Mehr als die Hälfte der 630 Beschäftigten des Internetauktionshauses Ebay am Standort Dreilinden im Süden Berlins wird entlassen. Ende Februar sollten 360 Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten, sagte der Betriebsratsvorsitzende Sascha Korschofski. In der Nacht zu Donnerstag sei ein Sozialplan vereinbart worden, in dem Abfindungen und die Möglichkeit zum Übergang in eine Transfergesellschaft geregelt werden. Er wird Ebay mehr als zehn Millionen Euro kosten. Die Arbeit der Beschäftigten wird künftig aus der irischen Hauptstadt Dublin sowie in konzernfremden Callcentern, zum Teil in Berlin, erledigt.

Ebay hatte den Stellenabbau bereits im Herbst 2009 angekündigt. Begründet wurde er mit dem Ringen um Wettbewerbsfähigkeit. Tatsächlich hat der Internet-Pionier in den vergangenen Jahren Probleme bekommen. Andere Online-Händler wie Amazon setzen Ebay zu. Doch für Ende 2009 legte der US-Konzern nach starkem Weihnachtsgeschäft einen Milliardengewinn vor. Der Teilrückzug aus Berlin ist somit vor allem eine Neuausrichtung des Europageschäfts, wo nun den Standorten Dublin, London und Zürich eine höhere Bedeutung zukommt.

„Die Leute waren ziemlich geschockt. Bei Ebay hat man sich in höherem Maße als anderswo mit der Firma identifiziert“, sagt Ver.di-Mann Karl-Heinz Austermühle, der den Betriebsrat bei den Verhandlungen beriet. Und die Mitarbeiter im Ebay-Callcenter haben wesentlich besser verdient als gemeinhin üblich in der Branche. Austermühle spricht von Stundenlöhnen von mindestens 13,50 Euro. Diese vergleichsweise hohen Gehaltskosten dürften ein Grund für die Umstrukturierung sein. Denn ein Teil der Arbeit wird nun für deutlich weniger Geld in externen Callcentern verrichtet.

Laut Ebay-Sprecher Nerse Chopurian stellt sich die Neuordnung wie folgt dar: 230 Leute bleiben, sie erledigen vor allem Beratung für Ebay-Profihändler. Also jene Kunden, die über das Auktionshaus professionellen Handel betreiben und wegen ihrer zahlreichen Transaktionen dem Unternehmen viel Umsatz bringen. Die Standard-Beratung, einfache Fragen zum Kaufen und Verkaufen etwa, wird von externen Dienstleistern übernommen. Die Jobs derjenigen Mitarbeiter, die in Fremdsprachen Ebay-Kunden aus anderen Ländern berieten, gehen nach Dublin. „Dort entstehen zwischen 100 und 150 neue Stellen. Auch Mitarbeitern aus Dreilinden bieten wir dort etwas an“, sagte Chopurian.

Neben den 230 verbleibenden Mitarbeitern arbeiten in Dreilinden noch weitere rund 300 Leute für Ebay-Tochterunternehmen wie den Online-Bezahldienst Paypal und das Autoportal Mobile.de.

Den scheidenden Angestellten werden pro Arbeitsjahr rund zwei Monatsgehälter angeboten. Zudem beteiligt sich das Unternehmen an einer Transfergesellschaft. In der werden die Mitarbeiter qualifiziert und erhalten für ein Jahr 80 Prozent ihres letzten Nettoverdienstes. Diese Gesellschaft wird zudem aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Ebay siedelte seine Deutschlandzentrale 1999 in Dreilinden an. Dafür gab es vom Land Brandenburg zehn Millionen Euro Förderung. Die Auflagen des Landes sahen laut Ver.di-Mann Austermühle bis 2008 Arbeitsplatzsicherheit vor.