Die Bahngewerkschaft Transnet hat die Bundesregierung aufgefordert, der Deutschen Bahn angesichts des Hitze-Chaos mehr Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Der Bund mache einen großen Fehler, wenn er der Bahn eine jährliche Dividende von 500 Millionen Euro abpresse, sagte Vorstandsmitglied Reiner Bieck der „Berliner Zeitung“.

Die Bahn brauche das Geld, um zu investieren. „Das zeigen die Probleme mit den Zügen im Winter und aktuell jetzt im Sommer.“ Im Rahmen ihres umfassenden Sparpakets beansprucht die Bundesregierung vom Staatskonzern Bahn eine höhere Dividende von 500 Millionen Euro.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), fordert eine Ausrüstung der neuen Züge der Bahn mit leistungsfähigeren Klimaanlagen. Eine Konsequenz aus dem Hitze-Chaos der vergangenen Tage müsse sein, „dass neue Züge auf höhere Temperaturen ausgelegt sind“, sagte Hermann der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Die Klimaanlagen müssen dann bis zu 45 Grad Außentemperatur bewältigen können.“ Bei der Modernisierung der älteren Züge, vor allem der ICE-2-Flotte, müssten die Klimaanlagen ausgetauscht werden.

Die Bahn hatte am Donnerstag eingeräumt, dass Klimaanlagen in älteren ICEs nur bei Temperaturen bis 32 Grad Celsius völlig problemlos funktionieren. Neuere Fahrzeuge der ICE-3- und der ICE-T-Reihe sind bis 35 Grad ausgelegt. In den vergangenen Tagen waren in einigen Fernzügen die Klimaanlagen komplett ausgefallen, weshalb die Züge geräumt werden mussten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen einen Zugchef. In anderen Zügen fielen in einzelnen Waggons die Klimaanlagen aus.

Die technische Anpassung werde voraussichtlich „ein jahrelanger Prozess“, befürchtete Hermann. „Die Kapazitäten sind begrenzt.“ Der Grünen-Politiker beschuldigte den ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn, die Bahn ausschließlich mit dem Ziel geführt zu haben, „sie an die Börse zu bringen. Da wurde nur das Nötigste investiert, weil alles andere die Bilanzen versaut hätte“.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Deutsche Bahn aufgefordert, Fahrgäste aus überhitzten Zügen deutlich besser zu entschädigen als geplant. „Die Bahn sollte sich großzügig zeigen“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. „Reisegutscheine sind nicht angemessen.“

Die Bahn hat jenen Hitzeopfern, die ärztlich versorgt werden mussten, Fahrgutscheine in Höhe des Anderthalbfachen des ursprünglichen Fahrpreises zugesagt. Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte ihm ZDF, man wolle auf die Betroffenen zugehen und mit ihnen über eine Wiedergutmachung ins Gespräch kommen.

dpa/AFP/Reuters