Die Börsentalfahrt geht weiter. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren und schloss mit einem Minus von 1,95 Prozent bei 3936 Punkten. Nach anfänglichen Gewinnen ging das wichtigste deutsche Aktienbarometer im Handelsverlauf massiv nach unten und durchbrach um 16.12 Uhr die psychologisch wichtige 4000er-Marke. Das letzte Mal hatte der Dax im Herbst 2004 unter dieser Marke gelegen.
Nach einem freundlichen Handelsstart haben damit die Pessimisten zum Beginn der neuen Börsenwoche wieder die Oberhand am deutschen Aktienmarkt gewonnen. Zunächst hatten Finanzwerte, die in der vergangenen Woche maßgeblich am neunprozentigen Einbruch des Dax beteiligt waren, den Index wieder bis auf 4111 Zähler gehievt. Für Erleichterung hatte die Nachricht gesorgt, dass eine Komplettverstaatlichung der Citigroup vermieden werden soll.
Schwächere US-Börsen beendeten jedoch die positive Stimmung und drückten den Dax wieder unter 4000 Punkte. Um 1,9 Prozent abwärts ging es auch für den MDax, während der TecDax mit einem Abschlag von 3,3 Prozent die größten Verluste verbuchte.
Nach der neuerlichen Schwäche am Aktienmarkt setzte sich der Bund-Future von seinem Tagestief bei 124,80 Punkten wieder ab und notierte am frühen Abend noch acht Ticks tiefer bei 125,42 Zählern. Äußerungen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet zur angeschlagenen Finanzbranche und der Ratingagentur Fitch zu den Gefahren der Konjunkturschwäche in Osteuropa belasteten den Euro. Die Gemeinschaftswährung, die sich zwischenzeitlich bis auf 1,2991 Dollar verteuert hatte, notierte zuletzt nur noch bei 1,2716 Dollar.
Finanzwerte, die im frühen Handel den Dax noch angeführt hatten, drehten geschlossen ins Minus. So büßten die Papiere der Allianz nach einem Anstieg um 4,6 Prozent zuletzt 2,1 Prozent ein. Commerzbank notierten drei Prozent schwächer. Auch die Anteilscheine der Deutschen Bank kamen von ihrem Tageshoch bei 19,20 Euro wieder zurück und wiesen ein Minus von 5,1 Prozent auf 17,41 Euro aus.
Auch E.on-Anteile gaben anfängliche Gewinne wieder ab und notierten 0,7 Prozent schwächer. Zunächst hatte die Übernahme des niederländischen Energieversorgers Nuon durch Vattenfall den Kurs beflügelt. RWE büßten zuletzt 1,2 Prozent ein.
Die größten Verluste verzeichnete jedoch die Infineon-Aktie, die um 11,7 Prozent auf 0,53 Euro einbrach. Belastet wurde das Papier von der Nachricht, dass in den USA zwei Unternehmen der insolventen Speicherchiptochter Qimonda Konkurs angemeldet haben.
Auf den Verkaufslisten fanden sich zudem die Autowerte. Volkswagen büßten 3,8 Prozent auf 216,35 Euro ein, BMW gaben um 5,4 Prozent auf 20,15 Euro nach, Daimler ermäßigten sich um 5,7 Prozent. Zum einen leide die Branche besonders unter der Wirtschaftskrise, sagte ein Händler und verwies auf die erste Kurzarbeit bei VW seit 26 Jahren. Zum anderen müssen die Autokonzerne für Kredite auch noch tiefer in die Tasche greifen als andere. BMW hatte am 20. Februar eine Anleihe über 1,25 Milliarden Euro begeben und dabei einen deutlichen Renditeaufschlag zahlen müssen.
Bei den Nebenwerten rückten die Aktien von Celesio um 3,5 Prozent auf 16,27 Euro und damit an die MDax-Spitze vor. Die Analysten von Morgan Stanley hatten das Papier von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ hochgestuft, das Kursziel allerdings von 22,30 Euro auf 21 Euro zurückgenommen. Nach zwei Jahren fallender Kurse bestehe 2009 die Chance auf eine Trendwende, so die Experten in einer Studie.
Der Pharmagroßhändler werde im laufenden Jahr voraussichtlich schwarze Zahlen schreiben. Zudem stehe im Frühjahr die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum deutschen und italienischen Apothekenmarkt an. Ein überraschendes Votum für eine Liberalisierung könnte den Aktienkurs um bis zu 40 Prozent in die Höhe treiben, während eine negative Entscheidung bereits eingepreist sei.
Im TecDax gerieten die Aktien von Solon nach einer negativen Analysteneinschätzung unter Druck und verloren 7,8 Prozent. Die Deutsche Bank hatte das Kursziel auf 8,50 Euro halbiert und ihre Verkaufsempfehlung bestätigt.
Reuters/wej./PHJ




