Der Handel mit Aktien von Waterford Wedgwood an der Börse in Dublin wurde ausgesetzt. Der größte deutsche Porzellanhersteller ist hingegen von der Insolvenz nicht betroffen. Rosenthal sei von der Insolvenz ausgenommen, teilte das Unternehmen mit. "Der Vorstand von Rosenthal wird umgehend mit dem Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Kontakt aufnehmen mit dem Ziel die Weiterführung von Rosenthal sicherzustellen", hieß es in einer Erklärung.
Der traditionsreiche Porzellanhersteller gehört seit 1997 zu Waterford Wedgwood. Seit Sommer bemüht sich der irische Konzern allerdings, seine Beteiligung zu verkaufen. Im Dezember sei der Einstieg eines Investors auch schon fast perfekt gewesen, hieß es in Branchenkreisen. Doch eine Einigung zwischen Waterford Wedgeford und dem Interessenten kam bis heute nicht zu Stande. Ein möglicher Grund dürfte der Kaufpreis sein; angeblich verlangen die Iren zwischen 150 und 200 Mio. Euro. In der Branche gilt die Preisvorstellung als sehr ambitioniert, da Rosenthal seit mehreren Jahren mit großen Problemen kämpft und immer wieder Verluste schrieb.
Beim oberfränkischen Porzellanhersteller hat man die Hoffnung indes noch nicht aufgegeben. "Die Gespräche mit einem potenten Investor über den Verkauf von Rosenthal befinden sich in einem fortgeschrittenen Zustand und werden weiter geführt", erklärte das Unternehmen. Ein neuer Besitzer soll Rosenthal frisches Geld geben. Das Eigenkapital des Porzellanherstellers war in den vergangenen Jahren bedenklich abgeschmolzen und lag zuletzt bei nur noch 13,5 Mio. Euro. Gleichzeitig hat sich die Geschäftsentwicklung weiter eingetrübt. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 (1. April bis 30. September 2008) fiel der Umsatz um 5,9 Prozent auf 71 Mio. Euro. Der operative Verlust erhöhte sich auf 7,2 Mio. Euro, nach 1,9 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.
Rosenthal leidet vor allem unter einem Nachfrageeinbruch im Ausland. Das Traditionsunternehmen versucht, mit einem Sparprogramm gegenzusteuern. Im vergangenen Geschäftsjahr baute Rosenthal Hunderte Stellen ab, die Zahl der Mitarbeiter sank allein in Deutschland um 200 auf 1390 Beschäftigte. Weltweit arbeiten bei Rosenthal noch 1750 Mitarbeiter. Gleichzeitig versucht der Konzern, sein Image als Luxusanbieter aufzupolieren. Als Werbeträger wurden etwa der Modeschöpfer Karl Lagerfeld und der Fernsehkoch Tim Mälzer verpflichtet.
Der Mutterkonzern Waterford Wedgwood muss nun ebenfalls auf die Rettung durch einen Investor hoffen. Nach fünf verlustreichen Jahren in Folge hatte Waterford Wedgwood zuletzt versucht, neue Geldgeber zu gewinnen und das Geschäft umzustrukturieren. Der Konzern hatte vor allem auf seinem Hauptmarkt USA massive Umsatzeinbrüche verzeichnet.
"Als sich die Marktbedingungen verschlechterten, wurde klar, dass die Restrukturierung nicht schnell genug erreicht werden kann", hieß es in einer Mitteilung. Da kein Investor gefunden werden konnte, sei die Ernennung eines Insolvenzverwalters nötig geworden. Den Job übernimmt David Carson von der Unternehmensberatung Deloitte. Der Handel soll weitergehen. Waterford Wedgwood beschäftigt weltweit rund 8000 Menschen.
jhi




