Im Zusammenhang mit dem Ausfall von Klimaanlagen in zahlreichen ICE-Zügen hat Bahn-Chef Rüdiger Grube das Krisenmanagement einzelner Mitarbeiter kritisiert. Zugleich sicherte er laut einem „Spiegel“-Bericht vom Sonnabend Nachbesserungen bei der Technik zu, damit diese auch extremen Wetterlagen standhält.
Grube sagte, er verwahre sich gegen eine „pauschale Verunglimpfung des Zugpersonals“. Er räumte aber Fehler ein. Für Krisenfälle gebe es bei der Bahn genaue Handlungsanweisungen für das Zugpersonal, sagte der dem "Spiegel". Dazu gehöre, den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen und zu versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu kriegen. Falle sie total aus, müsse ein Ersatzzug organisiert werden. „Leider hat das in den bekannten Fällen ein paar Mal nicht geklappt. Hier müssen wir besser werden – keine Frage“, sagte Grube. Kritik übte Grube aber auch an den Herstellern. Jede der bislang von der Industrie ausgelieferten Baureihen hätte „ihre Macken gehabt“.
Seit vergangener Woche waren bei sommerlicher Hitze in einigen Fernzügen die Klimaanlagen teils oder komplett ausgefallen, weshalb einige Waggons sogar geräumt werden mussten. In einem drastischen Fall waren mehrere Fahrgäste kollabiert und mussten ärztlich versorgt werden. Grube sagte dem „Spiegel“, es gebe technische Möglichkeiten, den begrenzten Temperaturbereich der Klimaanlagen weiter auszureizen. Die Fahrzeuge, aber auch das Netz und die elektronische Leit- und Sicherheitstechnik müssten an die veränderte Wetterlage angepasst werden, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“). Er kündigte an, die Deutsche Bahn wolle die Klimaanlagen ihrer ICE-Züge schneller modernisieren, um Hitzeschocks der Fahrgäste zu vermeiden. "Bei der Generalüberholung der ICE 2-Flotte, die im November 2010 beginnt und über 100 Millionen Euro kostet, prüfen wir jetzt, ob wir auch die Klimaanlagen einbeziehen, was ursprünglich nicht vorgesehen war", sagte er. Die Züge dieser Flotte sind auf Temperaturen von maximal 32 Grad ausgelegt. Die neuen ICE-Züge, die demnächst bestellt werden, will Grube auf bis zu 45 Grad Außentemperatur einstellen.
1000 Fahrgäste mussten aussteigen
Probleme mit Lüftung und Klimaanlage auch am Freitagabend den Hitzestau in einem Regionalexpress der Bahn. In zwei von acht Waggons des Zuges fiel nach Auskunft der Bundespolizei die Kühlung aus. Zwischen 500 und 1000 Fahrgäste hatten rund zwei Stunden in und an der in Mühlheim-Dietesheim (Hessen) stehenden Doppelstock-Bahn ausgeharrt. Rettungskräfte versorgten sie mit kalten Getränken. Verletzt wurde niemand. Der Regionalzug hatte stoppen müssen, nachdem er eine Frau auf den Schienen erfasst hatte.
Die Bundespolizei sieht wegen des Hitzestaus derzeit keinen Grund zu Ermittlungen gegen die Bahn. "Die bloße Tatsache, dass es zu technischen Problemen kommt, ist kein Anlass für Ermittlungen", sagte ein Polizeisprecher. Darüber hinaus gebe es "keinen Ansatz zu Kritik am Verhalten der Bahn und der Bahnmitarbeiter". Sie hätten sofort und richtig reagiert; die Fahrgäste seien ausreichend versorgt worden. Einen angebotenen Umstieg auf Taxis lehnten die Reisenden laut Bundespolizei ab. Stattdessen hätten alle nach zweistündiger Unterbrechung die Zugfahrt in Richtung Hanau fortgesetzt.
Auf der Regionalexpress-Strecke zwischen Frankfurt und Fulda verkehren nach Angaben der Bahn Waggons mit und ohne Klimaanlage. Die Züge würden je nach Verfügbarkeit zusammengestellt, so ein Bahn- Sprecher. Wie viele klimatisierte Waggons dieser Zug hatte, wusste er zunächst nicht.
Ramsauer sieht Ursache in Sparzwängen
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte die Bahn-Spitze auf, die Probleme jetzt schnell in den Griff zu bekommen, aber auch die Informationspolitik zu verbessern. „Das war Salamitaktik und kein Krisenmanagement“, sagte die Verbraucherministerin der „Bild am Sonntag“. Anfangs sei von zwei, drei betroffenen Zügen die Gede gewesen, inzwischen sei klar, „dass es sich um ein generelles Problem handelt“.
Nach der Pannenserie soll in der kommenden Woche auf einem Krisengipfel nach Lösungen gesucht werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt dazu am Dienstag mit Bahnvertretern zusammen. Ramsauer sieht die Ursachen für die Mängel bei der Bahn in den Sparzwängen des Konzerns wegen des vor Jahren geplanten Börsengangs. „Für dieses politische Ziel haben der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller die Bilanz der Braut fürs Börsenparkett geschmückt“, sagte Ramsauer dem „Focus“. Dies habe einen Sparzwang zur Folge gehabt, „um betriebswirtschaftliche Zahlen zu erzeugen“. Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube müsse nun die Suppe auslöffeln. Grube widersprach. Er verwies auf interne Untersuchungen, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Börsenplänen und dem Ausfall von Klimaanlagen gebe. Ramsauer kündigte an, in der Bahnpolitik neue Weichen stellen zu wollen: „Der Börsengang ist derzeit kein Thema.“ An erster Stelle müssten bessere Qualität, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge stehen.
dpa/Reuters/AFP/sh






