Genfer Automobilsalon

VW will Toyota mit Hybrid-Modellen überflügeln

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Marco Dalan

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Angriff auf den Branchenprimus: Volkswagen hat beim Genfer Automobilsalon die Kehrtwende beim Antrieb verkündet. Künftig setzt der Konzern auf die Elektromobilität. Und steckt sich gleich ein ehrgeiziges Ziel: Die Wolfsburger wollen das japanische Vorbild Toyota ("Prius") vom Hybrid-Thron schubsen.

Der Volkswagen-Konzern startet seine „grüne“ Modell-Offensive. „Volkswagen wird der Autobauer sein, der das ‚Elektroauto für alle’ in die Großserie bringt“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Vorabend des Genfer Automobilsalons (4. bis 14. März). Der Konzern, der sich bei alternativen Antrieben bislang eher zurückhaltend geäußert hatte, legte am Lac Léman erstmals einen konkreten Plan zur Etablierung der Elektromobilität vor und zeigte dabei keineswegs mangelndes Selbstbewusstsein. „Volkswagen ist der Autobauer, der den Hybrid mit seinen Volumenmodellen aus der Nische holt“, sagte Winterkorn. Bislang gilt der japanische Autobauer Toyota als Vorreiter der Hybridisierung der Automobilindustrie.

Der ehrgeizige Elektromobilitäts-Plan hat nach den Worten des VW-Chefs klare Meilensteine. Noch in diesem Jahr kommt der VW Touareg mit einem Hybridmotor auf den Markt. Das heißt, das Auto hat einen Verbrennungs- und einen Elektromotor, die das Fahrzeug antreiben. In den kommenden Monaten sollen zudem Elektro-Versuchsflotten in Berlin, Florida und Shanghai an den Start gehen. Schon im kommenden Jahr soll die Testflotte mit 500 E-Golf ergänzt werden. 2012 kommt dann der VW Jetta Hybrid. Im Jahr darauf folgen der Passat und der Golf Hybrid.

Nach den Worten Winterkorns werde 2013 schließlich das „Schlüsseljahr“ des reinen Elektroautos. Zunächst werde der Volkswagen e-up! in Serie gehen. Wenige Monate später komme der E-Golf und schließlich Ende 2013 der E-VW-Jetta. „Das Herz der Marke Volkswagen schlägt in Zukunft auf elektrisch“, sagte Winterkorn auf der spektakulären VW-Vorabendveranstaltung bei der die Fernsehmoderatorin Nazan Eckes durch den Abend führte und der amerikanische Sänger Justin Timberlake einen kurzen Gastauftritt als Chauffeur von Rupert Stadler, dem Vorstandsvorsitzenden der VW-Tochtergesellschaft Audi, hatte. Winterkorn kündigte zudem an, dass der VW-Konzern bis zum Jahr 2018 einen Anteil von drei Prozent Elektrofahrzeugen bei den jährlich anvisierten Auslieferungen in Höhe von dann rund zehn Mio. Fahrzeugen einplant. „Dieses beispiellose Elektro-Programm ist ein weiterer wichtiger Baustein unserer Strategie 2018“, so Winterkorn weiter. Der VW-Chef bekräftigte zudem, dass Volkswagen bis zum Jahr 2018 die Nummer eins der Automobilindustrie werden soll.

Das aktuelle Geschäftsjahr werde für den Konzern mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini, Bugatti, VW Nutzfahrzeuge und Scania sowie der Beteiligung an Porsche unterdessen kein einfaches Jahr, so Winterkorn. In Europa und Deutschland rechnet er mit Gegenwind, Rückenwind dagegen vor allem in China und in den USA. Insgesamt werde der Weltmarkt nach seinen Worten in diesem Jahr „wieder leicht wachsen“. Der Volkswagen-Konzern wolle von dieser Entwicklung nach den Worten Winterkorns „überdurchschnittlich profitieren“.

In Genf zeigt der Wolfsburger Autobauer unter anderen den neuen Familienvan VW Sharan sowie den neuen Audi A1, der im Premiumsegment vor allem dem BMW Mini Konkurrenz machen soll. Ob es noch ein Modell unterhalb des A1 geben werde, ließ Audi-Chef Stadler offen. Einen Blick in die elektrifizierte Zukunft gab es auch. Der vor der Übernahme durch VW stehende Stuttgarter Hersteller Porsche zeigte mit dem Porsche 918 Spyder seinen Hybrid-Sportwagen, der 25 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Der Marktstart für den Öko-Porsche ist noch offen. Einen reinen Elektrowagen gab es auch von der spanischen VW-Tochter Seat, dem Sorgenkind, des VW-Konzerns, mit dem IBE zu sehen. Dieses Fahrzeug soll eine Reichweite von 130 Kilometern haben.