Pkw-Markt

Schwerster Einbruch für Dieselautos seit 1945

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Abwrackprämie, Umweltzonen und Abgasnorm: 2009 haben so wenig Deutsche einen Diesel gekauft wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Der Marktanteil der Selbstzünder erreichte ein historisches Tief. Schuld ist der Trend zum Kleinwagen und der als unverändert hoch empfundene Dieselpreis – ein Trugschluss.

Im Jahr der Abwrackprämie haben Deutschlands Autokäufer so wenige Diesel-Fahrzeuge gekauft wie seit 2000 nicht mehr. Nach einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer waren nur 30,6 Prozent aller verkauften Neuwagen in Deutschland im vergangenen Jahr Diesel.

„Damit hat der Diesel 2009 seinen größten Marktanteils-Einbruch in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt“, sagt Dudenhöffer in einer Studie des Car-Instituts der Universität Duisburg-Essen.

Ein Jahr zuvor hatte der Diesel-Anteil noch bei 44,1 Prozent gelegen, 2007 sogar bei 47,7 Prozent. Den Hauptgrund für den Diesel-Einbruch sieht Dudenhöffer im Trend zu Kleinst- und Kleinwagen, den die staatliche Abwrackprämie von 2500 Euro beflügelt habe.

Zum einen war für Käufer kleiner und damit preiswerter Autos durch die Förderung die absolut gesehene Ersparnis am größten, zum anderen ist das Angebot moderner Dieseltechnologie in dieser Fahrzeugklasse sehr begrenzt.

Zwar werde sich der Diesel, schätzt Dudenhöffer, im Jahr 2010 erholen, aber die Zeit der hohen Marktanteile sei endgültig vorbei: „Über 40 Prozent wird es der Diesel in den nächsten Jahren nicht mehr schaffen und mit den kommenden Hybrid-Initiativen, Elektroautos und strengeren Abgasbestimmungen wird er nach 2015 wohl kaum mehr über 30 Prozent Marktanteil kommen.“

Während die Kosten der Hybridsysteme in den kommenden fünf bis zehn Jahren um die Hälfte gesenkt werden könnten, werde der Preis für Dieselantriebe durch die Stickoxid-Abgasanforderungen nach oben getrieben. „Kleine, aufgeladene Benzinmotoren und Hybride bringen den Diesel in die Bredouille. Zusätzlich leiden die Diesel am stärksten unter den Umweltzonen in Deutschland“, konstatiert der Experte. Wer seinen Diesel wegen der Umweltzonen-Bestimmungen verkaufen müsse, werde künftig beim Kauf eines Diesel-Fahrzeugs logischerweise vorsichtig sein.

Dudenhöffer sieht zudem an der Zapfsäule eine weitere Annährung der Preise für Superbenzin und Diesel. Dem widerspricht jedoch die ADAC-Jahreserhebung der Kraftstoffpreise 2009. Demzufolge sank der Dieselpreis im Vergleich zu 2008 um 24,7 Cent, während Superbenzin nur 11,6 Cent günstiger war.

Insgesamt war der Sprit im Jahre 2009 erstaunlich preiswert: Erstmals seit elf Jahren sank der Tarif unter das Vorjahresniveau. Nach der Auswertung des ADAC für Markentankstellen und freien Stationen kostete Superbenzin im Jahr 2009 im Schnitt 1,273 und Diesel 1,077 Euro je Liter. Besonders beim Diesel ist die Entwicklung geradezu deflationär. 2008 lag der Preis immerhin bei 1,324 Euro – ein Rückgang um fast 19 Prozent.

Insgesamt hat sich damit laut ADAC die Preisdifferenz zwischen den beiden Kraftstoffsorten wieder weitgehend normalisiert. Verantwortlich für den kräftigen Preisrückgang seien gesunkene Rohölnotierungen. 2008 hatten die Rekordpreise für Rohöl auch bei den Kraftstoffpreisen für historische Höchststände gesorgt.

Der billigste Tag für Superbenzin war übrigens der 1. Januar 2009 mit 1,063 Euro, der teuerste der 17. Juni 2009 mit 1,383 Euro. Damit hatte sich Benzin binnen eines knappen halben Jahres um 32 Cent verteuert – was bei einer 50-Liter-Tankfüllung einem Preisaufschlag von 16 Euro gegenüber dem Neujahrstag entspricht.

Der Dieselpreis markierte am 16. März mit 96,7 Cent sein Jahrestief und sank damit auf den niedrigsten Stand seit dem 1. März 2005. Am teuersten war er am 30. Oktober mit durchschnittlich 1,153 Euro.

Ob der moderate Preistrend beim Kraftstoff allerdings auch 2010 anhalten wird, ist ungewiss. Sollte sich die Preisdifferenz zwischen Benzin und Diesel stabilisieren, könnte der Niedergang der Selbstzünder aber zumindest länger dauern, als die Experten-Prognose heute sagt.

( dpa/mv )