Internetauktionshaus

Ebay streicht definitiv 400 Jobs in Dreilinden

Hiobs-Botschaft vor Weihnachten: 400 Arbeitsplätze bei Ebay am Standort Dreilinden werden gestrichen. Der Versuch von Betriebsrat und Gewerkschaft, einige der Jobs zu retten ist gescheitert. Sie wollten so viele Stellen wir möglich am Standort erhalten - doch für das Untenehmen zählt vor allem Effizienz.

Es bleibt dabei: Das Internetauktionshaus Ebay streicht 400 Jobs am Standort Dreilinden bei Berlin. Von den 630 Beschäftigen im Kundendienst werden nur 230 ihren Arbeitsplatz auch im kommenden Jahr behalten. Das bestätigte Ebay-Sprecher Nerses Chopurian Morgenpost Online. Etwas mehr als 1000 Menschen arbeiten derzeit bei Ebay in Dreilinden.

Bereits Anfang Oktober hatte Ebay bekannt gegeben, dass ein Teil der Kundenbetreuung in die irische Hauptstadt Dublin verlagert werden soll, wo bereits mehr als 1000 Mitarbeiter für die europäischen Märkte beschäftigt sind.

Nach Bekanntgabe der Entscheidung hatte sich die Unternehmensführung mit dem Betriebsrat zusammengesetzt, doch „das hat nicht so gut geklappt“, sagte Chopurian. Es konnte keine Einigung über Umfang und Art des Stellenabbaus erzielt werden. Also wurde ein Schlichter bestellt, doch auch dieser konnte nichts ausrichten.

„Das letzte Angebot der Arbeitgeberseite in der Einigungsstelle war für den Betriebsrat unzureichend“, teile die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di mit. „Dieses beinhaltete lediglich eine geringe Anzahl von zusätzlichen Arbeitsplätzen, die überwiegend auch noch befristet sein sollten.“

Auf der einen Seite habe die Maximalforderung gestanden, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, sagte Chopurian. Auf Unternehmensseite stand der unumstoßbare Plan die Kundenbetreuung europaweit so effizient wie möglich zu gestalten.

„Was für den deutschen Markt nötig ist, soll in Deutschland bleiben“, sagte der Sprecher. „Was wir in Europa zentralisieren können, wollen wir zentralisieren.“

Nachdem der Schlichter das Vermittlungsverfahren für gescheitert und damit erklärt hatte, der Unternehmensbeschluss – die Verlagerung nach Dublin – könne umgesetzt werden, war klar: das Serviceteam in Dublin wird um etwa 100 Arbeitsplätze aufgestockt, in Dreilinden streicht Ebay 400 Jobs.

Von Ver.di hieß es, der Betriebsrat habe mit Unterstützung von Sachverständigen versucht nachzuweisen, dass das Knowhow, das sich in den letzten zehn Jahren in Dreilinden entwickelt hat, mit dem Outsourcing und der Verlagerung von Stellen ins Ausland unwiederbringlich verloren gehe. Dies wird nach den Befürchtungen des Betriebsrates zu einem Absinken des Serviceniveaus und einem großem Vertrauensverlust bei den Kunden führen. Ver.di zufolge sagte die Unternehmensführung hierzu: „Wir kennen das Risiko und managen es“.

Einige Mitarbeiter könnten mitziehen

Ver.di fürchtet zudem, dass die unterschiedliche Produktivität und Qualität von Arbeiten, die im Haus und Arbeiten die von externen Dienstleistern. Die Unternehmensführung hatte aber bereits im Oktober mitgeteilt, Nutzer und -Verkäufer sollten von dem Stellenabbau nichts bemerken. Der Stellenabbau betreffe vor allem Mitarbeiter, die nicht im direkten Kundenkontakt stünden. Der Kundendienst in Dreilinden umfasst Callcenter, Service per E-Mail und Verkäuferberatung.

Darüber hinaus moniert die Gewerkschaft, während der Verhandlungen sei vom Arbeitgeber immer wieder erklärt worden, die Entscheidungen würden letztlich in Amerika gefällt. Die Verhandlungsschritte hätten ständig mit der Konzernzentrale in Amerika abgestimmt werden müssen.

Ebay bietet Mitarbeitern in Dreilinden nun offiziell an, mit nach Dublin zu gehen. In der Vergangenheit seien bei Arbeitsplatzverlagerungen bereits Beschäftigte aus Deutschland mit nach Zürich und Richmond gegangen, sagte Chopurian. Außerdem werde es für einige Servicemitarbeiter neue Arbeitsplätze bei Tochterunternehmen in Dreilinden geben. Man könne sich da aber nichts vormachen, sagte Chopurian: „Die Masse wird da nicht auffangen.“

Für die meisten heißt es also im kommenden Jahr: Bewerbungen schreiben. Zeitgleich werden die Sozialplanverhandlungen beginnen. „In diesem Jahr werden keine Kündigungen ausgesprochen“, versicherte Chopurian. Bis Mitte 2010 soll die Verlagerung nach Dublin aber abgeschlossen sein.

Der Betriebsrat hofft jedoch weiterhin darauf, noch weitere Arbeitsplätze in Dreilinden erhalten zu können. Die Auseinandersetzung gehe in den Verhandlungen zum Sozialplan weiter. Der Betriebsrat und Verdi planen weitere Aktionen, zunächst soll es am 19. Dezember 2009 einen Informationsstand in der Potsdamer Altstadt (Friedrich-Ebert-/ Ecke Gutenbergstraße) geben.

Ver.di zufolge hat Ebay am Standort Dreilinden vom Land Brandenburg Fördermittel von über 10.000.000 Euro erhalten mit der Auflage, Dauerarbeitsplätze zu schaffen und diese Arbeitsplätze jedenfalls bis 2008 zu erhalten.