Gerät der Computertitan Apple tatsächlich etwas unter Druck? Apple-Chef Steve Jobs wetteifert mit dem Konkurrenten Google um mobile Technologien und Mitarbeiter. Allein in der vergangenen Woche übernahm Apple zwei nicht börsennotierte Unternehmen. Google hat jedoch bereits vorgelegt: Seit Jahresanfang hat der Hersteller des Mobilfunk-Betriebssystems Android neun Zukäufe bekanntgegeben. Am Wochenende teilte Google die Übernahme von Bump Technologies mit, einem Anbieter von Software für dreidimensionale Desktops.

Für Apple steigt Akquisitionsdruck, seit Google beispielsweise in den Handy-Markt und in Mobilfunk-Software expandiert. Ein neuer Konkurrent auf dem Smartphone-Markt ist Apple in der vergangenen Woche zudem mit der Übernahme von Palm durch Hewlett-Packard erwachsen.

“Die Geschwindigkeit hat wirklich angezogen, es gibt offenbar einen Strategiewechsel”, kommentiert Charlie Wolf, Analyst bei Needham & Co. in New York. “Es sieht aus, als gäbe es einen Akquisitionswettkampf zwischen Google und Apple in dem Sinne, dass es für Apple immer wichtiger wird, mit Google in den Bereichen Telefon und Anwendungen mindestens gleichzuziehen, wenn sie nicht gar zu überholen”, erläutert er.

Apple betrachtet Google mit dem Handy-Betriebssystem Android als Konkurrent auf dem stark wachsenden Markt für mobile Telefone, Software und Anzeigen. Weltweit wird der Absatz von Smartphones in diesem Jahr laut Schätzungen des Branchenbeobachters iSuppli um 36 Prozent auf 247 Millionen Stück steigen. Der Marktführer Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, kommt dabei auf einen Marktanteil von 42 Prozent.

Mehr als 23,1Milliarden Dollar stehen Apple zur Verfügung, um kleine Startup-Firmen zu kaufen. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino verfolgt dabei offenbar neue Strategien, um sich vor einem frühzeitigen Bekanntwerden seiner Kaufabsichten und konkurrierenden Geboten zu schützen. Einige Übernahmeziele hätten von Apple nur eine Frist von drei Stunden bekommen, um ein Gebot anzunehmen, berichtet ein Manager.

Hinweise auf potentielle Übernahmeziele dürften die Patentanträge von Apple liefern, sagt Will Stofega vom Analyseunternehmen IDC in Framingham, Massachusetts. Vor kurzem habe Apple um Patentschutz für eine Technologie zum Kauf per Handy und für Touchscreens ersucht. Ein mögliches Ziel ist daher zum Beispiel der Kauf von Vivotech. Das Unternehmen aus Santa Clara, Kalifornien, bietet Technologie an, mit der die Handynutzer ihr Mobiltelefon an einer Kasse vorbeiziehen können, um für etwas zu bezahlen. Apple-Konkurrent Nokia Oyj hat in einen Bezahldienst namens Obopay investiert.

Apple selbst wollte sich zu potentiellen Übernahmezielen nicht äußern. “Apple kauft von Zeit zu Zeit kleinere Technologieunternehmen, und wir kommentieren unsere Absichten oder Pläne im allgemeinen nicht”, sagte Unternehmenssprecher Steve Dowling. Apple-Chef Jobs hat seit seiner Rückkehr zu dem Computer-Unternehmen 1997 13 Übernahmen getätigt, davon allein fünf in den vergangenen sieben Monaten.

Ein weiterer Grund für das verstärkte Kaufinteresse bei Apple dürfte sein, dass das Unternehmen verhindern wolle, dass bestimmte Startup-Unternehmen bei Google landen, erläutert Analyst Wolf. Er erinnert an den Kampf im vergangenen Jahr zwischen Google und Apple um AdMob., den Marktführer bei Handy-Werbung. Vergangenen Monat hatte Jobs auf einer Apple-Veranstaltung erklärt, Apple habe versucht, AdMob zu übernehmen, bevor Google kam und “sich das Unternehmen geschnappt hat, weil sie nicht wollten, dass wir es bekommen.” Die 750 Millionen Dollar schwere Übernahme muss aber noch vom Staat genehmigt werden.

“Sie haben bei AdMob eine Lektion gelernt”, weil sie sich mit dem “zweitrangigen Quattro” zufriedengeben mussten, sagt Brian Marshall, Analyst bei Broadpoint AmTech in San Francisco. “Sie haben die Mittel. Sie haben jetzt ein Team für Akquisitionen." Im vergangenen Jahr hat Apple laut informierten Kreisen einen Fusions-Spezialisten von Goldman Sachs Group Inc. angeworben. Er soll der erste auf M&A spezialisierte Mitarbeiter bei Apple sein.

Bloomberg/me