Wertverlust

Diese Aktien fliegen demnächst aus dem Dax

Auf dem Parkett liegt Abschied in der Luft. Zwei der 30 Dax-Aktien haben im Crash so stark an Wert verloren, dass sie demnächst aus dem deutschen Börsenbarometer fallen: Des einen Leid ist des anderen Freud. Die Nachfolger für das Prestigesegment stehen schon in den Startlöchern.

Zwar tagt der Arbeitskreis Börse, der über die Zusammensetzung des Leitindex entscheidet, erst am 4. März. Doch schon jetzt steht fest: nach den Index-Regeln ist ein weiterer Verbleib der Schrumpfkonzerne Postbank und Infineon im Börsenoberhaus ausgeschlossen.


Hoffnung auf die frei werdenden Plätze können sich vier Konzerne machen: einmal der Pharmakonzern Fresenius, Muttergesellschaft des schon im Index vertretenen Dialysespezialisten Fresenius Medical Care, dazu Maschinenbauer Gea Group und Rückversicherer Hannover Rück sowie eventuell die Photovoltaik-Firma Solarworld. "Die besten Chancen haben Fresenius und Gea", sagt Klaus Stabel von ICF Kursmakler AG.


Infineon und Postbank gehören gemessen an der Marktkapitalisierung nicht mehr zu den ersten 45 und müssten damit unweigerlich ersetzt werden. Am deutlichsten wird dies bei Infineon. Alle Anteilscheine des Chipherstellers sind derzeit nur mehr 446 Millionen Euro wert. Mit dem Ausscheiden setzt sich der langsame Tod des "Dax des Jahres 2000" fort. Dieser war geprägt von einem Übergewicht von Banken, Autobauern und Technologiekonzernen. Das hatte dazu geführt, dass das deutsche Blue-Chip-Barometer im Abschwung zu Beginn des Jahrzehnts besonders tief absackte.

Die Neuverkettung (so der Fachausdruck für den Dax-Umbau) hat Konsequenzen für alle Anleger, die einen Index-Fonds oder ein entsprechendes Zertifikat haben. Künftig dürfte der Dax nicht mehr ganz so heftig auf Abschwünge reagieren wie in der Vergangenheit.

Bereits in der jetzigen Baisse hat sich der deutsche Index besser geschlagen als beispielsweise sein amerikanisches Pendant Dow Jones. Im Bärenmarkt von 2000 bis 2003 war das noch ganz anders. "Dem Dax hilft ein wenig, dass Unternehmen wie die Deutsche Telekom, RWE oder E.on ein relativ hohes Gewicht haben", sagt Manfred Piontke, Mitgründer der Fondsgesellschaft Frankfurt Performance Management (FPM).

Auffällig ist vor allem, dass die Wall Street aktuell auf dem Niveau der Tiefstände der Jahre 2002/2003 notiert, während der Dax fast doppelt so hoch steht wie am 12. März 2003, als der Index mit 2202 Punkten aus dem Handel ging.

Der Anteil der besonders krisenanfälligen Finanzwerte hat sich mittlerweile deutlich vermindert. Noch Mitte 2002 trugen Deutsche Bank & Co. rund 28 Prozent zur Indexentwicklung bei, heute sind es gerade einmal noch 18 Prozent. Insofern ist der anstehende Abstieg von Infineon und von der Postbank auch das Schlusskapitel der Millenniums-Blase.