Die deutschen Banken sind bei den Stresstests der Europäischen Union glimpflicher davongekommen als lange befürchtet. 13 der 14 getesteten Institute bestanden die Prüfung, wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin mitteilten. Einziger Problemfall bleibt der bereits notverstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die Postbank bestanden die Prüfung allerdings nur vergleichsweise knapp.

Die Landesbank Berlin (LBB) hat unter den deutschen Banken am besten abgeschnitten. Sie habe auch im schlimmsten angenommenen Krisenszenario noch eine Kernkapitalquote von 11,2 Prozent, heißt es. Die Deutsche Bank und die HSH Nordbank kamen auf jeweils 9,7 Prozent und damit auf den zweiten Rang.

Die Landesbank gehörte einst mehrheitlich dem Land Berlin und wurde 2007 an die Sparkassengruppe verkauft. Das Vorgängerinstitut, die Bankgesellschaft Berlin, stand nach riskanten Immobilien- und Kreditgeschäften 2001 am Rande des Zusammenbruchs und konnte nur mit staatlichen Milliardenhilfen gerettet werden. Es folgte ein harter Sanierungskurs, der die Bank wieder in die schwarzen Zahlen führte. In der Finanzkrise 2008/2009 blieb die Landesbank Berlin in der Gewinnzone.

Mit den Stresstests wollte die EU prüfen, wie gut Europas Banken auf weitere Rückschläge vorbereitet sind. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete das Abschneiden der deutschen Institute als „positives Signal“. Durch die Stresstests habe sich die „Transparenz über die Widerstandsfähigkeit dereuropäischen Banken deutlich erhöht“. Allerdings warnte er davor, sich auf den Resultaten auszuruhen: „Ungeachtet des insgesamt erfreulichen Ergebnisses des Stresstestsbleibt die Notwendigkeit bestehen, weitere Fortschritte bei der Konsolidierung des Landesbankensektors zu erreichen“, so Schäuble. Mehrere Landesbanken hatten im Vorfeld als Wackelkandidaten für den Test gegolten.

Die Bankenprüfung bestand aus mehreren Teilen. In einem ersten Krisenszenario ging man von einer schwächelnden Konjunktur aus, in einer verschärften Variante zusätzlich von steigenden Zinsen. Die Folge wären unter anderem steigende Kreditausfälle und neue Kursverluste bei Staatsanleihen, die in den Bilanzen vieler Kreditinstitute liegen. Je geringer die Bonität eines Landes, desto höher fällt der Abschlag aus: Bei griechischen Anleihen wurde ein Minus von bis zu 23 Prozent angenommen, bei Bundesanleihen waren es 4,7 Prozent. Entscheidendes Kriterium für den Test ist das Eigenkapital als Risikopuffer einer Bank: Fällt die so genannte Kernkapitalquote in einem Szenario unter sechs Prozent, ist die Bank durchgefallen. An dem Test nahmen 91 Banken teil, die 65 Prozent des Geschäftsvolumens repräsentierten.

Gesamtergebnisse für ganz Europa liegen noch nicht vor. Als Wackelkandidaten galten im Vorfeld vor allem die spanischen Sparkassen, die unter der Immobilienkrise des Landes leiden. In Deutschland vefehlte die HRE die Zielmarke deutlich: Im einfachen Stress-Szenario sank ihre Kapitalquote auf 5,3 Prozent, in der verschärften Variante auf 4,7 Prozent. Allerdings hatte die Bundesregierung bereits lange vor den Stresstest weitere Hilfen für die Münchener Bank beschlossen, die bereits mit Garantien von mehr als 100 Milliarden Euro gestützt wurde. Nun soll sie Risikopositionen von bis zu 210 Milliarden Euro in eine Abwicklungsanstalt des Bundes abschieben dürfen und weitere Kapitalspritzen erhalten. Diese Hilfen wurden in den Stresstests nicht berücksichtigt, da sie noch nicht umgesetzt sind.

Unter den weiteren 13 Instituten schnitt die NordLB am schwächsten ab – ihre Kapitalquote sackte in den beiden Stressszenarien auf 6,4 und 6,2 Prozent ab. Die Postbank kam im schlechtesten Fall auf 6,6 Prozent. Am anderen Ende der Rangliste finden sich die Landesbank Berlin, die Deutsche Bank und die HSH Nordbank mit den höchsten Kapitalquoten. Allerdings profitierte die HSH wie auch die Commerzbank und drei weitere Landesbanken davon, dass sie im Laufe der Finanzkrise der vergangenen drei Jahre Staatshilfen in Milliardenhilfe erhalten hatte. NordLB und Postbank waren dagegen ohne Stütze ausgekommen. Viele Banker bezeichneten es als „Treppenwitz“, dass der Test ausgerechnet die Institute abstrafte, die die Krise aus eigener Kraft bewältigt hatten.

Auch darüber hinaus hatte es schon im Vorfeld der Veröffentlichung Zweifel an der Aussagekraft der Tests gegeben. Viele Experten bezeichneten die Kriterien als zu lax für einen echten Härtetest. Sie kritisierten unter anderem, dass bei Staatsanleihen nur vorübergehende Kursschankungen berücksichtigt wurden, aber keine echten Zahlungsausfälle. Die EU-Behörden begründeten dies mit dem Anfang Mai aufgelegten Euro-Rettungsfonds, der solche Staatspleiten ja gerade verhindern solle. Mehrerere Notenbanker verteidigten den Test auch insgesamt als harte Prüfung. BaFin-Präsident Jochen Sanio räumte allerdings einen beschränkten Erkenntnisgewinn ein. Schließlich waren die möglichen Problemfälle bereits im Vorfeld bekannt.

ams/jos/mgr/sei