Es ist eine Deutschlandkarte, die Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg (UVB), mit sichtlicher Freude präsentierte. Rot sind darauf die Bundesländer markiert, in denen die Wirtschaftskrise besonders hart zugeschlagen hat. Blaue Länder traf es nur glimpflich. Berlin ist eindeutig blau. Deutsche Edelstandorte wie Bayern und Baden-Württemberg tiefrot. „Im Krisenjahr 2009 konnten wir den Spieß umdrehen. Das zeugt von einer zunehmenden Robustheit der Region“, sagte Amsinck.
Die Hauptstadt ist gut durch die Krise gekommen, dafür ist der Jahresbericht des UVB ein Beleg unter vielen. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat vor einigen Wochen ähnliche Ergebnisse präsentiert. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – minus fünf Prozent im Bund und minus 2,3 in Berlin – zeugt von relativer Stärke der Hauptstadt. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im Krisenjahr kaum erhöht. Und an dieser Personalpolitik werde sich auch nichts ändern, sagte Amsinck.
Zumal das Schlimmste überstanden ist. Im vergangenen Jahr gingen im verarbeitenden Gewerbe Berlins die Umsätze um 7,2 Prozent zurück. Die Zahl der Beschäftigten sank jedoch nur um 0,5 Prozent, blieb also fast unverändert. Unter den 21 lokalen Branchenverbänden erwarten dem UVB zufolge lediglich vier eine Abnahme der Beschäftigten in diesem Jahr. Insgesamt erwartet Amsinck ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent in diesem Jahr.
Gleichzeitig berichten immer mehr Unternehmen von steigendem Auftragseingang und höherer Investitionslust. Wenn es um Investitionen geht – beispielsweise Kauf und Erweiterung von Maschinen und Anlagen –, sind die Berliner Unternehmen sogar positiver gestimmt als die Branchen im Rest Deutschlands, wie ein Vergleich des UVB ergab.
Allerdings ist die Hauptstadt im bundesdeutschen Vergleich immer noch eines der wirtschaftsschwächsten Bundesländer. Damit ein dauerhafter Aufholprozess gelingt, müsse auch die Politik Anstrengungen unternehmen, so Amsinck. „Berlin muss mehr investieren“, forderte er. Ausgaben für die Zukunft, etwa für Bildung und Infrastruktur, sollten deutlich erhöht werden. Zudem dringt der UVB auf eine Stärkung der Industrie in Berlin. Dieses Themas hat sich der Senat bereits angenommen. Am Dienstag hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Gewerkschaften, Verbänden und Kammern einen sogenannten Zukunftspakt für die Berliner Industrie beschlossen.
Immer schwieriger wird für die Betriebe in der Region die Suche nach Fachkräften. Dafür nimmt der UVB zum einen die Politik in die Pflicht und fordert bessere Lernbedingungen, um vor allem die Zahl derjenigen Jugendlichen zu senken, die ohne Abschluss auf den Arbeitsmarkt kommen. Gleichzeitig geloben die Verbände auch eigene Anstrengungen, etwa bei der innerbetrieblichen Qualifizierung.



