Nach der Pleite des GM-Tochter Saab spitzt sich auch bei Opel die Krise zu. Der deutsche Autobauer braucht weitaus mehr Geld als bislang bekannt war. „Auf Basis geänderter Rahmenbedingungen gehen wir davon aus, dass Opel einen Bürgschaftsrahmen von mehr als den ursprünglich diskutierten 1,8 Mrd. Euro in Europa benötigen wird“, sagte Marco Molinari, verantwortlicher Geschäftsführer für Finanzen.
Genaue Zahlen wollte Molinari nicht nennen. Nach WELT-ONLINE-Informationen beziffert das Unternehmen aber allein den Bedarf an staatlichen Bürgschaften inzwischen auf rund 2,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund 700 Millionen Euro, die von der Arbeitnehmerseite aufgebracht werden müssten. Die insgesamt 3,3 Milliarden Euro sollen die Liquidität der Tochter des angeschlagenen Autokonzerns General Motors (GM) bis Ende 2011 sichern.
Opel begründet den zusätzlichen Finanzbedarf mit drastischen Absatzeinbrüchen und Wechselkursschwankungen von Euro auf der einen und britischen Pfund sowie dem Rubel auf der anderen Seite. „Die Absatzsituation auf den großen europäischen Märkten hat sich dramatisch verändert. In Spanien ist das Geschäft regelrecht zusammengebrochen“, sagte ein Opel-Sprecher. Im Januar habe der Absatz um 50 Prozent unter dem des Vorjahresmonats gelegen. Verlustreich ist derzeit auch das Geschäft mit Autos, die Opel in Deutschland produziert, die aber beispielsweise in Großbritannien verkauft werden. „Englische Händler verkaufen dort noch Autos zu Preisen, als das Pfund weitaus stärker was als heute. Inzwischen machen wir dort pro verkauftem Auto zum Teil einen Verlust von 3000 bis 5000 Euro“, sagte ein Opelmanager. Die neuen Marktbedingungen seinen im November nicht vorhersehbar gewesen. Damals hatte Opel erstmals um eine Staatsbürgschaft gebeten.
Autoexperten glauben unterdessen, dass auch die jetzt genannten 3,3 Mrd. nicht ausreichen, um das Überleben von Opel zu sichern. „Die Lage des Autobauers ist ernst“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Centers of Automotive an der Wirtschafts-FH in Bergisch Gladbach. „Um am Markt bestehen zu können, muss Opel investieren und neue Modelle bringen. Die Entwicklungskosten sind enorm“, so Bratzel. Hinzu kämen Aufwendungen für den Abbau von Kapazitäten: „Das bekommt das Unternehmen nicht zum Nulltarif von den Arbeitnehmervertretern“, sagt der Autoexperte. Er schätzt den zusätzlichen Finanzbedarf bis 2011 auf rund fünf Milliarden Euro.
Bislang ist allerdings unklar, ob die Bundesregierung dem Autohersteller Hilfen gewähren wird. „Man darf erwarten, dass ein Unternehmen selbst ein Konzept vorlegt, wie es sich seine Zukunft vorstellt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. „Noch haben wir dieses Konzept nicht.“
Dem Vernehmen nach ist die Bundesregierung bislang nicht bereit, die Rüsselsheimer durch eine direkte Beteiligung aus dem GM-Konzern herauszulösen und dann zu stützen. „Darüber wird gar nicht nachgedacht“, hieß es in Regierungskreisen. Dafür gebe es im zweiten Konjunkturpaket auch kein Instrument.
ddp/dpa/Reuters/ras





