US-Präsident Barack Obama sieht sich im ersten Monat seiner Amtszeit mit dem stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 34 Jahren konfrontiert. Insgesamt fielen 598.000 Jobs weg, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Dezember 1974. Experten sehen nun die Politik unter Druck, das ungefähr 900 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm möglichst schnell zu verabschieden. Obama erhalte ein wichtiges neues Argument, sagte Greg Salvaggio von Tempus Consulting: „Es lässt ihn sagen, dass wir jetzt handeln müssen.“

Die Arbeitslosenquote schnellte auf 7,6 Prozent nach oben, nachdem sie im Dezember noch bei 7,2 Prozent gelegen hatte. Höher war sie nie in den vergangenen 16 Jahren. Besonders stark gebeutelt wurde die Industrie, wo mit 207.000 so viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren wie seit mehr als 26 Jahren nicht mehr. Seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 summiere sich der Stellenverlust auf 3,6 Millionen, sagte der zuständige Statistiker Keith Hall, und "etwa die Hälfte des Abbaus fand in den vergangenen drei Monaten statt“.

Obama hatte schon am Donnerstag vor düsteren Arbeitsmarktdaten gewarnt und dringt nun auf eine rasche Verabschiedung des Programms. „Wenn wir nicht schnell zu einer Unterzeichnung des Rettungspakets kommen, wird sich die Wirtschaft, die ohnehin in einer Krise ist, einer Katastrophe gegenübersehen“, sagte er. Der US-Senat wollte am Freitag die Debatte über das milliardenschwere Konjunkturpaket wieder aufnehmen, mit dem die weltweit größte Volkswirtschaft wieder in Schwung gebracht werden sollte.

Dabei sind noch einige Streitpunkte aus dem Weg zu räumen, es geht um die Kürzung des Programms um etwas mehr als 100 Milliarden Dollar. Sollte es keine Einigung geben, werde er sich für eine Kampfabstimmung am Sonntag einsetzen, kündigte der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid an. Obama will das Konjunkturpaket bis zum 16. Februar zur Unterschrift auf seinem Schreibtisch haben.

Analysten sehen nun eine größere Chance auf eine schnelle Einigung. Eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent erhöhe den Druck auf den Kongress, schnell eine Einigung zu finden, sagte Cary Leahey von Decision Economics in New York. Der Senat werde wohl sehr hart daran arbeiten, an diesem Wochenende eine Einigung zu finden. Die zweite Kammer des US-Kongress, das Repräsentantenhaus, hat bereits eine Version des Pakets verabschiedet. Die beiden Entwürfe werden in einem weiteren Schritt von einem Vermittlungsausschuss zur Deckung gebracht werden müssen.

Die schlechten Arbeitsmarktdaten sorgten erstaunlicherweise für einen Auftrieb an den Finanzmärkten. Die Börsianer hoffen, dass die schlechten Arbeitsmarktzahlen die neue US-Regierung zu schnellem Handeln bei Stützungsmaßnahmen für die Konjunktur drängt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte kurz nach Eröffnung 1,4 Prozent fester bei 8175 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,4 Prozent auf 857 Zähler hinzu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg 1,5 Prozent auf 1569 Punkte.

Reuters/dpa/ras