wir selbst diese drei Institute uneingeschränkt empfehlen können, wage ich zu bezweifeln“, sagt Finanztest-Expertin Karin Baur: „Schließlich empfehlen wir unseren Lesern nur Dienstleistungen, die sehr gut oder zumindest gut abschneiden.“
Überprüft wurden unter anderem auch die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die Sparda Bank Berlin, die Berliner Sparkasse und die Berliner Volksbank.
Insgesamt schnitten die Geldhäuser noch schlechter ab als bei einer vergleichbaren Studie im Sommer 2009. Damals bekamen zwei ein „Mangelhaft“. Das schlechte Abschneiden aller Institute in diesem wie im vergangenen Test resultiere vor allem daraus, dass die Berater gegen Gesetze verstoßen, sagt Baur: „An Regelen mangelt es nicht – es gibt nicht genug Kontrolle, ob Gesetze eingehalten werden.“
Gesetzliche Vorgaben werden nicht eingehalten
Seit Jahresbeginn sind die Geldinstitute gesetzlich verpflichtet, bei einer Anlageberatung über Wertpapiere ein Beratungsprotokoll auszustellen. Im Test erhielten aber nur etwa die Hälfte der Kunden, bei denen es notwendig gewesen wäre, dieses Protokoll.
Finanztest-Redakteurin Baur empfiehlt Kunden, die Geld anlegen möchten vor allem Eines: Immer gut vorbereitet in ein Gespräch gehen. Man müsse sich insbesondere in Bezug auf die Risikobereitschaft im Klaren sein, ob man bereit ist, fünf, zehn oder auch mal 50 Prozent des investierten Geldes zu verlieren. Am besten sollten Sparer außerdem nie nur zu einem Berater gehen „Man kann sich nicht nur auf einen Anlageberater verlassen“, sagt Baur. Kunden sollten immer einen neutralen Zeugen mitbringen – der Ehegatte gilt als parteiisch und ist daher denkbar ungeeignet. Nach dem Gespräch könne es sich lohnen, mit dem Angebot zu einer Verbraucherzentrale zu gehen: „Eine Beratung bei der Verbraucherzentrale kostet knapp 120 Euro – das kann gut investiertes Geld sein.“
Einige Banken haben als Reaktion auf das schlechte Abschneiden im Test bereits Besserung gelobt. Volksbank Mittelhessen, Klassenletzter im Test, hat angekündigt, Fehler abzustellen. „Die schlechte Note ist allein auf das Nichtaushändigen von Beratungsprotokollen zurückzuführen“, sagt Volksbank-Sprecher Stefan Spicker. Er zeigt sich überrascht: Die Finanzaufsicht BaFin habe bei einer Prüfung in diesem Frühjahr keinerlei Beanstandungen zum Umgang mit Beratungsprotokollen gehabt.




