Kursverfall

An der Börse schlägt die Stunde der Pessimisten

Rund um den Globus sind die Kurse im Sturzflug. Der Deutsche Aktienindex notiert gefährlich nah an der psychologisch wichtigen 4000-Punkte-Marke. Einige Werte haben sich als wahre Kapitalvernichter erwiesen. Experten empfehlen jetzt eine Absicherung gegen Verluste.

Die Krise nährt die Krise. Das mussten die Börsianer jetzt einmal mehr leidvoll erfahren. Nachdem die ganze Woche über maue Konjunkturdaten, schlechte Unternehmensergebnisse und zuletzt die zunehmende Angst vor Staatsbankrotten die Stimmung am Markt vergifteten, brachen am Freitag alle Dämme. „Es sieht nicht gut aus, wichtige Marken sind gefallen“, sagt Joachim Paul Schäfer, Asset-Manager bei der Münchener Vermögensverwaltung PSM.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte um weitere 4,7 Prozent ab und notierte letztlich bei 4014 Zählern. Damit summierten sich die Verluste der letzten fünf Handelstage auf knapp neun Prozent. Seit Jahresbeginn ist das Börsenbarometer, das Auskunft über den Zustand der hiesigen Volkswirtschaft geben soll, um 16 Prozent abgesackt, seit Anfang 2008 um 50 Prozent. Das größte Minus verzeichneten Finanztitel, die teilweise 90 Prozent an Wert verloren.


Im Gegenzug dazu stieg der Goldpreis steil an. Gestern mussten zum ersten Mal seit März vergangenen Jahres knapp 1000 Dollar für die Feinunze gezahlt werden. Mit umgerechnet 794 Euro ist die Krisenwährung für hiesige Anleger so teuer wie noch nie. Dennoch halten es nicht wenige Experten für möglich, dass die Edelmetall-Rallye weitergeht, solange die Verunsicherung an den Kapitalmärkten anhält.


Die Nähe zur 4000-Punkte-Marke bringt den Dax in eine prekäre Lage. Für viele Analysten darf diese wichtige Unterstützung nicht nach unten durchbrochen werden. Sonst sehen sie erst bei 3600 Stellen wieder einen Halt. Aktien-Pessimisten sehen sich bestätigt. Roland Leuschel (siehe Interview) erwartet, dass der Dax um weitere 2000 Punkte einbricht. PSM-Mann Schäfer meint lapidar: „Bei 3000 Zählern sehen wir weiter.“

Die wenigen verbliebenen Optimisten halten dem entgegen, dass die Aktienkurse inzwischen den „halben Weltuntergang“ eingepreist haben. Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp macht darauf aufmerksam, dass allein die Dax-Konzerne dieses Jahr 23 Milliarden Euro Dividenden ausschütten werden. „Das entspricht einer Durchschnittsrendite von sportlichen 4,5 Prozent“, sagt der unverwüstliche Aktien-Optimist. Die fünfjährige Bundesanleihe (WKN: 113525) und die meisten Tagesgeldkonten werfen nur die Hälfte ab.

Analysten der DZ Bank halten ein Dax-Ziel von 6000 Punkten auf Zwölfmonatssicht für realistisch. „Die meisten hiesigen Aktien notieren gerade einmal auf dem Niveau ihres Buchwerts“, schreiben die Experten in einer aktuellen Marktstudie. Die Titel seien gerade so viel wert wie die Grundstücke, Immobilien und Maschinen, die dem Unternehmen gehörten. Die künftigen Gewinne bekämen Anleger mithin umsonst.

Das Problem ist nur, dass die „Ertragsphantasie“ immer mehr schwindet. Fundamental tauchen immer neue Risiken auf, die die Geschäftsgrundlage der Unternehmen unterminieren könnte. Dazu zählt jener Giftcocktail aus Deflation, Populismus und Protektionismus, der die Weltwirtschaftskrise in den Dreißigerjahren so sehr verschlimmerte und sich nun wieder zusammenbraut. Deutschen Börsianern bereitet zudem die drohende Osteuropa-Krise Kopfzerbrechen.


„Eine Zuspitzung in der Region würde die Risiken für eine Konjunkturerholung erheblich erhöhen“, formuliert Christian Stocker, Stratege bei UniCredit in München. Sprich: Da viele deutsche Firmen im Osten des Kontinents stark engagiert sind, könnte ein Kollaps der dortigen Ökonomien die Ertragsperspektiven auf Jahre zunichte machen. Stocker hält vor allem Maschinenbauer für exponiert.

Aktionäre, die an eine Wende zum Besseren glauben, aber zwischenzeitliche Verluste neutralisieren wollen, ergänzen ihr Depot durch Short-Produkte wie den Comstage ETF EuroStoxx 50 Short (WKN: ETF052). Dieser Indexfonds legt zu, wenn die europäischen Aktienmärkte abgeben.