Jubiläum

BMW baut in Berlin seit 40 Jahren Motorrad-Legenden

BMW produziert seit 40 Jahren Motorräder in Berlin-Spandau. Es ist der einzige Standort der bayrischen Edelmotoren-Schmiede, an dem Zweiräder gebaut werden. Fast zwei Millionen Modelle wurden bis heute ausgeliefert. Am Dienstag wurde das Jubiläum gefeiert.

Foto: BMW

Bis zum zweimillionsten Motorrad haben sie es bei BMW in Spandau zum Jubiläum zwar nicht geschafft. Doch auch so steht eine beeindruckende Zahl: Fast 1,9 Millionen Zweiräder, genauer 18.82400, haben sie in Berlin bis zum heutigen Tag gebaut. Seit 40 Jahren produziert BMW Motorräder in der Hauptstadt. Es ist der einzige Standort der bayrischen Edelmotoren-Schmiede, an dem Motorräder gebaut werden. Am Dienstag wurde das Jubiläum gefeiert.

„Berlin wird mit vielem in Verbindung gebracht, jedoch nicht unbedingt mit Industrie“, sagt Werksleiter Hermann Bohrer. Es ist ihm ein Bedürfnis darauf hinzuweisen, wie sehr sein Unternehmen an dem Standort festhält. 23 Mio. Euro, sagt Bohrer, werden in diesem Jahr in Spandau investiert. Denn die Krise hat die Lust am Zweirad gemindert. Im Mai gingen die Verkäufe um 16 Prozent im Jahresvergleich zurück. Zur Zeit müssen 1800 Mitarbeiter an vier Tagen im Monat zuhause bleiben – Kurzarbeit.

In Berlin verwurzelt

Doch an diesem Tag zählt natürlich nicht die Krise. „BMW ist in Berlin verwurzelt“, sagt Hendrik von Kuenheim, Chef der BMW-Motorradsparte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) revanchiert sich in seinem Grußwort und nennt BMW einen „exzellenten Botschafter der Berliner Industrie“ Anschließend posiert er für die Fotografen am neuesten Modell aus dem Werk, der Sportmaschine S 1000 RR.

Die Zahlencodes der BMW-Zweiräder nehmen Motorrad-Fans voll Ehrfurcht in den Mund. Da ist zum Beispiel die „Strich-Fünfer“, das erste Modell aus Spandau. 1969 wurde mit die Produktion der BMW R 75/5, so die offizielle Bezeichnung, begonnen. 50 PS leistete der Motor und trieb das Fahrzeug damit auf eine Höchstgeschwindigkeit von 175 Kilometer je Stunde.

BMW produziert in Berlin schon länger als 40 Jahre. Seit 1939 ist das Gelände in Am Juliusturm im Besitz der Münchner. Zunächst wurden Flugzeugmotoren dort gebaut. Doch erst in den 60-er Jahren wurde beschlossen, die Motorrad-Produktion komplett in die damals geteilte Stadt zu verlagern. München brauchte Platz für die immer größer werdende PKW-Produktion und West-Berlin freute sich über jeden Konzern, der der Stadt nicht den Rücken kehrte, sondern Arbeitsplätze brachte.

Die sogenannte „Strich-Fünfer“ Baureihe war ein völlig neu entwickeltes Modell mit Boxermotor. 400 Mitarbeiter waren es, die anfangs 30 Fahrzeuge am Tag schafften. Doch die Produktion wurde schnell ausgeweitet, parallel zur rasanten Entwicklung des Absatzes. Bis 1975 wurden 100.000 Motorräder gebaut, fünf Jahre später waren es 250.000 und 1991 rollte das Millionste Motorrad aus Berlin aus den Spandauer Werkhallen. Das Werk wurde stetig erweitert. Heute werden mehr als 100.000 Maschinen pro Jahr produziert.

Fünf verschiedene Baureihen werden heute in Spandau unweit der Zitadelle gebaut. Von der G-Reihe, so etwas wie das Einstiegsmodell, bis hin zur neuen S-Reihe. Die BMW S1000 RR ist ein Straßenmonster mit 200 PS, beschleunigt in weniger als drei Sekunden auf 100 Stundenkilometer und kostet stolze 15.000 Euro.

Davon und anderen Krädern träumen viele Motorradfahrer. Das Problem ist: in der Krise wollen weniger Menschen für ihren Traum Geld ausgeben. Anders als Autos, gelten Motorräder nicht lebensnotwendig. Man gönnt sie sich für den Fahrspaß. Doch das muss in der Zukunft nicht so bleiben, wie Hendrik von Kuenheim deutlich macht. „Platzsparende Zweiräder bieten eine Chance, zur Lösung der Mobilitätsprobleme gerade in Städten.“

Wenn das so kommt, wird Berlin profitieren. Denn BMW hat sich darauf eingerichtet, hier zu auch in den nächsten 40 Jahren zu bleiben. Und so dürften neue Millionen-Rekorde in Spandau nur eine Frage der Zeit sein.