Internet-Konzerne

Ebay streicht Hunderte Jobs in Dreilinden

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Thomas Heuzeroth

Foto: MICHAEL SOHN / AP

Das Internet-Auktionshaus Ebay will 400 seiner 1000 Stellen von Dreilinden bei Berlin in die irische Hauptstadt Dublin verlagern. Sobald die Verhandlungen mit dem Betriebsrat abgeschlossen sind, sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden.

Das Internet-Auktionshaus Ebay streicht in Deutschland fast jede zweite Stelle. Wie das Unternehmen meldete, sollen 400 von 1000 Arbeitsplätzen abgebaut werden. Betroffen ist der einzige deutsche Standort im brandenburgischen Dreilinden bei Berlin. Einen Teil der Kundenbetreuung will Ebay in die irische Hauptstadt Dublin verlagern, wo bereits mehr als 1000 Mitarbeiter für die europäischen Märkte beschäftigt sind. Dort sollen 100 neue Arbeitsplätze entstehen.

Ebay reagiert damit auf das stark nachlassende Geschäft mit Online-Versteigerungen. „Der Jobabbau ist notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte ein Ebay-Sprecher Morgenpost Online. Tatsächlich ist das Auktionsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr zuletzt weltweit um 14 Prozent zurückgegangen. Der US-Anbieter leidet unter der Wirtschaftskrise und unter der immer stärkeren Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon.

Nach Angaben des Unternehmens werden in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen, sobald die Verhandlungen mit dem Betriebsrat abgeschlossen und Sozialpläne aufgestellt sind. Ein Abbau über die 400 Stellen hinaus sei nicht vorgesehen. Weil Deutschland nach den USA der wichtigste Markt für Ebay ist, werde auch künftig die deutsche Kundenberatung hierzulande angesiedelt sein.

Jobs ins Ausland verlagert

Bereits vor einem Jahr strich Ebay 100 Stellen in Dreilinden und verlegte die Arbeitsplätze nach London und Zürich.

Ebay-Nutzer und -Verkäufer sollen nach Unternehmensangaben von dem Stellenabbau nichts bemerken. „Unser Service wird nicht schlechter werden“, sagte ein Sprecher. Der Stellenabbau betreffe vor allem Mitarbeiter, die nicht im direkten Kundenkontakt stünden. Dazu gehörten etwa die Kontrolle der Marktplätze nach Auktionen mit nicht erlaubten Gütern oder die Aufklärung von Betrugsfällen, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen zentralisiert derzeit weltweit seine Aktivitäten und will auch das kanadische Büro in Vancouver schließen.

Für die deutschen Mitarbeiter kommt die Entscheidung überraschend. Noch im Februar, zur Zehn-Jahres-Feier, hatte der damalige Ebay-Chef Frerk-Malte Feller auf die Frage nach den deutschen Arbeitsplätzen geantwortet: „Ich sehe keinen Grund, dass es Ende des Jahres weniger sein werden.“ Auch der neue Chef Stephan Zoll zeigte sich noch vor wenigen Tagen in einem Interview mit der „Computer Reseller News“ optimistisch: „Wir hatten einige Zeit geringere Wachstumsraten, aber der Trend hat sich gedreht. In den vergangenen Monaten konnten wir hier positive Tendenzen beobachten und sind insgesamt sehr zuversichtlich, dass sich diese fortsetzen werden.“

Tatsächlich wächst Ebay nicht mehr bei den Online-Versteigerungen. Aufwärts ging es vor allem beim Bezahldienst Paypal und beim Internet-Telefondienst Skype. Inzwischen hat Ebay aber einen Großteil von Skype verkauft. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, Skype in seine Online-Angebote einzubinden und Werbeerlöse zu erzielen. Ebay feierte im Februar in Deutschland seinen zehnjährigen Geburtstag und beschäftigte in der Spitze 1200 Mitarbeiter.

Brandenburgs Wirtschaftsminister will helfen

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) bot den von der Kündigung bedrohten Ebay-Beschäftigten Hilfe an. Wie sein Sprecher Alexander Gallrein sagte, gebe es im Ministerium bereits eine Arbeitsgruppe für Unternehmen in Krisensituationen. „Wir wollen auch in diesem Fall beratend und unterstützend tätig sein“, sagte Gallrein. Das Ministerium bedaure die Entscheidung von Ebay, Arbeitsplätze in Dreilinden abzubauen. „Wir haben jedoch Verständnis für diese unternehmerische Entscheidung“, sagte Gallrein. Wichtig sei die klare Aussage des Unternehmens, den Standort mit dann 600 Arbeitskräften erhalten zu wollen.

mit dpa/apä