In einer Umfrage von Morgenpost Online unter den größten Arbeitgebern der Stadt erklärten 41 Prozent der Firmen, sie rechneten für 2010 mit besseren Geschäften als 2009. Weitere 38 Prozent glauben, ihr bisheriges Niveau halten zu können. Für die eigene Branche erwarteten 76 Prozent eine bessere oder zumindest gleichbleibende Zukunft.
In der Personalpolitik schlägt sich die gute Stimmung aber weniger deutlich nieder. Wichtigste Maxime ist wohl für die meisten, die Stammbelegschaft zu halten: Von 29 Firmen, die an der Umfrage teilnahmen, wollen 18 in diesem Jahr auf dem bisherigen Personalniveau bleiben. Zwar wollen auch sechs Firmen mehr Mitarbeiter einstellen; doch zugleich kündigten diesmal fünf einen Abbau an.
Gegenüber der letzten Umfrage im Frühjahr 2009 bedeutet das einen Rückschritt. Nur drei der befragten Arbeitgeber kündigten damals einen Stellenabbau an; dagegen wollten sieben Firmen Personal aufbauen.
Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Unternehmerverbände in Berlin und Brandenburg (UVB), hält die aktuelle Zurückhaltung der Arbeitgeber für eine kluge Einstellung. „Auch wir beobachten bei den Unternehmen einen vorsichtigen Optimismus“, sagte er. „Aber es herrscht noch Unklarheit darüber, wie stark die Erholung ausfallen wird und wie durchgreifend sie ist.“
Deshalb habe das Halten der Stammbelegschaft für die Betriebe 2010 Vorrang. „Das wird aber immer schwieriger, je länger die Folgen der Krise nicht bewältigt sind“, betonte Amsinck. Die Kosten von Kurzarbeit setzten vielen Betrieben zu. Noch entscheidender werde für die Geschäftsentwicklung 2010 jedoch die Kreditvergabe sein. „Wir rechnen mit einer Verteuerung von Krediten“, sagte Amsinck. „Die Ratings vieler Firmen fallen schlechter aus. Höhere Kreditkosten würden das Überleben gerade im Mittelstand allerdings erschweren.“ Die Finanzierungsbedingungen seien damit „eine Schlüsselfrage für dieses Jahr“.
Immerhin wollen mehr Unternehmen als beim letzten Mal frei werdende Stellen neu besetzen: 22 der teilnehmenden 29 Unternehmen sprachen hier ein klares Ja aus. Im Frühjahr 2009 waren nur 15 Firmen so deutlich; neun weitere ließen sich diese Option damals offen. Betriebsbedingte Kündigungen hielten sich – wie bei der letzten Umfrage auch – lediglich drei Unternehmen offen; alle anderen sehen hier keinen Bedarf.
„Bei den Beschäftigungsplänen gibt es leider noch keine Trendwende“, bestätigt auch Daniel Fiebig, Kommissarischer Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik bei der IHK Berlin. „Die Kurzarbeit hat wahrscheinlich lange getragen, aber für einige läuft sie aus, und manche Unternehmen werden nun vielleicht doch gezwungen sein, Personal abzubauen.“ Im Konjunkturbericht 2009, den die IHK im Herbst erstellte, habe sich gezeigt, dass rund 30 Prozent der Berliner Unternehmen insgesamt ihre Stellen eher reduzieren wollten. „Das ist natürlich dramatisch. Andererseits heißt es auch: Die überwiegende Zahl der Unternehmen ist nicht gezwungen, Personal abzubauen“, betont Fiebig.
Insgesamt seien die Berliner Unternehmen glimpflich durch die Krise gekommen, sagt der IHK-Experte. „Eigentlich benötigt Berlin mehr Industrie, aber da wir eine starke Dienstleistungsbranche und eine sehr starke forschungsintensive Wirtschaft haben, waren die Auswirkungen hier nicht so verheerend wie in anderen Regionen.“
Tatsächlich zeigen sich die Unternehmen der Dienstleistungsbranche in der Morgenpost-Online-Umfrage gewohnt optimistisch. Wie schon im Frühjahr und bei der ersten Umfrage Ende 2008 zeigt sich: Es sind vor allem die Firmen im Gesundheits- und im Servicesektor, die noch bessere Geschäfte erwarten und deshalb mehr Mitarbeiter benötigen.




