Das iPhone soll nun bald das können, was sein Entwickler Steve Jobs offenbar mit Leichtigkeit beherrscht: Multitasking. Die Aufregung um das iPad ist noch längst nicht verflogen, da kündigt der Apple-Chef schon wieder die nächste Neuerung an. Dank eines neuen Betriebssystems soll das iPhone ab dem Sommer mehrere Programme gleichzeitig nutzen können. Diese Eigenschaft hatten einige Apple Fans bislang schmerzlich vermisst. In dem Punkt waren andere Hersteller dem Konzern mit dem Apfel im Logo bislang voraus. Und das konnte Steve Jobs nicht gefallen, der es gewohnt ist, selbst die Maßstäbe in der Branche zu setzen.

Das neue Betriebssystem iPhone OS 4 soll auf dem aktuellen Gerät 3GS laufen sowie auf dem verwandten Musikspieler iPod Touch. Für das iPad wird die Neuerung ab dem Herbst verfügbar sein. Wer ein älteres Modell besitzt, hat dagegen Pech gehabt. Alle anderen können künftig beispielsweise Lieder mit der Internet-Radio-Software Pandora hören und müssen diese nicht beenden, wenn sie gleichzeitig ihre E-Mails lesen möchten.

Angeblich soll es im Sommer auch ein neues iPhone geben. Das Mobiltelefon, das Apple vor drei Jahren auf den Markt gebracht hat, zählt zu den größten Gewinnbringern des Konzerns. 50 Millionen iPhones hat Apple bis heute verkauft. Dazu kommen noch einmal 35 Millionen des ähnlich aussehenden iPod Touch. Dabei verdient das Unternehmen nicht nur an den Geräten selbst, sondern auch an den Applications, also den Zusatzprogrammen. 185.000 sogenannter Apps gibt es mittlerweile. Viele von ihnen sind umsonst, doch die Kunden sind auch bereit, für besonders gute Apps zu bezahlen. Vier Milliarden Apps vom Kochbuch bis hin zum Schneebericht haben sie bislang herunter geladen.

Mit dem neuen Betriebssystem hat Apple nun noch eine neue Geldquelle aufgetan – Werbung in den Apps. Die Entwickler sollen dabei 60 Prozent der Werbeerlöse bekommen, Apple selbst behält 40 Prozent. Im typischen Apple-Stil klemmt das Unternehmen dabei mal wieder ein „i“ vor das neue System und nennt es „iAd“.

Mit dem bisherigen Verkauf des iPad ist Steve Jobs zufrieden. Seit dem Start am vergangenen Samstag wurden bis Donnerstag 450.000 des neuen Tablet-Computers in den USA verkauft, davon allein 300.000 am ersten Tag. Dies ist zwar etwas weniger als manche Analysten im Vorfeld vermutet hatten. Sie sagten einen Nachfrage von bis zu 700.000 Geräten für das erste Wochenende voraus. Doch bei der größten US-Elektronikkette Best Buy sind die Geräte bereits vergriffen. Nur in den Apple- Läden selbst sind noch einige wenige zu haben. „Wir produzieren sie so schnell wir können“, sagte Jobs. 600.000 Bücher und 3,5 Miollionen Apps haben die bisherigen Käufer bereits heruntergeladen.

Vor den Apple Läden in New York stehen die Menschen zwar nicht mehr Schlange. Doch in den Geschäften selbst ist eindeutig klar, welches Gerät die meiste Aufmerksamkeit erregt. Um die Tische mit dem iPad drängen sich die Leute noch immer. Sie heben es, sie schütteln es, sie streichen über die Oberfläche. Zwei ältere Herrschaften halten das iPad an die Ohren, um zu testen, ob der Lautsprecher auch ja stark genug für sie ist. Egal, was die Analysten also sagen: Zumindest das Interesse ist ungebrochen groß.