Gefährliche Pannenserie

Riesige Rückrufaktion beschädigt Toyota-Image

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Die Pannenserie beim weltgrößten Autobauer geht weiter. In der Nacht zum Donnerstag gaben die Japaner den neuerlichen Rückruf von über einer Million Pkw in den USA bekannt. Fest steht inzwischen, dass auch Deutschland betroffen sein wird – welche und wie viele Modelle ist aber noch offen.

Die Serie ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Drei Rückrufaktionen gigantischen Ausmaßes in den USA kratzen schwer am Image des einst für seine zuverlässigen Autos bekannten japanischen Konzerns. Klemmende Gaspedale und sich verkeilende Fußmatten gefährden unzählige Autoinsassen. Zumindest potenziell.

In der Nacht zum Donnerstag rief Toyota nun weitere knapp 1,1 Millionen Kunden dazu auf, ihre Wagen in die Werkstatt zu bringen. Fußmatten drohen sich derart mit den Pedalen zu verkeilen, dass der Wagen unkontrolliert beschleunigt. Wegen des gleichen Defekts waren im Herbst vergangenen Jahres 4,2 Millionen Autos zurückgerufen worden.

Auch der US-Rivale General Motors ist in Mitleidenschaft gezogen: Der auf Toyota-Technik basierende Kompaktwagen Pontiac Vibe muss ebenfalls zur Reparatur.

Damit laufen zwei große Rückrufaktionen parallel: In der vergangenen Woche hatte Toyota einräumen müssen, dass in 2,3 Millionen Autos Gaspedale in der durchgetretenen Stellung hängen bleiben können. US-Medien berichteten bereits über Unfälle, in mindestens einem Fall auch mit tödlichem Ausgang. Laut „US Today“ haben sich mittlerweile rund 100 Fahrer an die zuständige US-Behörde für Verkehrssicherheit gewandt und über klemmende oder verkeilte Gaspedale berichtet.

Obgleich das Unternehmen nur von vereinzelt aufgetretenen Fällen sprach, wurde zudem der Verkauf aller betroffenen Modelle ( RAV4 und Highlander, Corolla und Matrix, Avalon, Camry, Tundra und Sequoia der Baujahre 2005-2010) gestoppt und zusätzlich die Produktion angehalten, um den Fehler beseitigen zu können.

Nach dem Verkaufs- und Produktionsstopp räumt Toyota nun ein, dass es auch für Deutschland und ganz Europa eine Rückrufaktion geben wird. Betroffen sein könnten auch hier die Modelle RAV4, Corolla und Auris, das Nachfolgemodell des Corolla. Einzelheiten würden, sagte Toyota-Deutschland-Sprecherin Susanne Weigelt gegenüber Morgenpost Online, derzeit im der Brüsseler Europa-Zentrale geklärt und voraussichtlich im Laufe des kommenden Freitag bekannt gegeben. In jedem Fall handele es sich um die Problematik des hängenden Gaspedals. Japanische Medien zufolge sollen in ganz Europa zwei Millionen Fahrzeuge betroffen sein.

„Die Kollegen in Japan zählen noch“, sagte ein weiterer Sprecher von Toyota in Deutschland. In jedem Fall werden „die Besitzer angeschrieben und können ihre Fahrzeuge kostenlos reparieren lassen.“ Die Produktion in den europäischen Werken werde allerdings nicht gestoppt, da dort mittlerweile andere Teile verwendet würden. Beunruhigte Kunden könnten sich bei Fragen an Toyota wenden, bereits bevor der Rückruf offiziell erfolge, teilte das Unternehmen mit.

Auch in China müssen nach Behördenangaben 75.000 Toyota-Geländewagen in die Werkstatt.

Der japanische Autobauer verkaufte im vergangenen Jahr bundesweit knapp 138.500 Autos. Das war ein Zuwachs von 43,1 Prozent, der vor allem durch die Abwrackprämie zustande kam. Der Marktanteil stieg in Deutschland 2009 leicht auf 3,6 Prozent. Weltweit sanken die Verkäufe allerdings um 13 Prozent auf 7,81 Millionen Fahrzeuge.

Die beispiellose Rückrufkette von nun schon mehr als 7,5 Millionen Fahrzeugen wird nun für Toyota zu mehr als einem Imageschaden. US-Analysten schätzen allein den durch den Verkaufsstopp fast der halben Modellpalette entstehenden Schaden auf bis zu 400 Millionen Euro im Monat.

„Es ist sehr wichtig für unser Unternehmen, die Sicherheit unserer Kunden zu gewährleisten und das Vertrauen in Toyota wieder herzustellen“, sagte Toyota-Manager Bob Carter am Firmensitz im kalifornischen Torrance.

Der Zulieferer CTS, von dem die klemmenden Gaspedale stammen, wies am Mittwoch jede Schuld von sich. Alle Produkte seien nach den Vorgaben von Toyota gefertigt worden, teilte das Unternehmen aus Elkhart im Bundesstaat Indiana mit.

Nach eigenen Erkenntnissen, basierend auf Daten von Toyota, hatte es bislang weniger als ein Dutzend Fälle gegeben, in denen die Gaspedale klemmten, sagte ein CTS-Sprecher. „Und in keinem Fall hat das Gaspedal in einer teilweise gedrückten Stellung fest gehangen.“ Zwischenzeitlich habe man die Gaspedale neu gestaltet, getestet und wolle mit der Auslieferung an Toyota beginnen.

Die Konkurrenz macht sich die Pannenserie derweil zunutze. General Motors prescht vor und will verunsicherte Fahrer mit Rabatten zum Umsteigen bewegen. GM bietet eine Null-Prozent-Finanzierung an und gewährt Barzahlern einen Rabatt von 1000 Dollar. GM hilft auch, wenn Toyota-Kunden vorzeitig aus ihren Leasing-Verträgen aussteigen wollen. Das Angebot gilt für die meisten Modelle der Marken Chevrolet, Buick, Cadillac und GMC. Natürlich nur in den USA. Vorläufig.

Unterdessen hat auch der US-Hersteller Ford Teile seiner Produktion wegen Problemen mit Gaspedalen gestoppt. Die Aktion beträfe allerdings ausschließlich die Nutzfahrzeug-Fertigung in China, sagte ein Ford-Sprecher. Bei Transportern, die ausschließlich für den chinesischen Markt gefertigt würden, seien dieselben Gaspedale verwendet worden, die auch bei Toyota für Probleme gesorgt hätten. Die Produktion werden jetzt untersucht.