Wall Street

Dow Jones steht so niedrig wie Oktober 2002

Wegen Bankensorgen schließen die US-Börsen erneut schwächer. Äußerungen eines Senators geben den Gerüchten einer baldigen Verstaatlichung großer Bankkonzerne neue Nahrung. Citigroup-Aktien verlieren am stärksten. Der Dow ist so mittlerweile auf den Stand vom Oktober 2002 abgeschmiert.

Der New Yorker Aktienmarkt hat schwächer geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,34 Prozent auf 7365 Punkte. Das ist der niedrigste Schlussstand seit Oktober 2002. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,14 Prozent auf 770 Stellen nach, der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,11 Prozent auf 1441 Zähler.

Zu den deutlichsten Verlierern im Dow zählten Aktien der Citigroup, die um rund 22 Prozent verlor. Auch Papiere des von der Pleite bedrohten US-Autokonzerns General Motors gaben erneut zwölf Prozent nach.

Nach dem zeitweise dramatischen Absturz mehrerer Bankaktien hatte US-Präsident Barack Obama versucht, die Angst vor Verstaatlichungen zu zerstreuen. „Lassen Sie mich so gut wie ich nur kann versichern: Diese Regierung ist weiterhin fest davon überzeugt, dass ein privates Bankensystem der richtige Weg ist“, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs in Washington. „Das ist unsere Überzeugung seit einiger Zeit und wir bleiben dabei.“

Zuvor hatten die Ängste vor einem massiven Eingreifen des Staates die Aktienkurse der großen US-Banken ungebremst abrutschen lassen. Zeitweise verloren die Anteile von Branchenprimus Bank of America und der Citigroup mehr als 30 Prozent. Nach der Erklärung von Gibbs erholten sie sich wieder etwas.

Es gebe Befürchtungen am Markt, dass der Rettungsplan der Regierung die Verstaatlichung einer Bank vorsehen könnte, sagten Händler. Anleger flüchteten in die vergleichsweise sicheren US-Staatsanleihen und das Edelmetall Gold, das kurzzeitig mehr als 1000 Dollar je Feinunze kostete.

Bereits am Vortag war der Dow auf den tiefsten Stand seit rund sechs Jahren gefallen. Anhaltendes Misstrauen gegenüber der krisengeschüttelten Finanzbranche drückte auch den deutschen Aktienmarkt tief in die roten Zahlen. Der Dax schloss 4,8 Prozent tiefer bei 4014 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2008.

Äußerungen eines hochrangigen Senators trieben die Titel von Banken abwärts. Die Verstaatlichung einiger Banken könne nötig sein, „zumindest für eine kurze Zeit“, sagte der Vorsitzende des Bankenausschusses des Senats, Christopher Dodd, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Händler werteten den Absturz als Anzeichen dafür, dass die Märkte mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit einer Verstaatlichung der Institute rechnen. Das US-Finanzministerium will in den kommenden Wochen bis zu 25 Großbanken einem „Stresstest“ unterziehen, um zu prüfen, welches der Institute weiteres Kapital braucht.

Investoren flüchteten auch aus anderen Schlüsselsektoren wie etwa der Energiebranche. Die Aktien von Chevron gaben angesichts fallender Ölpreise mehr als vier Prozent nach. Die Titel des Mischkonzerns General Electric sackten um über zehn Prozent ab.