Die Rettung der insolventen Warenhauskette Karstadt ist ein Stück näher gerückt. Insolvenzverwalter Hubert Görg und Investor Nicolas Berggruen haben den Kaufvertrag zur Übernahme sämtlicher 120 Filialen unterzeichnet. Der Kontrakt ist allerdings an Bedingungen geknüpft.
Zum einen muss das Bundeskartellamt dem Verkauf noch zustimmen. Das jedoch gilt nach Ansicht von Beobachtern als sehr wahrscheinlich. Zum anderen muss sich Berggruen aber auch noch mit dem Highstreet-Konsortium über die Höhe der künftigen Mieten einig werden. Und das könnte zum Stolperstein für die Einigung werden. Denn Highstreet war bis zuletzt selbst an einer Übernahme von Karstadt interessiert.
Für den Kauf sind nach Angaben der Investoren sofort 70 Millionen Euro fällig. Fünf Millionen Euro gingen direkt an die Gläubiger und weitere 65 Millionen Euro seien nötig, um den Betrieb der Karstadt-Filialen aufrechtzuerhalten, sagte David Jehan vom Berggruen-Partner BCBG Max Azria. Diese Summen müssen aufgewendet werden, bevor Karstadt den Besitzer wechsle, sagte Jehan, der die internationalen Geschäfte der BCBG-Gruppe leitet. Für die Modernisierung der Verkaufsflächen seien zudem in den kommenden drei Jahren Investitionen von jährlich 60 Millionen Euro geplant.
Dass Berggruen am Ende den Zuschlag bekommen hat, begründen vertraute Kreise mit der Tatsache, dass das Angebot des Investors keine Stellenstreichungen vorsieht. Diesen Plan hat ein Sprecher noch einmal bekräftigt und damit Gerüchte dementiert, nach denen Berggruen zehn Karstadt-Häuser schließen wolle. Dagegen hatte er mehrfach Mietnachlässe für die Warenhäuser gefordert.
Bisher jedoch gibt es einem Highstreet-Sprecher zufolge keine Übereinkunft zwischen den beiden Parteien. Sollte es keine Einigung geben, schließt das Vermieterkonsortium eine Zerschlagung von Karstadt nicht mehr aus. Nach Informationen von Morgenpost Online fordert Highstreet von Karstadt in diesem Jahr nur noch 210 Millionen Euro Miete. 2009 waren es noch 280 Millionen Euro. Für 2013 und 2014 fordert Highstreet 216 Millionen Euro, für 2015 dann 235 Millionen Euro und 2018 schließlich 250 Millionen Euro.
Genau über diese Summen herrscht noch Uneinigkeit zwischen Berggruen und Highstreet. Nimmt Berggruen die Offerte nicht an, „steigt die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich“, erklärte Highstreet. Insolvenzverwalter Görg mahnte: „Alle Gläubigergruppen müssen sich ihrer sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung für 25.000 Mitarbeiter bei Karstadt und weiterer rund 30.000 Arbeitsplätze bei deutschen Lieferanten bewusst sein“.
Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zeigt man sich überzeugt davon, dass es noch zu einer Einigung kommt. „Ich bin sehr optimistisch, dass auch die letzten Hürden noch aus dem Weg geräumt werden können“, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane Morgenpost Online. Sie begrüßt den Zuschlag für Berggruen. „Nach gründlicher Prüfung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass Berggruen unseren Vorstellungen am nächsten kommt.“
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wertete die Entscheidung für Berggruen ungeachtet der neuen Streitigkeiten als gute Nachricht. Ebenso die Verantwortlichen beim Handelsverband Deutschland (HDE). „Die Rettung ist wichtig für die Attraktivität und die Entwicklung der Innenstädte in Deutschland“, sagt Verbandspräsident Josef Sanktjohannser Morgenpost Online. Durch den langfristig orientierten Investor sehe er nun große Chancen für die Zukunft von Karstadt. „In Deutschland ist genug Platz für zwei Warenhausketten“, meint Sanktjohannser mit Verweis auf Konkurrent Kaufhof.
Dort scheint man sich mit dem eigentlich geplanten Verkauf noch Zeit lassen zu wollen. Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro will zunächst abwarten, bis alle Würfel beim Konkurrenten Karstadt gefallen sind. „Wenn es Klarheit bei Karstadt gibt, werden wir mit großer Ruhe und Gelassenheit unser weiteres Vorgehen beim Kaufhof prüfen“, sagte ein Metro-Sprecher am Dienstag.
„Das Schöne ist, das wir aufgrund der guten Geschäftsentwicklung des Kaufhofes keinen zeitlichen Druck haben, irgendwelche voreiligen oder unglücklichen Entscheidungen zu treffen“, betonte der Sprecher in Düsseldorf.
mit AFP





