McDonald's klagt gegen einen Vermieter in Paris. Die Burger-Braterei versucht per Gerichtsverfahren zu verhindern, dass sie durch immer höhere Mieten aus ihrer Filiale an der Champs-Elysées vertrieben wird. Die Kosten für das Lokal an der "schönsten Allee der Welt“ haben sich dem Unternehmen zufolge in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht. Dabei verkauft die Filiale jährlich 1,5 Millionen Mahlzeiten – und ist damit einer der umsatzstärksten Standorte in Frankreich. „Wir wollen die Champs-Élysées nicht verlassen“, sagt Sebastien Perochain, der Sprecher der Frankreich-Sparte des Burger-Konzerns aus Oak Brook in Illinois. „Es ist eine sehr repräsentative Lage.“

In den vergangenen 30 Jahren haben rund die Hälfte der ehemals 65 Kinos in der Nachbarschaft der zweieinhalb Kilometer langen Prachtstraße vom Arc de Triomphe zum Place de la Concorde geschlossen. Die Champs-Élysées ist inzwischen das weltweit drittteuerste Pflaster für Gewerbeimmobilien, nach der Fifth Avenue in New York und der Causeway Bay in Hongkong. Das zeigen Zahlen des Maklerunternehmens Cushman & Wakefield.

Demnach liegen die Jahresmieten, die Eigentümer wie Axa SA oder Assicurazioni Generali SA fordern, im Mittel bei 7364 Euro pro Quadratmeter. Auf der Fifth Avenue sind es 11.983 Euro, und an der Causeway Bay kosten die Flächen 9688 Euro je Quadratmeter, geht aus einem Bericht von Cushman & Wakefield vom November hervor.


Die Brasserien, Kinos und eigenständigen Geschäfte auf der Champs-Élysées wurden seit den 80er-Jahren nach und nach von Ketten verdrängt, beispielsweise durch einen Disney-Laden, Adidas und Gap. Das letzte Postamt der Avenue wird seinen Vertrag voraussichtlich nicht verlängern, sagt François Lebel, Bürgermeister des achten Arrondissements.


„Wir Pariser fühlen uns hier nicht mehr zu Hause“, klagt Roselyne Briere, 57. Sie will gerade in die Avenue George V einbiegen. „Heute ist das nur noch für die Reichen, die sich ein Vuitton-Kleid leisten können, oder für die Touristen, die gerne dieselben Kleiderläden sehen wie zu Hause.“

Doch sogar einigen großen Marken wird die Allee zu teuer. Der Restaurantbetreiber Planet Hollywood, an dem Schauspieler wie Bruce Willis und Sylvester Stallone beteiligt sind, schloss Ende Februar die Türen. Die Dependance lag einen Häuserzug von der McDonald’s-Filiale entfernt. „Die Nachfrage steigt immer noch, daher ist der Anstieg der Mieten alles andere als beendet“, sagt Thierry Bonniol, der bei dem in Paris ansässigen Makler Atisreal für Gewerbeimmobilien zuständig ist.

McDonald’s-Sprecher Perochain macht keine Angaben dazu, was sein Unternehmen für die Filiale an der Prachtstraße an Miete zahlt. Auch über den Vermieter oder Details zum Prozess schweigt er. Derzeit sitzt das Restaurant an der ehemaligen Stelle der Rothschild-Villa von 1872. Eingezogen ist „MacDo“, wie die Franzosen sagen, dort 1988.

H&M nicht willkommen

Inzwischen nimmt immerhin die Kommunalpolitik Einfluss darauf, wer auf der Avenue des Champs-Élyees einziehen darf und wer nicht. Anfang des Jahres verhinderte Bürgermeister Lebel eine Filiale von Hennes & Mauritz AB, der zweitgrößten Bekleidungskette Europas. Er begründete dies damit, dass es auf der Straße schon zu viele Bekleidungsgeschäfte gebe.

Gemäß einem im Januar vom französischen Parlament erlassenen Gesetz darf jede Kommune vorsorglich ein Lokal mieten und dann selbst einen angemessen erscheinenden Mieter wählen, sagte Lebel. „Uns wären typisch französische – oder noch besser, Pariser – Unternehmen wie ein Schokoladengeschäft oder ein Weinhändler lieber als ein T-Shirt-Verkäufer, sagt der 64- Jährige. „Die internationalen Marken findet man in jeder Stadt oder jedem Land der Welt.“

Im oberen Stock von McDonald’s, mit Blick auf das Luis-Vuitton-Geschäft, isst Sophie Martin zu Mittag und sieht den in der Nachmittagssonne vorbeiströmen Passanten nach. Für sie wäre die Schließung des Restaurants ein Verlust: „Es ist nicht teuer hier, es ist praktisch und man hatte eine prima Aussicht“, sagt die 31-jährige Buchhalterin aus Clermond-Ferrand im Zentrum Frankreichs. „Sich ein Essen auf der Champs-Élysées leisten zu können – das ist wahrer Luxus.“

Bloomberg/ras